Fahrgastbeirat wird geteilt Dürfen Buskunden in Osnabrück bald mehr bestimmen?

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Im Fahrgastbeirat Osnabrücker Land diskutieren Kunden und ÖPNV-Lobby gemeinsam – noch. Denn die Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) will sie trennen. Foto/Archiv: PlanosIm Fahrgastbeirat Osnabrücker Land diskutieren Kunden und ÖPNV-Lobby gemeinsam – noch. Denn die Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) will sie trennen. Foto/Archiv: Planos

Osnabrück. Entwarnung für Voxtrup: Der Osnabrücker Stadtteil wird beim Wechsel des Busfahrplans im September 2015 „selbstverständlich nicht abgehängt“. Das stellten die Stadtwerke Osnabrück jetzt im Bürgerforum klar und zerstreuten damit Sorgen des Fahrgastbeirats, der einen Kahlschlag bei den Verbindungen am Wochenende befürchtet hatte. Zu einschneidenden Veränderungen kommt es trotzdem – im Fahrgastbeirat selbst.

In Voxtrup werde zum Fahrplanwechsel nach den Sommerferien „lediglich auf zeitgleich fahrende Busse verzichtet – insgesamt zwei Hin- und zwei Rückfahrten montags bis freitags“, teilte Ingo Hannemann, Geschäftsbereichsleiter Technik bei den Stadtwerken Osnabrück, mit. „Alles andere sowie der Wochenendverkehr und die Durchbindung nach Bissendorf und Melle bleiben unangetastet.“

„Unnütze Doppelverbindungen“

Konkret würden folgende Fahrten der Linie 53 gestrichen: um 19 und 19.29 Uhr ab Voxtrup Spitze mit Fahrtrichtung Endhaltestelle Voxtrup sowiedie Rückfahrten ab Endhaltestelle Voxtrup um 19.05 und um 19.35 Uhr. Diese Verbindungen seien „unnütz“, so der Prokurist, weil in diesem Bereich der Meller Landstraße jeweils nur wenige Minuten früher oder später auch Busse der Linien 81/82 unterwegs seien.

Ingo Hannemann reagierte mit seiner Stellungnahme im Bürgerforum Voxtrup zumindest in Teilen auf einen Bericht unserer Redaktion von Ende Juni. Darin war unter Berufung auf den Fahrgastbeirat Osnabrücker Land über verschiedene Fahrplanänderungen spekuliert worden. Die zuständige Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) wich Nachfragen damals aus mit Verweis auf angeblich unfertige Beschlüsse. Und an einer breiten öffentlichen Diskussion hatten die Verantwortlichen anscheinend kein gesteigertes Interesse. So ließen die Stadtwerke Osnabrück wissen, die Erstellung eines Fahrplanes sei „kein basisdemokratischer Prozess, an dem die gesamte Bevölkerung Osnabrücks teilnehmen kann“. Eine Äußerung, die wiederum Fahrgastverbände in Rage brachte.

Kritik von Verkehrsverbänden

Johannes Bartelt als Sprecher der regionalen Initiative Haller Willem zum Beispiel zeigt sich erzürnt über einen „sich wiederholenden Missstand der Fahrplan-Vorbereitung in Hinterzimmern“. Anstatt den Kunden jährlich kurz vor Inkrafttreten vollendete Tatsachen zu präsentieren, möge man sie rechtzeitig einbeziehen. Dafür gebe es doch „inzwischen ausreichend technische Mittel“, findet er. Martin Sturm von Pro Bahn Südwest-Niedersachsen empfiehlt den Osnabrücker Fahrplanmachern, ihre Entwürfe bereits im Frühjahr etwa im Internet zu veröffentlichen und so Kritik und Anregungen einzufordern, bevor es zu spät ist. „Was ist daran schrecklich, wenn Fahrgäste bereits Monate zuvor erfahren, was auf sie zukommt? Vom Dialog profitieren alle Beteiligten.“ (Weiterlesen: Warum die Stadtwerke Osnabrück kurzfristig den Busverkehr an Weihnachten und Ostern einschränkten– und danach eine Kommunikationspanne einräumen mussten)

Im Übrigen erhalte sogar der Fahrgastbeirat „seit 15 Jahren Infos zu Tarif- und Fahrplanänderungen stets nur nach mehrfachem Nachfassen, unvollständig und zu einer Zeit der Unumkehrbarkeit“, sagt Sturm. Und wird in diesem Punkt bestätigt von Tobias Demircioglu, der für den Verkehrsclub Deutschland in Osnabrück dem Gremium angehört. „Immer müssen wir stochern, nachbohren und selber recherchieren. Und uns am Ende auf das verlassen, was die Planos sagt, weil wir es nicht nachprüfen können. Da fühle ich mich als Beiratsmitglied nicht ernstgenommen!“ (Weiterlesen: Busfahren in Osnabrück und Umland ab 2015 teurer)

Umstrukturierung nach 15 Jahren

Stadtwerke-Prokurist Hannemann sieht das so: Der Fahrgastbeirat sei einer von insgesamt vier Beiräten, mit dem die Planos ihre Fahrplan-Ideen im Vorfeld beraten könne und solle. „Und das tut sie auch.“ Die bestehenden Änderungsüberlegungen der Stadtwerke Osnabrück wie auch ihrer Partner in der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) habe die Planos in der Beiratssitzung am 23. Juni kundgetan, erklärte Hannemann im Bürgerforum Voxtrup. „Es gab einige Nachfragen, aber wenig Diskussionsbedarf und dafür Zustimmung zu den Planungen.“

Insgesamt scheint man aber auch bei der Planos mit dem im Jahr 2000 gegründeten Fahrgastbeirat in seiner bestehenden Form nicht mehr glücklich zu sein. So wurde der Ausschuss für Stadtentwicklung jüngst über die Absicht informiert, das Gremium bei der nun turnusmäßig anstehenden Neubesetzung teilen zu wollen. Dabei sollen Fahrgäste von Lobbyisten getrennt werden. Ein Grund: Beide Gruppen diskutierten in der ehrenamtlichen Interessenvertretung bislang „auf einer sehr unterschiedlichen Wissensebene“, wie es in der Mitteilungsvorlage heißt.

Eigene Schwerpunkte setzen

Die Zweiteilung soll es ihnen ermöglichen, künftig eigene Schwerpunkte zu setzen und „gezielt“ zu arbeiten. Der Beirat für Fahrgäste (VOS-Kunden) soll dazu von 12 auf 14 stimmberechtigte Mitglieder aufgestockt werden. Auch der neue Beirat für Vereine und Verbände darf laut Planos wachsen: Waren im alten Fahrgastbeirat vier Vertreter allein aus dem ÖPNV-Bereich stimmberechtigt, soll sich hier demnächst „ein breites Spektrum“ von Experten wiederfinden, das beispielsweise auch soziale, touristische und gewerbliche Interessen berücksichtigt. Zur geplanten Größe dieses Teilgremiums gibt es noch keine Angaben. Fest steht aber dies: Beide Gruppen sollen – miteinander vernetzt – viermal jährlich tagen, zum ersten Mal bereits im September oder Oktober.


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