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600-Liter-Fass ohne Sicherheitssiegel Geplatzter Glühweintank war selbst gebaut

Von Benjamin Kraus | 08.12.2010, 11:46 Uhr

Fehlkonstruktion Marke Eigenbau? Der Verdacht, dass der Glühweinausschank in der Bude „Osnabrücker Feuerzangenbowle“ auf dem Weihnachtsmarkt unsachgemäß durchgeführt wurde, erhärtet sich. Weil sich am Samstagabend ein großer Edelstahltank verformt und dadurch die Holztheke des Standes zerfetzt hatte, wurden zehn Personen verletzt.

Auslöser des gefährlichen Zwischenfalls war der 600 Liter fassende Edelstahltank am Boden der Bude, der unter dem Aufkoch-Kessel zur Lagerung des kalten Glühweins diente. „Wir wissen jetzt, dass der Tank kein geprüftes Serienprodukt, sondern eine Eigenkonstruktion war, die einzeln angefertigt worden ist“, sagt Georg Linke, Sprecher der Polizei Osnabrück. Seine Kollegen ermitteln gegen den Budenbetreiber wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand vermutet die Polizei die Entstehung eines Vakuums im Edelstahltank als Ursache für die plötzliche Verformung. Der Glühwein sei mit einer elektrischen Pumpe über einen Schlauch direkt in den Aufkoch-Kessel abgeführt worden. Das Problem: Der Tank sei dabei luftdicht, laut Polizei „nahezu hermetisch“ abgeschlossen gewesen. Weil gegen 21.15 Uhr offenbar recht viele Leute auf einmal Glühwein bestellt hätten, sei der Abfluss der Flüssigkeit und damit auch das Ausmaß des Vakuums im Edelstahltank gestiegen. Irgendwann sei es zu einer schlagartigen Luftzufuhr gekommen, die den Container habe zerbersten lassen.

Zehn Menschen verletzt

Dadurch wurden auch Teile der Theke abgesprengt, hinter der sich zu diesem Zeitpunkt rund 50 Personen aufgehalten hatten. Inzwischen weiß die Polizei von insgesamt zehn Menschen, die durch umherfliegende Holzteile verletzt wurden. Eine Frau, die sich Schnittwunden am Bein zugezogen hatte, konnte erst am Mittwoch aus der stationären Behandlung eines Osnabrücker Krankenhauses entlassen werden.

Der Budenbetreiber hat gegenüber der Polizei angegeben, den ominösen Tank von einem Geschäftspartner besorgt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat zur weiteren Aufklärung die Untersuchung des Gefäßes durch einen Gutachter angeordnet. Weder die Stadt noch das Gewerbeaufsichtsamt hatten im Vorfeld eine Untersuchung des Ablaufes des Ausschanks auf dem Weihnachtsmarkt durchgeführt.

„Wir hatten bei einer allgemeinen Begehung etwa die Breite der Rettungswege und Standorte der Gasflaschen kontrolliert“, sagt Karin Heinrich, Fachbereichsleiterin Bürger und Ordnung der Stadt Osnabrück. Nach dem Vorfall habe man nun begonnen, alle Stände, die Getränke ausschenkten, zu überprüfen. „Wichtig war uns zudem, dass der Standbetreiber sein System umgestellt hat und jetzt mit 20-Liter-Kanistern arbeitet.“ Aufgrund des Vorfalls werde man jedoch überlegen, nächstes Jahr umfassendere Überprüfungen durchzuführen.

„Eine Kontrolle aller Stände im Vorfeld ist aber aufgrund unserer personellen Situation nicht zu machen“, sagt Jürgen Bobe. Der stellvertretende Leiter des Gewerbeaufsichtsamtes weiß, dass aufgrund der zehn Verletzten Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen werden müssen. Erst aber müssten die Ermittlungsbehörden die Schuldfrage klären.