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Ein sehr alter niederdeutscher Berufsname Der Dreyer war als Drechsler oder als Töpfer tätig

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Osnabrück. NOZ-Leserin Martina Dreyer aus Hasbergen interessiert sich für den Ursprung ihres Familiennamens.

Der sehr häufige, von über 16000 Personen getragene Nachname Dreyer findet sich überwiegend in der nördlichen Hälfte Deutschlands und damit im niederdeutschen Sprachgebiet. Besonders im Nordwesten Niedersachsens und in Hamburg sind stärkere Konzentrationen festzustellen. An Schreibvarianten gibt es zunächst den etwas selteneren Namen Dreier, ferner Draier und Drayer. Dazu kommen die in ihrer Schreibung vom Niederländischen beeinflussten Namensformen Dreijer, Draijer und Draaijer.

Bei der Erklärung des Namens ist im plattdeutschen Gebiet nicht an das Zahlwort drei zu denken, denn in der älteren niederdeutschen Sprache sind für die Zahl die Wortformen drê, drie, drî und drü überliefert. Die an das Hochdeutsche angepasste Wortform drei wurde erst später übernommen. Der Familienname ist mit einer Berufsbezeichnung identisch, die im Mittelniederdeutschen in den Formen dreyer und drêger bezeugt ist.

Dies ist eine mit der Endung -er gebildete Ableitung vom Tätigkeitswort dreyen, dreigen, drêgen „drehen“, speziell vom Töpfer „auf der Drehscheibe drehen“ sowie „drechseln“. Der Dreyer war also entweder der mit der Töpferscheibe arbeitende Handwerker oder ein Drechsler. Letzterer bearbeitete vorwiegend Holz, seltener auch Messing, für Schmuck auch Materialien wie Knochen, Horn, Elfenbein und Bernstein.

Auf die Wortform drêgen sind die heutigen Familiennamen Dreger und Dreeger zurückzuführen. Der ebenfalls sehr häufige und auch im Norden vorkommende Nachname Dreher geht von der hochdeutschen Wortform drehen aus und ist in der nördlichen Hälfte Deutschlands wohl als hochdeutsche Form von Dreyer oder Dreger entstanden.

Im Süden wird dem Namen Dreier/Dreyer überwiegend das Zahlwort drei zugrunde liegen. Hier handelt es sich wahrscheinlich um einen Amtsnamen, der den Betreffenden als Mitglied einer drei Männer umfassenden Körperschaft oder eines Dreierausschusses bezeichnete. So sind auch Namen wie Fünfer, Sechser oder Achter zu erklären. Im alemannischen Südwesten allerdings ist Dreier auch als mundartliche Variante von „Dreher“ nachzuweisen. Dazu kommen hier noch die weiteren Namensformen Traier, Trayer, Treier und Treyer mit T statt D.

Einige frühe niederdeutsche Belege des Berufsnamens sind: 1345 „Thidericus Dreiere“, 1348 „Lippold Dreghere“, 1370 „Tileke Dreyere“ (alle in Hannover), 1402 „Hans Dreyer“ (Haldensleben), 1411 „Herman Dreger“ (Hattingen), 1452 „Roleff Dregher“ (Goslar).

Im Internet finden Sie die Familiennamen, die Dr. Breidbach schon im Auftrag unserer Zeitung untersucht hat: www.noz.de/namen. Namensvorschläge bitte an namensforscher@noz.de, Gutachten: www.ifn.name


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