Falscher Triumph „Schwert des Tiberius“ verkündet den Sieg des Germanicus

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Osnabrück. Die Ausstellung „Ich Germanicus – Feldherr, Priester, Superstar“ nimmt am Anfang Germanicus in seiner Rolle als Feldherr ins Visier. Das Schwert des Tiberius aus dem Jahr 17 nach Christus zeigt nicht nur Germanicus als den vermeintlich erfolgreichen Bezwinger der germanischen Stämme. Das Schwert versinnbildlicht zudem die Staatspropaganda des Römischen Reiches.

Glücklich sitzt der römische Kaiser Tiberius auf seinem Thron. Vor ihm steht der stolze Germanicus. Der Feldherr übergibt dem Kaiser symbolisch den Sieg über Germanien und Tiberius freut sich über die Erfolge des Feldherren. Das Schwert von Tiberius stellt Germanicus als einen ruhmreichen Krieger dar, der Germanien bezwungen hat. Mit der Realität hat die Darstellung allerdings nur wenig zu tun.

Die Bilder auf der Schwertscheide, die aus Bronze besteht und mit Gold legiert ist, symbolisieren einen historischen Wendepunkt in der Geschichte des Römischen Reiches. Denn niemand hat ernsthaft damit gerechnet, dass Germanicus als Verlierer aus Germanien wiederkommen könnte. Doch genau das ist eingetreten.

„Die Schwertscheide ist trotz ihrer 2000 Jahre gut erhalten“, sagt der Ausstellungskurator, Stefan Burmeister. Die Schwertscheide besteht aus zwei gebogenen Metallblechen, die mithilfe von Klammern zusammengehalten werden. An beiden Seiten der Schwertscheide befinden sich Ringe. An diesen Ringen wurde sie samt Schwert am Gürtel der Soldaten befestigt.

Zusammenarbeit mit dem British Museum

Der gute Zustand der Schwertscheide lässt sich darauf zurückführen, dass sie im feuchten Milieu gelegen habe. Gefunden wurde sie circa 1845 bei Bauarbeiten am Rheinufer in Mainz. Nach dem Fund kam sie zuerst in den Kunsthandel und wurde schließlich von einem englischen Sammler gekauft. Nachdem sie sich mehrere Jahrzehnte in seiner Hand befunden hatte, ging sie an das British Museum in London über, wo sie sich auch bis heute befindet. Für die Germanicus-Ausstellung lieh das British Museum die Schwertscheide dem Museum in Kalkriese.

Trotz einiger Beschädigungen sind die Abbildungen mit mehreren römischen Staatssymbolen noch gut zu erkennen. Und sie sind das Wichtigste. Doch über Eines können die Abbildungen nicht wegtäuschen: Die militärischen Erfolge des Germanicus ließen zu wünschen übrig. Nach der katastrophalen Niederlage in der Varusschlacht wollte Germanicus („Der Germanien-Bezwinger“) sechs Jahre später mit acht Legionen und 1000 Kriegsschiffen die Schlacht rächen und die germanischen Völker wieder unter römische Herrschaft bringen. Obwohl er damit trotz zweijähriger Rachefeldzüge nicht erfolgreich war, ließ ihn Tiberius mithilfe der Staatspropaganda als einen strahlenden Feldherren darstellen. „Das Schwert des Tiberius sollte eine Art Orden sein“, sagt Burmeister.

Schwerter an Soldaten verteilt

„Tiberius ahnte, dass die Rachefeldzüge nicht die erhofften Erfolge bringen würden und zog 17 nach Christus schließlich die Reißleine. Er verkündete einfach den Erfolg von Germanicus und gab sich damit zufrieden, dass die germanischen Stämme unter einer indirekten Beeinflussung des Römischen Reiches standen“, sagt der Kurator.

Somit ist das Schwert des Tiberius ein Beweis für die Staatspropaganda. Damit der Ruhm des Germanicus nicht unbemerkt blieb, wurden die Schwerter mit der Siegesverkündung an Soldaten verteilt.

„Normalerweise mussten Berufssoldaten für ihre Ausrüstung selber aufkommen. Sie wurde zwar vom Staat gestellt, allerdings wurde den Soldaten das Geld für die Ausrüstung vom Sold abgezogen. Beim Schwert des Tiberius war das allerdings anders“, sagt der Kurator. Wie viele Anfertigungen es vom Schwert des Tiberius gab, ist laut Burmeister nicht bekannt.

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Unsere Sommerserie „Ich Germanicus“ widmet sich der Ausstellung „Germanicus – Feldherr, Priester, Superstar“ im Museum Kalkriese. Einmal in der Woche stellen wir ein Exponat aus der Ausstellung vor und beleuchten seine Bedeutung. Der römische Feldherr Germanicus lebte im ersten Jahrhundert und war gleichzeitig Anwärter auf den römischen Thron. Bekannt wurde er dadurch, dass er die römische Niederlage in der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus rächen wollte. Aus der Perspektive des Germanicus werden nicht nur die Rachefeldzüge beleuchtet, sondern auch die Familienkonstellation des römischen Feldherren dargestellt, die eng mit der Bezwingung von Germanien verbunden war.

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