30 Jahre Uni-Kammerchor Zerrissen zwischen Tradition und Moderne

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Osnabrück. Der Kammerchor der Universität Osnabrück feierte sein 30-jähriges Bestehen mit einem Konzert in ungewöhnlicher Besetzung in der Herz-Jesu-Kirche.

Ein warmer Gong. Schwebende Klänge erfüllten die Herz-Jesu-Kirche. Drei Schlagzeuger spielten auf verschiedenen Schlaginstrumenten – zum Teil mit einem Bogen. Dann ein Rauschen. Der Chor setzt leise und mit lang ausgehaltenen Akkorden ein.

Leichte Disharmonien werden durch die Kirchenakustik verstärkt und erzeugen so eine Spannung, die gerade nicht nach Kirche klingt. Erstaunlich gut mischen sich die Klänge der Schlaginstrumente mit dem gemischten Kammerchor der Universität, der von Joachim Siegel geleitet wird.

„Magnificat“ war das zweite Stück beim Konzert am Samstagabend. Komponiert hat es Peter Witte, Dozent am Institut für Musik an der Universität Osnabrück. Der Gesang wird zwischendurch perkussiv und klingt fast nach geflüstertem Sprechgesang. Der Abschlussakkord klingt verführerisch weich. Von Witte stammt auch das vorletzte Stück des Abends „Nunc dimittis“. Nur wirken dabei Chor und Percussion dann doch ein wenig wie zwei Fremdkörper: Die Klänge mischten sich nicht zu einem Ganzen – wirkten unabhängig voneinander.

In den anderen Stücken sangen und spielten der Chor und die Schlagzeuger getrennt voneinander. In „Trance“ vom zeitgenössischen Komponisten Gerhard Stengert schaffte es das Percussion-Trio, flächig und atmosphärisch zu klingen. Immer wiederkehrende Tonfolgen auf dem Marimbafon – nur leicht verändert. Auf angenehme Weise monoton. Dazwischen kurze verspielte Einwürfe anderer Percussion-Instrumente.

Das Programm des Konzertes zum dreißigjährigen Bestehen des Kammerchores spiegelte sich um drei Vertonungen des mittelalterlichen lateinischen Textes „Ubi Caritas“: In der Mitte des Programms stand die Version von Maurice Duruflé, in der Mitte der ersten Hälfte sang der Chor die Vertonung von Paul Mealor, und die zweite Hälfte wurde durch „Ubi caritas“ von Peter Eben halbiert. Alle drei Versionen orientieren sich an gregorianischen Interpretationen des Textes. (Weiterlesen: Überraschung für Chorleiter Joachim Siegel)

Der Chor interpretierte sakrale Kompositionen aus der Zeit vom 16. bis zum 21. Jahrhundert. „Jubilate Deo“ von Giovanni Gabrieli, „Os justi“ von Anton Bruckner oder „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Chor klang sehr harmonisch, aber vor allem bei den deutschsprachigen Liedern etwas verwaschen und schwer verständlich – woran zum Teil sicherlich der Nachhall der Kirche verantwortlich war.

Die ungewöhnliche Besetzung des Konzertes sorgte für eine angenehme Frische in der Kirche, vor allem mit den zwei Werken von Peter Witte. Diese Frische fehlte leider etwas in den kirchlichen Stücken ohne Percussion. Dadurch wirkte das Programm etwas zerrissen zwischen Tradition und Moderne.


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