Stadtwerke feiern 125 Jahre Wasserversorgung Der Weg des Wassers von der Quelle bis zum Hahn


Osnabrück. Die Dusche nach dem Aufstehen, der Kaffee zum Frühstück, noch ein Gläschen zur Erfrischung und für unterwegs eine Flasche Selbstgesprudeltes – wenn der Durchschnittsosnabrücker am Morgen seine Heimstatt verlässt, hat er schon die ersten – nun, sagen wir mal – 80 Liter Trinkwasser verbraucht. Die restlichen 40 wird er, über den Tag verteilt, konsumieren.

Und es ist so einfach: Wir drehen den Wasserhahn auf, schöpfen das kühle Nass, drehen den Hahn wieder zu, und alles ist gut. Das war nicht immer so. Bei genauerem Hinsehen kann man sogar sagen, dass der Zeitraum der flächendeckenden Wasserversorgung per Leitungssystem noch recht jung ist: Seit gerade mal 125 Jahren zapft der Osnabrücker sein Wasser aus einem städtischen Wassernetz, davor schleppte er sich und den viel besungenen Krug so lange zum hauseigenen Brunnen, bis er brach – der Krug. Dem Geburtstag der lebenserleichternden Einführung des Wassernetzes sind die Stadtwerke bei einem Rundgang durch ihr Archiv eher zufällig auf die Schliche gekommen, hielten ihn dann aber – wohl auch zu Recht – für so bedeutsam, dass sie ihn gerne in größerem Rahmen mit ihren Kunden feiern möchten. Deshalb laden sie am morgigen Sonntag, 19. Juli, von 11 bis 18 Uhr zum Wassererlebnistag auf das Wasserwerksgelände in Düstrup ein. Neben Vorträgen zum Thema Trinkwasser gibt es Führungen zur Technik des zwar mehr als hundert Jahre alten, aber hochmodernen Wasserwerks. Die „Physikanten“ – ein Team aus Naturwissenschaftlern, Schauspielern und Moderatoren – bauen mit den jungen Besuchern Wasserraketen und entfachen Wasser-Tornados. Die kleinen Gäste können außerdem mit Mini-Wasserbooten fahren, Enten angeln, sich als Wassermann bzw. Wassernixe schminken lassen und viele weitere Angebote nutzen.

Wasser ist ein Lebensmittel

Zu sehen und zu hören wird es einiges geben, denn so einfach das Wasserzapfen am heimischen Hahn auch sein mag, bis das Lebensmittel – und genau das ist das Trinkwasser, das wir täglich konsumieren – im eigenen Haushalt ankommt, liegt nicht nur ein erkleckliches Stück Weg hinter ihm, sondern auch einige Arbeit für die Mitarbeiter der Stadtwerke.

Ganz oben steht für Kunden und Lieferanten selbstverständlich die Qualität des Wassers . Osnabrück wird aus drei Wasserwerken versorgt: Thiene, Wittefeld und Düstrup. Letzteres liefert ungefähr ein Drittel des Trinkwassers, der Rest kommt aus den beiden Wasserwerken nördlich der Stadt. Von den Wasserwerken bringen Pipelines mit einer Gesamtlänge von 84 Kilometern das Wasser in insgesamt elf Hochbehälter im Stadtgebiet (drei große am Piesberg, Schölerberg und Schinkelberg sowie acht kleinere). Von dort aus fließt das Wasser durch das 629 Kilometer lange Verteilnetz zu den 32000 Hausanschlüssen, mithin zu den Kunden, die jährlich 10,6 Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchen.

Ständige Kontrollen

Wasser, das auf dem Weg zu ihnen mehrere Qualitätschecks hinter sich gelassen hat. Geprüft wird das Rohwasser, das aus den Brunnen gepumpt wird, und natürlich auch das Reinwasser, wie das Endprodukt genannt wird. Denn ganz ohne Aufbereitung geht es nicht. Nicht zuletzt auch, weil die Kunden Ansprüche an ihr Wasser haben, das natürlich gesund sein soll, aber auch zum Beispiel nicht so kalkhaltig, damit die Haushaltsgeräte nicht leiden. Die Untersuchungen werden im stadtwerkeeigenen Labor an der Luisenstraße erledigt. Sechs Mitarbeiter kümmern sich hier darum, dass das Lebensmittel Wasser auch Lebensmittelqualität hat. „Unsere Werte sind durchweg besser als die in der Trinkwasserverordnung festgelegten Grenzwerte“, sagt die Leiterin der Betriebssteuerung, Helga Groeneweg. Und der technische Leiter der Stadtwerke, Ingo Hannemann, ergänzt: „Die Untersuchungsmethoden sind mittlerweile so gut, dass man ein Stück Würfelzucker im Chiemsee ermitteln könnte.“ Insgesamt wird das Wasser an verschiedenen Stellen (Brunnen, Hochbehältern, Leitungsnetz, Pumpstationen) bis zu 1000-mal jährlich überprüft, weiß Stefan Obermeyer, Leiter Netzführung der Stadtwerke.

Dabei macht sich Obermeyer so seine ganz eigenen Gedanken zum Wasser. Er ist nämlich dafür zuständig, dass der gute Tropfen aus den tieferen Erdschichten überhaupt beim Verbraucher ankommt. Was unsere Ahnen vor nunmehr 125 Jahren in der Erde verbuddelten, nämlich die Transportrohre für das Wasser, bedarf der ständigen Überwachung, Reparaturen oder auch schon mal des Komplettaustausches, wie zum Beispiel demnächst im Kreuzungsbereich an der Vitischanze. Dann kann Obermeyer sich mit seinen Leuten mal wieder einen Kopf machen, wie er denn die Osnabrücker, die an dieser Leitung hängen, während der Bauarbeiten weiter mit Wasser versorgt, und zwar so, dass die gar nicht merken, dass da jemand an ihrer Hauptleitung schraubt.

Dank modernster Technik können in der Netzleitzentrale die Wege des Wassers aufs Genaueste definiert werden. Festgelegt ist zum Beispiel – an dieser Stelle ist es noch eher grob und allgemein – welche Teile der Stadt aus welchem Wasserwerk und über welchen Hochbehälter versorgt werden. Das Wasser an der Ecke Wall/ Bramscher Straße hat bereits den weiten Weg aus Thiene und den Hochbehälter auf dem Piesberg hinter sich und dabei schon ein gutes Stück verfeinerte Wegstrecke. Die haben Obermeyer und seine Leute auf Monitoren in der Leitzentrale vor Augen. Von dort aus können sie auch Pumpen und Schieber regeln , Wasser um Rohrbruchstellen umleiten und vor allem diese auch ausfindig machen, indem sie genau die abgegeben Mengen kontrollieren.

Manche Spitzenwerte lassen sich leicht erklären, zum Beispiel durch die Pausen bei Länderspielen oder das Ende des Münstertatortes. Fehlen solche Erklärungen oder andere Erfahrungswerte wie ein erhöhter Wasserverbrauch bei heißen Temperaturen – Thema Gartenbewässerung – dann ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Hier könnte ein Wasserrohrbruch der Übeltäter sein, dem natürlich sofort Einhalt geboten werden muss. Schließlich ist Wasser kostbar und, wie Hannemann sagt, nur eine Leihgabe.

Wasser ist eine Leihgabe

Überhaupt: Er betrachte das Thema Wasser sowieso lieber ganzheitlich, sagt Hannemann. Macht ja irgendwie auch Sinn. Schließlich muss das, was reingeht – und da wären wir wieder beim morgendlichen Kaffee – ja auch wieder raus. Oder um es ganz deutlich zu sagen: In der Toilette vervollständigt sich der Kreislauf des Wasserlebens. Und auch für den Weg zurück sind die Stadtwerke zuständig. Aber das ist eine andere Geschichte.


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