Leihverkehr im Osnabrücker Museum So begehrt sind die Bilder Felix Nussbaums

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Osnabrück. Im Rahmen unserer Serie über das Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus fragen wir nach der Abwicklung des Leihverkehrs. Mehrere Nussbaum-Bilder gehen jährlich in andere Museen.

Der Lichtschein huscht über das Bild. Anne Sibylle Schwetters aufmerksamem Blick entgeht nichts. Die Kuratorin mustert die Maloberfläche, sie forscht nach Fehlstellen, Kratzern, Retuschen. Sie trägt weiße Handschuhe, mit denen sie die Lampe hält, dann und wann prüfend über den Rahmen fährt. Vor ihr liegt Felix Nussbaums „Antikensaal“. Dem Gemälde von 1930 gilt diese routinierte Untersuchung, die immer dann vorgenommen wird, wenn ein Bild aus dem Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus verliehen werden soll. Der „Antikensaal“ bleibt einstweilen aber im Haus. (Hier weiterlesen: „Pit und Peggs“, das Kinderbuch von Felix Nussbaum) .

Zwei Bilder gehen nach Belfort

„In diesem Sommer sind alle Bilder da. Aber drei, vier Mal im Jahr gehen Leihgaben auf Reisen“, erzählt die Kuratorin. In diesem Herbst sollen zwei Gemälde von Nussbaum in das Museum des französischen Belfort reisen, um dort im Rahmen einer Ausstellung gezeigt zu werden. Zuletzt waren vier Zeichnungen zu Nussbaums berühmten Spätwerk „Triumph des Todes“ im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Andere Beispiele ließen sich anfügen - so zum Beispiel die große Präsentation von Bildern Felix Nussbaums, die 2011 im Jüdischen Museum in Paris zu sehen war. (Hier weiterlesen: Felix Nussbaum und sein Lehrer Hans Meid).

Kratzer und Retuschen

Jedes Bild, das auf Reisen geht, durchläuft jene Kontrolle, mit der Anne Sibylle Schwetter Nussbaums „Antikensaal“ durchmusterte. Denn Museumsexponate sind kostbar. Sie sollen in einwandfreiem Zustand verliehen werden und ebenso auch wieder in Osnabrück eintreffen. Dafür füllen Kuratoren und Restauratoren sogenannte Zustandsprotokolle aus, in denen alles festgehalten wird, was auffällig ist. Erfahrene Museumsleute kennen Stärken und Schwächen ihrer Bilder, sie wissen, wo eine gemalte Bildoberfläche einen Kratzer aufweist, wo sich Retuschen befinden oder der Rahmen eine Macke zeigt. Es darf nur kein neuer Schaden beim Leihverkehr hinzukommen. „Das wäre dann ein Versicherungsfall. So etwas kommt zum Glück nur sehr selten vor“, erzählt Anne Sibylle Schwetter. (Hier weiterlesen: Die Stillleben von Felix Nussbaum).

Auf Reisen fast nie allein

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Die Volksweisheit gilt erst im Museum. Deshalb gehen gerade kostbare Exponate auch nie ohne Begleitung auf Reisen. Gerade herausragende Bilder werden von sogenannten Kurieren begleitet, Kuratoren oder Restauratoren, die während des Transports ein Auge auf die Kunstwerke haben und auch den Umgang mit der Kunst am Leihort überwachen. Anne Sibylle Schwetter erinnert sich dabei besonders an ihre Reise vom texanischen Fort Worth zurück nach Osnabrück, als sie Felix Nussbaums „Selbstbildnis mit Judenpaß“ begleitete. Im dortigen Kimbell Art Museum war das Hauptwerk des Nussbaum-Hauses 2007 in einer Ausstellung zu sehen.

„Bilder in gute Hände geben“

„Wir müssen in jedem Fall das Vertrauen haben, dass wir unsere Bilder in gute Hände geben“, sagt die Osnabrücker Museumsmitarbeiterin. Auch das Osnabrücker Museum fragt nach Leihadressen nach den technischen Bedingungen der Präsentation, vor allem nach Sicherheit und Raumklima. Dazu gehört aber auch die Frage nach dem Konzept der jeweiligen Ausstellung, in deren Kontext Nussbaums Bilder zu sehen sein werden. Die Ausstellungskonzepte müssen überzeugen - nur dann gehen Gemälde von Osnabrück aus auf Reisen. (Hier weiterlesen: Das Nussbaum-Haus - ein Architekturklassiker) .

Nächstes Highlight in Bonn

Damit entstehen allerdings auch wichtige Kontakte. Nach den Worten von Anne Sibylle Schwetter beruht das Leihgeschäft unter Museen auf Gegenseitigkeit. So fragen die Osnabrücker für ihre eigenen Ausstellungsprojekte gerade bei den Museen nach Leihgaben, die selbst Bilder von Nussbaum auf Zeit erhalten hatten. 2017 steht da übrigens wieder ein großer Auftritt für Nussbaum an. Das Kunstmuseum Bonn zeigt dann „Das unheimliche Heim. Interieurs von Munch bis Beckmann“. Anna Sibylle Schwetter: „Wir leihen für diese Ausstellung Nussbaums `Stillleben mit Katze´. Und wir freuen uns darauf“.

(Hier weiterlesen: „Selbstbildnis mit Judenpaß“ - die „Mona Lisa“ des Felix-Nussbaum-Hauses).


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