Wespen dezimieren Mücken Wespenberater fürs Osnabrücker Land rät zu Besonnenheit

Wolfgang Marks, Wespenberater Foto: Elvira PartonWolfgang Marks, Wespenberater Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Wild mit den Händen herumzufuchteln, ist für viele ein Reflex, wenn sie einer Wespe begegnen, die es möglicherweise auch noch auf den Kuchen oder die Limonade abgesehen hat. So werden die Tiere allerdings nur gereizt. Wie das Zusammenleben mit Wespen funktionieren kann und wann ein Nest entfernt werden muss, erklärt Wolfgang Marks im Interview. Er ist Teil des ehrenamtlichen Beraternetzwerkes im Landkreis Osnabrück.

Woher kommt die Angst vor Wespen?

Vor allem durch fehlende Information und übertriebene Fürsorge. Das merken wir auch in Beratungsgesprächen. Wenn ich nach dem letzten Wespenstich frage, liegt der meist Jahre zurück. Wir versuchen deshalb auch, Schulen und Kindergärten zu informieren. Wenn einige Regeln eingehalten werden, gibt es auch keine Probleme. Auch das Gerücht, sieben Hornissenstiche könnten ein Pferd töten, stimmt nicht. Da bräuchte es schon eher 1000 Stiche. Schlimmer als Wespenstiche sind die von Blutsaugern, wie Mücken oder Zecken.

Wie oft melden sich Personen bei Ihnen und wie oft muss tatsächlich ein Nest entfernt werden?

Es ist oft einfach eine Einstellungssache, ob sich Bürger mit den Wespen arrangieren können. Unser Team mit 40 Ehrenamtlichen bekommt durchschnittlich 800 Anrufe im Jahr. Sinnvoll ist meiner Meinung nach immer eine Beratung vor Ort. Ein Arzt kann auch keine Diagnose über das Telefon stellen. 80 Prozent der Nester können aber hängen bleiben. Wir prüfen, wie nah das Nest in der Umgebung von Menschen ist. Bei einem Abstand von weniger als zwei Metern kann es Probleme geben. Außerdem auch wenn kleine Kinder oder Allergiker in der Nähe sind. In manchen Fällen kann das Nest umgesiedelt werden. Die letzte Möglichkeit ist ein Schädlingsbekämpfer.

Wie gehen Menschen ihrer Erfahrung nach mit den oft unbeliebten Tieren um?

Die meisten Gespräche, die wir führen, sind sehr angenehm. Oft wollen sich Bürger einfach informieren. Problemfälle habe ich so gut wie nie erlebt. Wespen bringen dem Menschen auch Vorteile: Man sagt, dass in einem Haus mit Wespennest keine Mücken sind. Denn die Larven der Wespen werden mit Ungeziefer gefüttert.

Die Feuerwehr Osnabrück musste erst in der vergangenen Woche ausrücken, weil Menschen versucht haben, selbst ein Wespennest zu entfernen. Muss immer ein Experte hinzugezogen werden?

Ich denke, es gibt eine große Dunkelziffer an Nestern, die Bürger selbst entfernen. Vor allem auf dem Land. Außerdem gibt es frei verkäufliches Wespengift. Wir raten allerdings davon ab, selbst gegen das Nest oder die Wespen vorzugehen, da sich die Tiere bedroht fühlen können und so eher stechen.

Wann sind Wespen unterwegs?

Die Wespen beginnen in der Regel dann mit dem Bau der Nester, wenn auch Vögel damit anfangen. Das ist abhängig von den Temperaturen, meistens im Mai. Alles fängt ganz klein mit der Königin an. Die Nester werden meist erst jetzt im Juli – und oft durch Zufall – entdeckt, wenn sie die volle Größe erreicht haben.

Gibt es in diesem Jahr mehr Wespen als sonst und welche stechen?

Es sind mehr als in den vergangenen zwei Jahren, aber die Zahl wird im Durchschnitt der letzten 20 Jahre liegen. Die Arten, die freihängende Nester bauen, sind die Harmlosen. Auch sie sind wehrhafte Insekten und können mal stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Zum Beispiel wenn das Nest beim Heckeschneiden beschädigt wird. Eher stechen allerdings die Wespen, die in Höhlen im Boden, Mauern oder Jalousien nisten.

Welche Regeln sollten eingehalten werden, damit das Zusammenleben funktioniert?

Süßgetränke, die draußen stehen, sollten immer abgedeckt werden. Gefährlich sind Getränke aus Dosen, deren Inhalt nicht zu sehen ist. Kindern sollte nach dem Essen von süßen Sachen der Mund abgeputzt werden. Falls es doch mal zu einem Stich kommt, hilft es, eine halbe Zwiebel darauf zu reiben.

Weitere Informationen zum Umgang mit Wespen und das Beraternetz gibt es auf der Homepage des Landkreises oder über die „Wespen-Hotline“unter Tel. 0541/501-4022.


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