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Telgter Wallfahrt 2015 Bilder von Deutschlands größter Fußwallfahrt

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Osnabrück/Telgte. Die Osnabrücker Wallfahrt nach Telgte bleibt das größte spirituelle Event in der Region: Am Samstagnachmittag erreichten rund 11000 Pilger den westfälischen Wallfahrtsort. Das ist ein neuer Rekord bei Deutschlands größter Fußwallfahrt.

Schon früh zeichnete sich eine hohe Beteiligung ab. Um drei Uhr setzten sich rund 800 Pilger am Samstagmorgen zur 163. Ausgabe des Glaubensmarathons in Bewegung. Entlang der B 51 über Nahne, Oesede und hinweg über den Herrenrest schlossen sich auf der Flachetappe von Bad Iburg bis Glandorf immer mehr Wallfahrer dem Zug an.

Beten, Singen, Pausen

Unter ihnen auch Christa Benz aus Cloppenburg. „Die Wallfahrt zeigt: Die Kirche hat junge Leute. Und sie hat Männer. Die fehlen nämlich sonst in den Gottesdiensten“, bemerkte sie. Benz selber mag die strikte Abfolge während des Marsches zu Maria. Über den Zug verteilte Vorbeter singen und beten mit den Gläubigen Psalmen, Gebete, Lieder und Litaneien. Dazwischen gibt es jeweils drei Minuten Pause.

Austausch beim Glaubensevent

Karlheinz Schomaker, der technische Leiter der Wallfahrt, empfiehlt, aktiv die Texte und Lieder aus dem kleinen grünen Pilgerbuch mit zu beten und zu singen. „Die 43 Kilometer lange Strecke lässt sich dann besser bewältigen.“ Schomaker hat zudem beobachtet, dass sich viele Pilger nur einmal im Jahr auf der Telgter Wallfahrt sehen. „Man tauscht sich aus, denn auch das gehört mit zu diesem Glaubensevent.“ Nach wie vor steige der Trend, dass immer mehr junge Menschen sich am Pilgerzug beteiligten“, registrierte Schomaker in Glandorf.

„Wichtig, dass die Kirche sich nach außen hin zeigt“

Dort genossen Rüdiger Hune und sein zwölfjähriger Sohn Felix mit Wurst- und Nutellabrötchen den ersten großen Pausenstopp. „Wir sind wegen des Gemeinschaftsgefühls und der sportlichen Herausforderung dabei.“ Der Marienverehrung könne er noch nicht so viel abgewinnen. „Aber es ist wichtig, dass die Kirche sich nach außen hin zeigt.“

Gedenken an Egon Mielenbrink

Beim liturgischen Halt in der Klause Ödingberge gedachte Bischof Franz-Josef Bode an den im Februar verstorbenen Prälat Egon Mielenbrink. Der Kirchenmann aus Telgte galt als exzellenter Kenner der Pilgerfahrten in Deutschland. Er hatte zudem an den drei letzten Ausgaben der Wallfahrtsbücher mitgearbeitet. Bode sprach in der Predigt, dass Pilgern nicht mit Joggen, Walken oder mit einem Spaziergang zu vergleichen sei.

„Den Ballast von der Seele laufen“

„Man kann sich beim Pilgern den Ballast von der Seele laufen.“ Angesichts der rund 6000 Pilger in der Klause, meinte Bode, dass die Zahl eigentlich doppelt so groß sei. „Denn jeder Wallfahrer trägt ja in seinem Herzen immer noch einen Menschen mit sich, für den er nach Telgte pilgert.“

„Mit dem Skateboard kann ich wenigstens mitmachen“

Das Wallfahren nahm Lucas Salvey ziemlich wörtlich. Der 16-Jährige begleitete den langen Zug auch auf seinem Skateboard. Doch statt nur mit zu beten und zu singen, filmte er die Pilger rollend vom Radweg neben der B 51. „Ich hab‘ dieses Jahr Knieprobleme und mit dem Board kann ich wenigstens mitmachen.“ Die große Kolpingfahne von Vater Thomas hat er aber auch schon ein Stück getragen. „Wir kommen aus Geesthacht in Schleswig-Holstein und machen schon seit 18 Jahren mit“, erzählte der Vater während des Gehens.

Diakon aus Melle infizierte die Geestachter Kolpingfamilie mit dem Telgter Wallfahrts-Virus

Ein Diakon aus Melle habe die Geestachter Kolpingfamilie damals mit dem Telgter Wallfahrts-Virus infiziert. „Das ist wegen der Gemeinschaft mitunter Gänsehaut pur hier. Ich bekomme den Kopf frei und nehme auch meine Anliegen und Sorgen mit“, schilderte Salvey die klassischen Wallfahrer-Gründe. Nach etwas mehr als zwölf Stunden erreichten mittlerweile 11000 Pilger das Telgter Gnadenbild. Empfangen wurden sie dabei von rund 1000 Menschen und 224 Radfahrern. Die Pilgerpedaleure waren dem Zug auf anderen Wegen nach Telgte gefolgt.

Lesen Sie hier weiter:Liebe in Glandorf: Es funkte bei der Telgter Wallfahrt“


Im März 1852 hatten Osnabrücker Bürger den Wunsch geäußert, am Fest Mariä Heimsuchung eine Pilgerreise nach Telgte zum Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes zu unternehmen. In den Kriegsjahren 1864 bis 1866, 1914 bis 1918 und zwischen 1938 und 1944 war die Wallfahrt zwar verboten. Dennoch machten sich auch in diesen Zeiten viele Gläubige auf den Weg. Seit einigen Jahren nehmen nicht nur Menschen aus der Region Osnabrück und Münster teil, sondern aus allen Teilen Deutschlands.

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