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Häufig Konflikte mit Autofahrern Osnabrücks Radfahrer melden 700 Mängel

Von Jörg Sanders

Zur Kreuzung Vitischanze gibt es besonders viel Kritik: Hier fühlen sich viele Radfahrer nicht sicher. Foto: Jörg SandersZur Kreuzung Vitischanze gibt es besonders viel Kritik: Hier fühlen sich viele Radfahrer nicht sicher. Foto: Jörg Sanders

Osnabrück. Fast 700 Mängel, aber auch 56 Lobe, und nicht zuletzt 352 Ideen: Die Stadt hat am Donnerstag ein Zwischenfazit der Online-Umfrage zum künftigen Radverkehrsplan vorgestellt. Ein Hauptärgernis: der Konflikt mit Autofahrern.

Bis zum Donnerstagmorgen gingen 1131 Mängel, Lobe und Ideen bei der Stadt ein – rund 1000 davon mit konkretem Ortsbezug. „Die hohe Beteiligung hat uns letztendlich überrascht“, sagte Stadtbaurat Frank Otte.

Bis zum Sommer will der Fachbereich Städtebau dem Rat der Stadt Vorschläge zur Fortschreibung des Radverkehrsplans vorlegen. Seit dem 8. Juni können Bürger im Internet auf www.osnabrueck-sattelt-auf.de Mängel, Ideen und Lobe äußern. „Dabei fällt auf, dass es viele räumliche Ballungen gibt“, sagte Ulla Bauer, Radverkehrsbeauftragte der Stadt.

Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern

Viele Konflikte und Gefahren sähen die Radfahrer auf dem Wall, in der Innenstadt und auf den Hauptverkehrsstraßen. Häufig gebe es Konflikte mit Auto- und Lkw-Fahrern, teilweise auch mit Bussen sowie den aussteigenden Fahrgästen.

Das zweitgrößtes Ärgernis für Radfahrer sind den Zahlen zufolge die Kreuzungen und Ampelschaltungen, insbesondere auf dem Wall. Es folgen zu schmale und beschädigte Radwege – wobei die Finanzlage der Stadt für Letzteres oftmals der Grund sei, sagte Bauer. Bei Hochbordradwegen stören viele Radfahrer die zu hohen Absenkungen.

Fahrradstraße findet Anklang

Keine Kritik, dafür aber Lob, gibt es für die Wegweisung. Wenig Kritik gibt es ferner für die Möglichkeiten, sein Rad abzustellen und anzuschließen. Viele Teilnehmer loben die Katharinenstraße, eine Fahrradstraße. Das Kopfsteinpflaster der umliegenden Straßen sowie die Erreichbarkeit der Straße hingegen empfinden viele Radfahrer als störend. Die inzwischen gut ausgebaut Bohmter Straße erachten viele Radfahrer als gelungen, ebenso die roten Aufstellflächen vor Autos an Ampeln, sogenannte ARAS (aufgeweitete Radaufstellstreifen). Insgesamt gab es bislang 60 Lobe. „Damit hatten wir kaum gerechnet“, sagte Bauer.

Und wie geht es weiter?

Noch bis zum 19. Juli können sich Radfahrer an der Umfrage beteiligen. Anschließend erstellt das beauftragte Planungsbüro, das in den Radverkehrsplan ohnehin eingebunden ist, eine Stärken-Schwächen-Analyse – ergänzt um objektive Fakten wie Unfalldaten. „Das Planungsbüro fährt auch selbst relevante Routen in der Stadt ab“, sagte Heike Stumberg, Fachdienstleiterin Verkehrsplanung. Der Runde Tisch Radverkehr soll die Ergebnisse diskutieren, im Herbst ebenso der Stadtentwicklungsausschuss. „Am Ende soll dann ein Plan stehen, der den Nerv der Bevölkerung trifft“, sagte Stumberg.

Selbst Diebe setzen aufs Rad

Ziel sei es letztlich, mehr Menschen auf das Rad zu kriegen, sagte Otte. „Wir müssen uns verbessern in Richtung Fahrradstadt“, so Otte, auch wenn die Stadt bereits einiges für Radfahrer getan habe. „Auch die Diebe, die am Donnerstag den Juwelier ausgeraubt haben, haben aufs Rad als geeignetes Verkehrsmittel gesetzt“, sagte Otte mit einem Schmunzeln. Der Autoverkehr nehme stetig zu, das sei in Osnabrück nicht anders. „Wir müssen es schaffen, das Wachstum zu stoppen, denn wir können das Straßennetz nicht unbegrenzt ausdehnen.“

Bauen zulasten der Autofahrer

Doch wie will die Stadt all die Ideen bei leeren Kassen umsetzen? „Die Umfrage hilft uns bei der Abwägung“, sagte Otte – manchmal eben auch zulasten der Autofahrer. Und dennoch müsse die Stadt stets den Gesamtverkehr im Auge behalten, ergänzte der Stadtbaurat.

„Umfrage erreicht nicht alle“

Nicht alle scheint die Online-Umfrage zu erreichen: Ein Blick auf die Karte zeigt, aus manchen Stadtteilen wie Widukindland und Schinkel-Ost gibt es kaum Rückmeldungen, wohingegen es vom Westerberg und aus der Weststadt vergleichsweise viele Hinweise gibt. „Die Online-Umfrage ist zwar niedrigschwellig, aber dennoch erreichen wir mit der Umfrage nicht alle“, sagte Bauer.

Die Zahlen im Detail

Von den 1131 bisherigen Rückmeldungen sind 166 ohne Ortsbezug – also allgemeine Rückmeldungen zur Situation der Radfahrer. Mit 35 Prozent gab es die bislang meisten Rückmeldungen zu Konflikten mit Autos, Fußgängern, anderen Radfahrern und Hindernissen. 18 Prozent der Rückmeldungen betrafen eine zu geringe Breite der Radwege sowie deren Zustand. Weitere 18 Prozent beschwerten sich über gefährliche Ampelkreuzungen und -schaltungen sowie Querungen. Über fehlende oder umständliche Verbindungen für Radfahrer beschwerten sich 13 Prozent der Teilnehmer.

Rückmeldungen bekam die Stadt zudem während der Marktzeit am Dom, wo sie sich positioniert hatte.


Lob gab es für:

  • die Möglichkeit der Beteiligung
  • Fahrradstraße
  • ARAS
  • breite Radfahrstreifen Bohmter Straße/Bremer Straße
  • neue Schutzstreifen an der Natruper Straße

Die Hauptmängelpunkte:

Inhaltlich:

  • Radfahren am Wall
  • Führung an Knotenpunkten
  • Verhalten Auto-, Lkw- und Busfahrer
  • Verhalten anderer Radfahrer
  • Erreichbarkeit der Katharinenstraße (Fahrradstraße)
  • bauliche Mängel (Bordsteinabsenkungen, tief liegende Gullis etc.)

Räumlich:

  • Hauptverkehrsstraßen (Wallring, Sutthauser Str./H.-Ehlers-Str., Iburger Str., Mindener Str., Lotter Str., Martinistr., Bramscher Str.)
  • wichtige Radachsen (Burenkamp, Haseuferweg, Fahrradstr. (Katharinenstr., Wörthstr.)

Flächig:

  • innerhalb des Wallrings
  • Seitenstraßen der Katharinenstr.

Baulich:

  • Kopfsteinpflaster
  • schlechter Zustand der Oberfläche
  • zu starke Absenkungen an Zufahrten
  • enge Umlaufsperren
  • Gullis