Lernen mit dem Schulhund Osnabrücker Schulen praktizieren tiergestützte Pädagogik

Von Regine Hoffmeister


Osnabrück. Immer mehr Schulen arbeiten mit Schulhunden. In Osnabrück gibt es an den Förderschulen Anne-Frank-Schule und Montessori-Schule und an den beiden Grundschulen Heinrich-Schüren-Schule und Grundschule Sutthausen eigens ausgebildete Schulhunde, die dort ein bis zweimal pro Woche zu Besuch sind. Sie sollen Lernatmosphäre, individuelle Leistungsfähigkeit und das Sozialverhalten der Schüler verbessern.

„Tiergestützte Pädagogik ist mehr als seinen Hund mal eben mit zur Schule zu nehmen“, erklärte Dajana Leverenz, Leiterin der Heinrich-Schüren-Schule. Seit Beginn des Schuljahrs hat ihr Golden Retriever Mila einen festen Platz in jedem Klassenzimmer. Die Hündin begleitet sie ein- bis zweimal pro Woche zum Unterricht und wird zum Teil auch in die Lerneinheiten integriert. „Hunde sind geduldige Zuhörer. Sie lassen sich vorlesen, ohne zu meckern.“ Gerade schwächere Schüler oder Außenseiter profitieren sehr von der unvoreingenommenen Zuneigung des Tieres.

Ergotherapeutin bestätigt positive Wirkung

Diese Wirkung bestätigte auch Ergotherapeutin Solveig Speidel von der Montessori-Schule, die dort seit vier Jahren mit ihrer Australian-Shepherd-Hündin Lika arbeitet. „Sie hilft unseren Schülern, die im Alltag ja immer auf andere angewiesen sind, aus sich herauszukommen und Selbstwirksamkeit zu erfahren“, berichtete sie. Selbst Kinder mit schwersten Einschränkungen, die gar nicht sprechen können oder spastisch gelähmt sind, versuchen mit Lika zu kommunizieren. Für diese Kinder sei es eine neue Erfahrung und große Freude zu sehen, dass die Hündin auf ihr Handzeichen hin Sitz oder Platz macht.

„Viele Kinder fürchten sich auch vor Hunden und sind dann ganz stolz, wenn sie das erste Mal einen gestreichelt haben“, so Leverenz. Damit auch wirklich nichts passieren könne, komme es nicht nur auf den gutmütigen Charakter des Hundes, sondern auch auf eine gründliche Vorbereitung an. An der Heinrich-Schüren-Schule habe sie zu diesem Zweck eigens eine Hunde-AG gegründet. Darin lernen die Schüler feste Regeln, wie etwa, dass immer nur ein Kind auf einmal den Hund streicheln darf, dass der Hund nicht mit Süßigkeiten oder Pausenbroten gefüttert werden darf, oder dass man ihn in Ruhe lassen soll, wenn er sich auf seine Decke zurückzieht. Mit diesen Verhaltensregeln gehen die AG-Schüler auch durch die Klassen, um alle Mitschüler auf den richtigen Umgang mit dem Hund vorzubereiten.

Zweijährige Ausbildung zum Schulhund

Bobtail-Dame Frida, die seit vier Jahren an der Grundschule Sutthausen ihr zweites Zuhause hat, durchlief eigens eine zweijährige Ausbildung als Schulhund. Schulleiterin und Hundeführerin Martina Lade warnte davor, leichtfertig den eigenen Hund mit in die Schule zu bringen. „Selbst wenn das Tier zu Hause ganz lieb und friedlich ist, kann es unter Stress in der Schule ganz anderes reagieren.“ Es brauche eine Menge Erfahrung und Vorbereitung, um einen Hund als Schulhund zu qualifizieren. Zusätzlich müssen alle Beteiligten von den Eltern über das Kollegium bis hin zum Hausmeister ihr Einverständnis geben.


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