Grünen-Vorsitzende kommt Foodsharing Osnabrück stellt nächsten Kühlschrank auf

Eine Frau legt Salat in den neuen Foodsharing-Kühlschrank am Pfarramt der Christus-König-Kirche in Osnabrück-Haste. Foto: Gert WestdörpEine Frau legt Salat in den neuen Foodsharing-Kühlschrank am Pfarramt der Christus-König-Kirche in Osnabrück-Haste. Foto: Gert Westdörp

tbu Osnabrück. Abgelaufene Lebensmittel wegwerfen? Für viele ein Unding. Foodsharing Osnabrück geht gegen die Verschwendung von Essen vor und hat im Stadtteil Haste jetzt den nächsten öffentlichen Kühlschrank aufgestellt, an dem sich jeder gratis bedienen kann. Am Mittwoch will auch die Parteichefin der Grünen, Simone Peter, reinschauen.

Nach Angaben des Vereins Foodsharing , zu dem auch die Osnabrücker Gruppe gehört, landet pro Jahr weltweit jedes dritte noch genießbare Lebensmittel im Müll: insgesamt 1,3 Milliarden Tonnen. Ziel von Foodsharing ist es, vermeintliche Essensreste zu teilen statt zu entsorgen. Dies gelingt mit wachsendem Erfolg: Bundesweit seien bereits 1800 Tonnen Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahrt worden – von über 8000 Foodsavern, wie sich die ehrenamtlichen Lebensmittelretter selbst nennen.

Lebensmittelretter in Osnabrück

Foodsharing Osnabrück ist seit Ende 2013 daran beteiligt. Dazu arbeitet die Initiative vor allem mit Lebensmittelhändlern vor Ort zusammen, zum Beispiel dem Superbiomarkt Dodesheide. Dabei greifen die Foodsaver, in Osnabrück momentan etwa 30, zwölfmal in der Woche bei sieben verschiedenen Betrieben kistenweise Ware ab, die für den Verkauf nicht mehr geeignet, aber durchaus noch verzehrbar ist. „Überwiegend retten wir Obst und Gemüse, das leicht braune Stellen hat. Die Händler möchten eine hundertprozentige Ware anbieten“, sagt Anika Girotto, eine von zwei Foodsharing-Botschaftern in Osnabrück. Anschließend werden die geretteten Lebensmittel zu einem „Fairteiler“ gebracht – frei und rund um die Uhr zugänglichen Kühlschränken.

Zweiter Standort in Haste

Die gibt es in der Stadt neuerdings an zwei Stellen: Der erste Fairteiler wurde im Herbst 2014 am alten Güterbahnhof an der Petersburg eingerichtet (Hamburger Straße 22b), dort stehen mittlerweile drei Kühlschränke. Ein weiterer befindet sich seit wenigen Tagen am Christus-König-Pfarrhaus im Stadtteil Haste (Bramstraße 105). Was gerade drin ist, erfährt man im Vorbeigehen. Oder durch Mitgliedschaft in der Facebook-Gruppe „Foodsharing Osnabrück“: Über 1700 Menschen lassen sich bereits auf diese Weise informieren. Um Foodsharer zu werden, reicht anschließend ein Handgriff: egal ob man sich kostenlos Essen aus dem Kühlschrank herausnimmt oder etwas Neues dazulegt.

Laut Foodsharing Osnabrück handelt es sich also ausdrücklich um ein Angebot für alle Bürger. Im Gegensatz etwa zur Osnabrücker Tafel, die Bedürftigen vorbehalten ist. Konkurrenz gebe es zwischen beiden Institutionen nicht, betont Anika Girotto: „Wir verfolgen schließlich das gleiche Ziel: So wenig Lebensmittel wie möglich verschwenden.“ (Weiterlesen: Zu schade für den Biomüll – Teilen statt wegwerfen!)

Schnippeldisco und Politik

Was sich aus geretteten Lebensmitteln noch Leckeres zubereiten lässt, demonstrierte die Initiative bei ihrer ersten „Schnippeldisco“ am 5. Juni 2015. Zur Musik von stadtbekannten DJs brachte sie Foodsaver und Interessierte an einen Tisch. Und sprach gezielt Leute an, „die nicht unbedingt auf ihren Lebensmittelkonsum achten“, so Foodsharing-Botschafterin Girotto. Eine zweite Schnippelparty sei für den Herbst geplant. Wer mehr aus erster Hand erfahren, aber nicht so lange warten möchte, könne auch an jedem ersten Dienstag im Monat zu einem der Foodsaver-Treffen im Osnabrücker Haus der Jugend kommen.

Hohen Besuch erwartet die Initiative übrigens am Mittwoch, 8. Juli: Dann hat für den Nachmittag die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Simone Peter, ihr Erscheinen am Fairteiler-Standort Güterbahnhof angekündigt. Begleitet wird sie auf ihrer „Biohof-Sommertour“ von der Landtagsabgeordneten Filiz Polat aus Bramsche und weiteren Parteifreunden aus Stadt und Landkreis Osnabrück.


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