Regenrückhaltebecken umgekippt Osnabrück: Fischsterben ruft Feuerwehr auf den Plan

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roga Osnabrück. Nach dem Umkippen eines Regenrückhaltebeckens im Osnabrücker Stadtteil Lüstringen am Wochenende ist die Feuerwehr am Montagnachmittag zu einem zweiten Fischrettungseinsatz nach Voxtrup gerufen worden. Dort konnte sie das Schlimmste gerade noch verhindern.

Seit Samstagabend war die Freiwillige Feuerwehr Voxtrup am Teich in Lüstringen (Auf dem Gehren) im Einsatz . Bis Sonntagnachmittag sammelte sie dort 400 tote Fische aus dem Wasser, am Montag waren es noch einmal 500. Mit einem Schlauchboot fuhren Feuerwehrleute das Becken ab und sammelten die Kadaver mit Keschern ein.

„Das Abtragen gestaltete sich am Montag wesentlich einfacher, da die Fische mittlerweile ans Ufer geschwemmt worden waren“, sagte Swaantje Hehmann, Pressewartin der Freiwilligen Feuerwehr Osnabrück. Die toten Fische wurden in Tonnen abtransportiert und von den Stadtwerken entsorgt.

Vorfall nicht vorhersehbar

Am späten Montagnachmittag rückte dann zusätzlich die Feuerwehr aus Schinkel an. Um das hitzebedingt mit Sauerstoff unterversorgte Regenrückhaltebecken zu quirlen und so ein weiteres Fischsterben zu verhindern, pumpten drei Tanklöschfahrzeuge das Wasser ab und warfen es durch acht Strahlrohre wieder zurück. Dabei flossen 8000 Liter pro Minute durch die Schläuche. Die Arbeiten dauerten bis in den Abend an.

Die Stadtwerke Osnabrück, die für die Instandhaltung von 90 Regenrückhaltebecken im Raum Osnabrück zuständig sind, bedauern den Vorfall. „Das war leider nicht vorherzusehen“, sagte Sprecher Marco Hörmeyer am Montagnachmittag. Die letzte Kontrolle in Lüstringen am 2. Juni habe keinen Anlass zur Beunruhigung gegeben. Auch bei den anderen Becken bestehe kein „akuter Handlungsbedarf“.

Weiterer Einsatz in Voxtrup

Doch nur wenige Stunden später schien diese Aussage bereits überholt: Plötzlich drohte ein weiteres Regenrückhaltebecken an der Straße „In der Steiniger Heide“ in Voxtrup umzukippen. Bei einer Routineuntersuchung am Montag waren Mitarbeitern der Stadtwerke dort tote Fische aufgefallen. Wie in Lüstringen wurde auch hier das Gewässer von der Feuerwehr bis in die Abendstunden aufwendig belüftet und auf diese Weise Schlimmeres verhindert.

Die Stadtwerke Osnabrück arbeiten bei der Instandhaltung der Regenrückhaltebecken mit dem Fachbereich Ordnung und Umwelt der Stadt Osnabrück zusammen. Einmal im Jahr werden die Becken begutachtet. Zusätzlich finden im Abstand von wenigen Wochen Kontrollfahrten statt, um spontane Störungen zu beseitigen – zum Beispiel Äste, die einen Abfluss blockieren. Alle 20 bis 25 Jahre werden die Regenrückhaltebecken entschlammt. Trotz aller Vorkehrungen würden jedoch durchschnittlich zwei Becken im Jahr umkippen, teilen die Stadtwerke mit. Einschränkungen in der Funktion des Beckens als technische Anlage gebe es durch das Fischsterben nicht.

Bestand erholt sich

Und auch biologisch habe der Vorfall keine langfristigen Folgen, wie der Osnabrücker Gewässerökologe Friedrich Hehmann versichert. Das Regenrückhaltebecken in Lüstringen sei umgekippt, weil sich bei den hohen Temperaturen und dem starken Sonnenschein der vorigen Tage massenhaft Plankton gebildet habe. In der Folge sei der Sauerstoffgehalt im Wasser derart abgesackt, dass die Fische erstickten.

Friedrich Hehmann ist jedoch zuversichtlich, was die Zukunft des Beckens als Lebensraum für Tiere angeht. Meist komme es beim Umkippen eines Gewässers nicht zum Totalverlust des Fischbestandes, erklärt er. „Fische haben eine hohe Reproduktionsrate, sodass sich nächstes Jahr schon wahrscheinlich wieder genauso viele Fische wie vor wenigen Tagen in dem Becken tummeln.“


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