Wie geht es uns 2030? Wirtschaftliche Zukunft der Region in Osnabrück diskutiert

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Bei einer Podiumsdiskussion in der Osnabrückhalle kamen die Teilnehmer zu dem Schluss: Stadt und Region Osnabrück sind wirtschaftlich gut aufgestellt. Foto: Klaus LindemannBei einer Podiumsdiskussion in der Osnabrückhalle kamen die Teilnehmer zu dem Schluss: Stadt und Region Osnabrück sind wirtschaftlich gut aufgestellt. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Stadt und Region Osnabrück sind wirtschaftlich wie auch sozio-kulturell relativ gut aufgestellt und werden es daher leichter haben als andere Regionen Deutschlands, die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen. Auf diesen Nenner konnten sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in der Osnabrückhalle einigen, wenn sie auch durchaus unterschiedliche Wege vorschlugen, wie das jetzige hohe Niveau an Wohlfühlfaktoren zu halten sei.

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung hatte im Rahmen ihrer „Regionalen Wirtschaftsgespräche“ zu einem Symposium unter dem Titel „Osnabrück 2030“ eingeladen. Wesentlichen Input lieferte Arno Brandt, der als Leiter des CIMA-Instituts für Regionalwirtschaft von Berufs wegen jeden Tag in die Zukunft schaut und unter anderem der niedersächsischen Investitionsbank N-Bank regelmäßig Potentialanalysen liefert.

Bevölkerungswachstum

Seine Prognose: Die Bevölkerung der Stadt Osnabrück wird bis 2030 um acht Prozent wachsen , die des Landkreises um den gleichen Wert schrumpfen. Damit schneide die Region deutlich besser ab als der Durchschnitt Niedersachsens. Die „Renaissance der Städte“ habe mit dem steigenden Anteil der Alten zu tun, die es der einfacheren Versorgung wegen tendenziell eher in die Stadt ziehe. Auch vom Migranten-Zuzug würden Städte stärker profitieren.

Kreis steht wirtschaftlich besser da

In der Beschäftigungsentwicklung steht der Kreis besser da als die Stadt. Brandt prognostizierte keine großen Verschiebungen bis 2030. Dem Kreis werde es leichter fallen als der Stadt, das hohe Beschäftigungsniveau zu halten, wenn auch die Dynamik bis 2030 nachlassen werde. Als Stützen der Entwicklung sieht Brandt weiterhin den Maschinen- und Anlagenbau, den Gesundheitssektor und die Logistik-Branche.

Herausforderungen belasten Stadt

Bei der Arbeitslosenquote werde die Stadt weiterhin deutlich ungünstiger abschneiden als der Landkreis. Die Herausforderungen der sozialen Integration belasteten die Stadt ungleich stärker als das ländliche Umfeld. Gegen die „Verfestigung“ der Langzeit-Arbeitslosigkeit sei noch kein probates Gegenmittel in Sicht. Die relativ starke industrielle Basis im Landkreis (33 Prozent des Bruttosozialprodukts gegenüber 24 Prozent im Deutschland-Durchschnitt) habe bislang gut durch alle Krisen geholfen und verspreche das auch in Zukunft zu tun.

Region hat Wind im Rücken

„Luft nach oben“ sah Brandt bei den „wissensintensiven“ Wirtschaftszweigen. Hier rangiere die Region unterdurchschnittlich und müsse aufpassen: „Das sind die zukünftigen Beschäftigungsbringer“, sagte Brandt. Das ändere aber nichts an seinem Resümee, dass die Herausforderungen der demografischen Entwicklung hier gut angenommen würden und notwendiger Strukturwandel eingeleitet sei: „Die Region hat Wind im Rücken, darauf lässt sich aufbauen.“

Schlechte Arbeitsbedingungen angemahnt

In der von „ZEIT“-Redakteurin Cosima Schmitt moderierten Diskussion wies Erden Kivrak vom Wirtschaftsverband in Niedersachsen (WIN) auf die zunehmende Bedeutung von kleinen und mittleren Unternehmen mit türkischem Hintergrund hin. DGB-Geschäftsführerin Petra Tiesmeyer nahm die Rolle ein, Wasser in den Wein zu gießen und vor Abwanderungen durch schlechte Bezahlung zu warnen. Sie beklagte auch ungute Entwicklungen der Arbeitsbedingungen etwa in der Fleischwirtschaft und in der Gastronomie.

Bildungschancen im Fokus

Mit ihrer These, dass die Schulbildung sich nicht so sehr an den „Verwertungsinteressen“ der Wirtschaft orientieren dürfe, löste sie eine Kontroverse aus. SPD-Generalsekretär Detlef Tanke verteidigte die gegenwärtige Schullandschaft, die Schwerpunktsetzung bei der frühkindlichen Bildung und insbesondere das von der Landesregierung jüngst auf den Weg gebrachte Bildungschancen-Gesetz. Arno Brandt hielt die Hinwendung zu den MINT-Fächern für richtig, ein IHK-Vertreter im Publikum bestärkte ihn darin: „Für die Energiewende brauchen wir Ingenieure, das geht nicht mit Geisteswissenschaftlern.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN