162.554 Einwohner gemeldet Osnabrück wieder drittgrößte Stadt in Niedersachsen?

Wie viele Menschen leben in Osnabrück? Stadt und Land beantworten diese Frage weiterhin unterschiedlich. Foto: Michael GründelWie viele Menschen leben in Osnabrück? Stadt und Land beantworten diese Frage weiterhin unterschiedlich. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück hat am Montag einen „historischen Höchststand“ in der Einwohnerstatistik verkündet: Das Melderegister zählte zum 1. Juli 2015 genau 162.554 Menschen mit Erstwohnsitz in der Friedensstadt. Damit sei Osnabrück wieder drittgrößte Stadt Niedersachsens vor Oldenburg. Das Landesamt für Statistik behauptet weiterhin das Gegenteil.

Das städtische Melderegister sei „eindeutig“, heißt es in der am Montagmittag verbreiteten Pressemitteilung der Stadt Osnabrück. „Jede Person, die sich anmeldet, wird gezählt, und jede, die sich abmeldet, wird ebenfalls gezählt. So bildet das Melderegister die Einwohnerzahl genauer ab als die hochgerechnete Zahl auf Basis der Stichprobe des Zensus 2011.“ Diese liegt nach jüngsten Angaben des niedersächsischen Landesamts für Statistik (LSN) bei 156.843 (Stand 30. November 2014) – und bei 160.516 für Oldenburg (Stand 30. September 2014). (Weiterlesen: Zensus 2011 und die Folgen – Wer hat sich verrechnet?)

Die Top 5 in Niedersachsen

Laut städtischem Melderegister ist Osnabrücks Bevölkerung zum 1. Juli 2015 auf 162.554 Personen gewachsen. Damit liege die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz in Osnabrück um 620 Personen höher als 1995, als die Stadt mit 161.934 Personen zuletzt so viele Einwohner hatte wie nie zuvor. „Und nach den Zahlen der Melderegister ist Osnabrück wieder drittgrößte Stadt in Niedersachsen“, stellt das Presseamt fest – allerdings ohne die Vergleichszahl der Stadt Oldenburg zum 1. Juli 2015 zu nennen. Nach Recherchen unserer Redaktion soll sie mit 162.119 jedoch in der Tat geringfügig kleiner sein. Größte Stadt ist laut LSN übrigens (zweifellos) Hannover mit 521.628 Einwohnern, gefolgt von Braunschweig mit 247.824 (Stand 30. September 2014). Auf Platz fünf liegt zu diesem Stichtag Wolfsburg (123.041 Einwohner). (Weiterlesen: Oldenburg zieht 2015 an Osnabrück vorbei)

Der Anstieg in Osnabrück sei vor allem auf Anmeldungen im ersten Halbjahr 2015 zurückzuführen, berichtet die Stadt. In den vergangenen sechs Monaten dieses Jahres hätten 2589 Bürger ihren Erstwohnsitz in Osnabrück angemeldet. Im ganzen Jahr 2014 seien es nur 754 Personen gewesen.

Zweitwohnsitz-Steuer zieht

Für Oberbürgermeister Wolfgang Griesert komme diese Entwicklung „nicht ganz überraschend“, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Für ihn ist die seit dem 1. April 2015 geltende Zweitwohnsitzsteuer ausschlaggebend gewesen. „Die hat offensichtlich viele in Osnabrück lebende Menschen motiviert, ihren Erstwohnsitz hier anzumelden. Und genau das haben wir mit der Einführung dieser Steuer auch bezweckt.“ (Weiterlesen: Stadt Osnabrück knackt die 160.000-Einwohner-Marke)

Parallel ist nach Angaben der Stadt die Zahl der Nebenwohnsitze seit Anfang 2015 deutlich zurückgegangen. Hätten zum 31. Dezember 2014 noch 9269 Personen einen Nebenwohnsitz in der Stadt angemeldet, seien es zum 30. Juni 2015 nur noch 2591 gewesen. „Ein großer Teil dieser Personen hat den Zweitwohnsitz abgemeldet, da die Einträge im Register nicht mehr ihrer aktuellen Wohnsituation entsprachen. Ein anderer Teil hat sich jedoch offensichtlich für die Ummeldung entschieden“, so die amtliche Begründung. Vorausgegangen sei im Januar 2015 ein Schreiben der Stadt Osnabrück an alle Nebenwohnsitz-Inhaber, in dem auf die neue Steuer hingewiesen wurde. Daraufhin hätten bisher 1715 Personen ihren Nebenwohnsitz in einen Hauptwohnsitz geändert. (Weiterlesen: Einwohnerzahl in Osnabrück im fünften Jahr in Folge gestiegen)

Mehr Bürger gleich mehr Geld

Für die Stadt Osnabrück sind Einwohner mit Hauptwohnsitz bares Geld wert, denn sie stellen unter anderem einen wichtigen Faktor bei der Verteilung des Steueraufkommens auf die Kommunen dar. Einwohner mit Zweitwohnsitz werden dabei nicht berücksichtigt, „obwohl diese die vorhandene städtische Infrastruktur nutzen“, wie das Presseamt bemerkt. Bis zum Jahr 2020 will die Stadt Osnabrück mindestens 167.000 Einwohner haben. Gegen den Zensus-Feststellungsbescheid des Landesamts für Statistik vom 28. April 2014 hat sie vor einem Jahr Klage beim Verwaltungsgericht Osnabrück eingereicht. Das Verfahren ruht seit Anfang November 2014. (Weiterlesen: Zensus 2011 kostet Osnabrück 8,5 Millionen Euro)


Der Zensus 2011 hat für die Stadt Osnabrück mit Stand vom 9. Mai 2011 eine amtliche Einwohnerzahl von 153.699 Personen festgestellt. Das sind 2541 Einwohner weniger, als zum selben Zeitpunkt im städtischen Melderegister aufgeführt waren. Diese Differenz erhöhte sich zum Ende des Jahres 2011 auf 2613 und lag zum Stichtag 31. Oktober 2013 bereits bei 2883.

Der Unterschied zwischen städtischem Melderegister und der auf Basis des Zensus 2011 durch das Landesamt für Statistik fortgeschriebenen Einwohnerzahl nimmt demnach stetig zu. Eine Entwicklung, wie sie spätestens seit den frühen 1990er-Jahren auch im Vergleich mit der Fortschreibung der Volkszählung von 1987 zu beobachten war. Damals betrug die amtlich festgestellte Einwohnerzahl von Osnabrück zum Stichtag 25. Mai 1987 genau 150.807 Einwohner. Diese Zahl wurde auf der Grundlage regelmäßiger Meldungen der Stadt zu Geburten und Sterbefällen sowie zu Fort- und Zuzügen durch das Landesamt für Statistik fortgeschrieben und lag vor dem Zensus 2011 zuletzt bei 165.021 (Stichtag 31. Dezember 2011). Die Stadt verzeichnete hingegen zum selben Zeitpunkt nur 157.126 Einwohner – also 7895 weniger.

Noch größer klafft die Lücke im Vergleich zu der auf neuer Zensus-Basis fortgeschriebenen Einwohnerzahl vom 31. Dezember 2011 von 154.513: So betrachtet fehlen Osnabrück satte 10.508 Einwohner, was einem rechnerischen Bevölkerungsrückgang von 6,4 Prozent entspricht.

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