René Turrek stylt Luxus-Flitzer Graffiti-Künstler aus Osnabrück erlebt plötzlichen Hype


Osnabrück. Seit einigen Tagen bleiben immer wieder Passanten in der Fußgängerzone Osnabrücks – zwischen Vapiano und dem Modehaus L+T – stehen und schauen begeistert durch die Scheiben einer ehemaligen Mode-Boutique. Dort steht ein rassiger Lamborghini (Typ Gallardo), dem der international gefragte Graffiti-Künstler René Turrek ein auffälliges „Captain America“-Outfit verpasst.

René Turrek ist seit fast 20 Jahren in der Sprayer-Szene unterwegs – neben Miami ist seine Heimatstadt Osnabrück für ihn stets ein Standort geblieben. Jetzt erlebt der 37-Jährige einen nicht gekannten Hype: „Ich kann mich im Moment vor Anfragen kaum retten – sogar aus Usbekistan und Mexiko melden sich Leute“, sagt René Turrek mit einem breiten Lächeln. „Seit drei Wochen hat sich bei mir komplett alles geändert.“ Der Grund? Mitte Juni stellte der Graffiti-Künstler ein Video ins Internet , das in wenigen Tagen millionenmal geklickt und von Tuning-Fans gefeiert wird. Es zeigt einen dunkelblauen BMW X6, den RenéTurrek mit heißem Wasser übergießt. Plötzlich löst sich wie von Zauberhand die blaue Farbe auf, und die giftgrüne Visage von Action-Held „Hulk“ wird auf der Motorhaube sichtbar. An der Seite ist der Schriftzug Hulk zu lesen, der ebenso wie das Monsterface nach wenigen Sekunden wieder unter dem blauen Lack verschwindet. ( Weiterlesen: Graffiti-Künstler aus Osnabrück erlebt plötzlichen Hype )

Wärmeempfindliche Farbe

„Heat Sensitive Color“ nennt sich diese erstaunliche Technik – zu Deutsch: wärmeempfindliche Farbe. „Ich kann das mit allen Farben machen und sogar die Temperatur einstellen, ab wie viel Grad sich die Beschichtung ändern soll“, sagt René Turrek. „Ich habe die Möglichkeit, den Lack zwischen 16 Grad und 68 Grad plus auf Wärme reagieren zu lassen. Das hat vor mir noch keiner gemacht.“ Die Idee habe er verfolgt, als er sich an bestimmte Matchbox-Modellautos erinnert habe, die im Wasser ihre Farbe hätten verändern können, erzählt der Sprayer. „Mein Vorteil war, dass ich schon für das Unternehmen Hot Wheels, das Matchbox aufgekauft hat, Aufträge erledigt habe“, so René Turrek. „Die haben mir die Kontakte ermöglicht und grünes Licht gegeben. Es hat rund acht Wochen gedauert, bis ich wusste, wie man es am besten macht. Es war der reine Zufall.“

45 Millionen Klicks

Mittlerweile erreiche das BMW-Video weltweit schon 45 Millionen Klicks, staunt der Künstler. „Der Autokonzern Mazda hat sich bereits gemeldet und will mir das Know-how abkaufen“, sagt René Turrek. „Aber das mache ich nicht.“ Auch ein Filmproduzententeam sei auf das Video aufmerksam geworden. „Diese Sache soll für mich im Kunstbereich bleiben. Lieber konzentriere ich mich auf einige wenige Autos im Jahr, als dass es Standard wird.“

Bugatti von Flo Rida

Der Lamborghini ist René Turreks aktuelles Objekt: Der italienische Flitzer eines Osnabrücker Unternehmers erhält die wärmeempfindliche Farbe in Schwarz, das „Captain-America“-Outfit ist dann bei Sonneneinwirkung zu sehen. „Und im Dezember style ich den Bugatti von US-Rapper Flo Rida“, so René Turrek.


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