Radtouren in der Region (14) Schlösser und Skulpturen: Von Bohmte nach Osnabrück



Osnabrück. Historische Schlösser, ein modernes Gradierwerk und ein Weg, der kaum so breit ist wie ein Rad, dessen rechter Rand aber steil in einen Bach abstürzt – all das erwartet die Radwanderer auf den 39 Kilometern vom Bohmter Bahnhof nach Osnabrück.

Beim Radwandern kommt man auf viele Gedanken. Auf unserer heutigen Tour werden wir unter anderem die Vieheinheiten, die ein Huhn hat, diskutieren und auch vor der Frage, wann ein Luftkurort ein Luftkurort ist, schrecken wir nicht zurück.

Zunächst einmal verpassen wir vor lauter Reden in Bohmte unsere Abfahrt auf die Schlössertour Richtung Hünnefeld. Unser Tourenführer Heinz Wüppen, zu dessen „Radfahr-Blüte“ von Osnabrück aus zu sechs Bahnhöfen in alle Himmelsrichtungen und mit dem Rad zurück diese zweite Bohmte-Tour gehört, muss scharf abbremsen. Jürgen Meyer und Georg Lückmann, die uns heute begleiten, tun es ihm nach. Durchs Feld und dann über eine wunderschöne Allee mit doppelreihigen Bäumen am Rand kommen wir zum Schloss Hünnefeld. Es ist in Privatbesitz, aber ein wenig können wir uns umschauen. Allerdings fühlt sich Heinz Wüppen bald wie der Prinz von Dornröschen: Für ein romantisches Foto posiert er in einem Rosenstrauch – und hängt danach fest. Mit vereinten Kräften und einer angemessenen Menge Spott wird er befreit.

Erstes Ziel ist eine beeindruckende Gartenanlage

Wir umrunden das Schloss und haben freien Blick auf die beeindruckende Gartenanlage. Über Harpenfeld und über den Mittellandkanal, rollen wir hinein in Bad Essens Altstadt mit den vielen Fachwerkhäusern. Hier möchte Heinz Wüppen endlich auch mal etwas Neues entdecken. Er hat von der Sole-Arena gehört, einem ganz besonderen Gradierwerk. Gesehen hat er sie noch nie, auf seiner ursprünglichen Radfahr-Blüten-Tour Bohmte – Osnabrück ist es zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht eingezeichnet. Das soll sich ändern, also machen wir den Praxistest. Am Solefreibad dampft es uns schon entgegen. Die Sole-Arena mit ihrer einzigartigen Architektur, die an den Eingang einer Höhle erinnert, wurde 2010 für den Niedersächsischen Staatspreis für Architektur nominiert.

Wir nehmen einen tiefen Atemzug der salzhaltigen Luft und fühlen uns nun fit für den bevorstehenden, steilen Anstieg zum Essener Berg, ins Wiehengebirge. Zu fit offensichtlich: Heinz Wüppen biegt frohen Mutes an der Bergstraße die erste Straße rechts ab, die Steigung hoch. Als wir uns alle hochgequält haben, stellt er fest: Das war genau eine Abfahrt zu früh. Während er sich in die Büsche schlägt und die Lage erkundet, blicken wir ermattet ins Tal. Tatsächlich: Wir müssen wieder runter und dann die nächste Steigung, den Eselsweg, hoch.

Auch diesen Berg schaffen wir und biegen oben scharf rechts einen Waldweg ein, zum Mahnmal. Der Rindenmulch-Weg ist hier der eigentliche Höhepunkt. Vom Mahnmal fahren wir zurück und müssen uns am Glockenturm vom Essener Berg nun doch erst einmal ausruhen.

Weiter nach Schledehausen

Danach nehmen wir uns erneut das Wiehengebirge vor. Über Deitinghausen und Astrup fahren wir nach Schledehausen. Bei zunehmend steifer Brise klärt uns Georg Lückmann darüber auf, wie die Landwirte Vieheinheiten bemessen: „Eine Kuh gleich eine Vieheinheit. Wie viele Hühner passen in eine Kuh?“

Vor Schledehausen biegen wir links ab, dann sieht Heinz Wüppen unvermittelt das Hinweisschild zum Skulpturenpark. Er wirft sich mitsamt Rad nach links, wir anderen kommen ins Schleudern und schaffen so gerade eben noch die Kurve. Durch den Skulpturenpark kommen wir zum Konzerthalle und besprechen hier, welche Voraussetzungen ein Luftkurort erfüllen muss.

Eine steile Abfahrt Richtung Schelenburg weiter, verpassen wir diesmal die nächste Abfahrt nicht: Heinz Wüppen führt uns an der Mühle vorbei rechts in den Wald hinein. Vorher hat er uns gewarnt: „Gut aufpassen!“ Wie recht er hat. Der Weg ist schmal, sehr schmal. Und der Abhang zum Bach Wierau nah, sehr nach. An einer Stelle wird es so eng, dass wir absteigen: Wir wollen kein unfreiwilliges Bad im Bach riskieren. Ein echter Höhepunkt nach den vielen Feldwegen und wunderschön zu fahren – allerdings auch mit höchster Konzentration.

Als wir aus dem Wald herauskommen, stehen wir schon vor der Schelenburg. Sie ist, wie auch das Schloss Hünnefeld, in Privatbesitz.

Da Wüppens Foto-Wunsch, dass nämlich eine Ente für ihn auf den Seerosen Modell sitzt, auf absehbare Zeit nicht erfüllt werden wird – die Enten halten Mittagsschlaf – machen wir uns auf den Weg zurück nach Osnabrück. Durch die Felder von Wellingen und Darum kommen wir nach Lüstringen und fahren über Schinkel und den Haseuferweg zurück zum Osnabrücker Hauptbahnhof – ohne Schlenker und ohne abrupte Richtungsänderungen.


Wegbeschreibung nach Heinz Wüppen: Gegenüber vom Bohmter Bahnhof geht’s in die Bahnhofstraße und nach gut 200 m rechts in die Neustadtstaße, der wir 900 m folgen, dann rechts für 200 m auf den Hauweg. Ab jetzt radeln wir auf der „Gartentraumtour“ mit dem Logo der roten Blüte. Die dicke Wehrendorfer Straße (links) dürfen wir nach 700 m wieder links verlassen, nach 500 m biegen wir nach rechts, um dann nach 700 m links in die Clamors-Allee einzuschwenken, die uns nach 1,3 km geradewegs zum Schloss Hünnefeld führt. Wir fahren weiter entlang des Schlossgrabens. Nach 900 m verlassen wir die Gartentraumtour und biegen nach rechts und gelangen über die Glockenstraße (links) nach Harpenfeld. Geradeaus geht es über die B 65, über den Mittellandkanal und die (Museums-)Bahnlinie nach Bad Essen. Schilder führen uns über Harpenfelder Straße und Nikolaistraße nach etwa 500 m links auf den Kirchplatz Bad Essens. Kurpark, Sole-Arena, Familienpark, „Schafstall“, Mühle sind weitere Attraktionen. Ab hier folgen wir der „Niedersächsischen Mühlen Tour“ und dem Radweg „BE 3“. Norddeutsche Tiefebene war soeben, jetzt kommt spürbar das Mittelgebirge: noch 600 m bleiben wir auf der Hauptstraße Leicht verpassen kann man nahe der Bedarfsampel das Schild nach rechts: es geht jetzt auf dem Eselsweg steil hoch ins Wiehengebirge (am Weg: überdachte Wassertretstelle ). Auf der Asphaltstraße(„Am Mahnmal“) taucht auch bald rechts der kurze Waldweg zum restaurierten Mahnmal zu den Weltkriegen auf. Wir biegen bald links in die Glockenbrinkstraße und bleiben noch 1,3 km auf der gleichen Route. Am Glockenturm (kleiner Picknickplatz) verlassen wir die ausgeschilderten Routen und fahren geradeaus über den Gramberger Weg, biegen nach einem guten Kilometer (beim Bushäuschen) rechts in den Deitinghauser Weg. Wir gleiten die ganze Zeit mit unserem Rad durch eine herrliche wellige Wald-Feld-Wiesen-Landschaft, das Tal der Wierau. Dieses Vergnügen endet dann nach mehreren km am Perkweg (rechts) und über Gramberger Straße geht’s direkt nach Schledehausen runter, aber erst mal nur 1 km. Denn noch vor dem Ort zweigt rechts ein unscheinbarer Pfad ab (Schild „Durchfahrt verboten“), der zur Heinrich-Gerdom-Straße wird, geradeaus weiter und nach 400 m kreuzen wir die Bad Essener Straße, und etwa 80 m weiter geht links ein Pfad ab, der uns schlängelnd an Skulpturen vorbei durch den Park führt. Wir kommen bald zur Kirche und dem nebenan liegenden Kurgarten. Ein kleines Stück fahren wir links die Bergstraße und gleich rechts in „Im Freudental“ und sofort rechts in „Am Bredberg“. Und nach 700 m (herrliches Gefälle) sind wir an der Wierau-Mühle (daneben: Waldbad). Rechts über Wierauweg und Schelenburger Straße (man kann statt Asphaltstraße gleich nach der Brücke auch den kleinen abenteuerlichen Waldweg entlang des Baches nehmen) kommen wir nach 800 m zum wirklich beeindruckenden Wasserschloss Schelenburg. Auf der Schledehauser Str. radeln wir ein Stück gen Westen, um nach 600 m rechts in den Ossenbrocker Weg einzubiegen, der uns über 3,4 km in die kleine Bauerschaft Wellingen führt, mit einer einladenden Rasthütte im Dorf. Links radeln wir weiter, und nach 500 m biegen wir zweimal rechts in „Auf der Haakheide“ (später wird es „Halterbergsfeld“) und gelangen nach 2 km in die nächste Bauerschaft, Darum. Links – rechts kommen wir in den Seelbachweg der uns nach 1,5 km auf den Schledehausener Weg führt. Schon nach 300 m weisen uns die Wegweiser links in die Waldstraße, später rechts auf den Stadtweg und schon bald sind wir mitten in OS-Lüstringen. Am Ende des Stadtweges fahren wir rechts gerade mal 50 m auf der großen Mindener Straße, um dann rechts noch vor den Bahnschienen einzubiegen. Nach 200 m zweigt links ein kleiner Pfad ab, wir überqueren den weißen Abwassergraben der Schoeller-Werke und den Belmer Bach, halten uns rechts und fahren auf schmaler werdendem Pfad hinter dem Werk her und bekommen schließlich wieder Asphalt. Ab jetzt folgen wir knapp 5 km bis in die Innenstadt dem Logo der Düte-Tour (roter Dreiviertel-Kreis). Zunächst fahren wir durch ruhige Straßen des Stadtteils Schinkel, dann kurz Mindener Straße, und im zweiten Teil durch die grüne Natur an der Hase entlang zum Hauptbahnhof.

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