„Open Windows III“ Junge Choreografen aus Braunschweig und Osnabrück mit neuen Stücken

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Osnabrück. Einen Blick über den Stadtrand bot der Abend „Open Windows III – Made in Niedersachsen“, bei dem Nachwuchschoreografen aus Braunschweig und Osnabrück aktuelle Arbeiten präsentierten.

Wie exakt getaktete Maschinen durchschneiden Boris Bergmanns, Anna Fingerhuth und Rija Heinonen mit ihren Bewegungen die Bühne in der Melanchthonkirche. Ihre Körper scheinen einer unsichtbaren Schnur zu folgen, die sie mal hierhin, mal dorthin zieht. Die Tänzer des Staatstheaters Tanz Braunschweig wiederholen verschiedene Bewegungsfolgen, es scheint, als könnten sie nicht aufhören. Doch immer wieder gibt es störende Elemente, die die drei stocken lassen, die den Flow bremsen, in den sie sich doch immer wieder hineinbegeben in dieser Choreografie „Systemaniacs“ von Tillmann Becker.

Er hat die Tänzerin in ein Business-Kostüm und die beiden Tänzer in schwarze Anzüge gesteckt. Den Choreografen hat beschäftigt, was mit Menschen passiert, die mit dem Tempo der Zeit nicht mehr klarkommen, und was mit solchen, die sich in den Fluss der Zeit begeben, der für sie zu einer Art Droge wird – der sie zu Systemaniacs werden lässt.

„Open Windows III“ heißt der Abend, und nichts wäre passender gewesen als der Vergleich des Programms mit offenen Fenstern, durch die allerlei Geräusche und Impulse von draußen hereindringen, die die jeweilige Zeit widerspiegeln. Vielfältig sind Aufbau, Themen und Darstellungsformen der insgesamt acht Stücke von Nachwuchschoreografen aus Osnabrück und Braunschweig, denen Mauro de Candia, der Leiter der Osnabrücker Dance Company, zu Beginn mit den Worten: „Platz für den Tanz!“ das Startsignal gab.

Zwei der Arbeiten kamen aus der zweitgrößten Stadt Niedersachsens. „Still“ heißt die Choreografie, mit der Claudia Greco einen Krimi aus den 1920er-Jahren auf die Bühne brachte. Sieben Tänzer führten wie losgelöst von aktuellen Entwicklungen im Tanz mit Herrenhüten, Anzügen, Trenchcoats und 20er-Jahre-Kleidern stilistisch und erzählerisch in eine andere Zeit.

Wie sehr sie sich in Osnabrück entwickelt hat, bewies Vasna Felicia Aguilar nicht nur als Tänzerin in verschiedenen Arbeiten ihrer Kollegen, sondern auch als Choreografin von „A Guy Standing in a Field – Lights on Him“. Darin thematisiert sie die Suche eines Lebewesens nach Klarheit. Umgesetzt wird dies von David Lukas Hemm, Lennart Huysentruyt und Hsiao-Ting Liao kongenial nach der Musik „Encore“ von Nicholas Jaar und „For Your Precious Love“ von Otis Redding. Zum Ende dieser Spielzeit verlässt die junge Tänzerin und Choreografin die Company, wie Mauro de Candia in einer warmherzigen Rede dem Publikum bekannt gab.

Zuvor setzten Amadeus Marek Pawlika und Beatrice Panero mit ihren Choreografien ironische, teils auch widerborstige Impulse. Zur Suite-Fantasie für Klavier über Themen aus Schwanensee ließ Pawlika seine Tänzer sich mit Plüschpantoffeln, Trainingshosen unterm Tutu und nur angedeutet statt perfekt auschoreografiert bewegen. Allzu menschliche Eigenschaften nahm Beatrice Panero in „Die fünf aus Bremen“ unter die Lupe.


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