Tier gefunden – was nun? Osnabrücker Sonderregelung für Fundtiere

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Osnabrück. Immer wieder kommt es bei Fundtieren zur Diskussion um Kosten für Versorgung, Unterbringung und notwendige tierärztliche Behandlung. Grundsätzlich ist die Stadt oder Gemeinde für diese Kosten zuständig, allerdings lehnt sie die Kostenübernahme ab, wenn eine Fundmeldung durch den Finder nicht unverzüglich erfolgte oder es sich beim Tier nicht um ein Fundtier, sondern um ein herrenloses Tier handelt.

Anders in Osnabrück: Wer im Stadtgebiet ein Tier findet, richtet sich in diesem Fall direkt an das Tierheim und nicht an das Ordnungsamt, denn in Osnabrück gilt eine besondere Vereinbarung : Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Wolfgang Herkt, Tierschutz Osnabrück und Umgebung e.V. von 1875, unterzeichneten am 9. April 2014, einen neuen Fundtiervertrag. Mit diesem erhält der Tierschutz nun jährlich 148000 Euro für die Versorgung und Betreuung von Fundtieren und nimmt sie im Tierheim in Hellern auf.

Sonderregelung in Osnabrück

Andere Kommunen handhaben den Umgang mit Fundtieren anders. „Wir kümmern uns, wenn es tatsächlich ein Fundtier ist, was heißt dass es gechipt oder tätowiert ist oder ein anderes Zeichen wie zum Beispiel ein Halsband auf einen Vorbesitzer hindeutet. Außerdem sollte uns der Fund innerhalb kürzester Zeit gemeldet worden sein“, erklärt Eugenia Wall vom Ordnungsamt Bramsche . Es käme auch schon mal vor, dass Finder eine Katze zuerst drei Wochen anfüttern, dann merkten was für ein Aufwand das Tier bedeutet und es erst dann angeben. „In solch einem Fall übernehmen wir die Kosten nicht“.

Tiere werden wir Fundsachen behandelt

Laut Gesetz unterliegen Fundtiere dem Fundrecht und werden wie Fundsachen behandelt. Der Finder ist verpflichtet die „Sache“ beim Ordnungsamt oder außerhalb der Öffnungszeiten der Polizei oder Feuerwehr zu melden und hat das Recht sie bei der zuständigen Behörde abzugeben. Die Überprüfung ob das Tier einen Vorbesitzer hat kann der Finder nicht leisten, das ist Aufgabe der Kommune.

Kommune muss Besitzer finden

„Wir haben in den letzten fünf Jahren keine Probleme gehabt. Es konnte immer genau definiert werden, ob es ein Fund- oder ein herrenloses Tier ist. Fundtiere geben wir an das Tierheim Osnabrück oder den Katzenschutzbund Melle und bezahlen die Pflegekosten“, berichtet Martin Schweer, Fachbereichsleiter beim Ordnungsamt Hilter.

Viele Ordnungsämter haben Vereinbarungen mit Tierheimen oder Tierschutzorganisationen der jeweiligen Kommune zu denen sie die Tiere bringen. Gemeldete Fundtiere sollten, wenn der Finder das nicht selbst übernehmen möchte, vom Bauhof abgeholt und ins Tierheim gebracht werden. Wird ein Tier verletzt gefunden und sofort zum Tierarzt gebracht, ohne dass vorher das Ordnungsamt verständigt wurde, kommt auch hier die Frage nach der Kostenübernahme auf. „Da muss man von Fall zu Fall entscheiden. War es ein wirklicher Notfall oder hätte der Finder vorher mit uns Rücksprache halten können?“, sagen sowohl Eugenia Wall als auch Martin Schweer.

Finder aus Kostengründen abgewimmelt

Die Tierschutzvereine machen aber zunehmend die Erfahrung, dass Finder bei den Ordnungsämtern „augenscheinlich aus Kostengründen abgewimmelt“ werden und dann mit den Tieren direkt zu ihnen kommen. „Wir nehmen, genau wie die meisten anderen Tierschutzvereine, keine Tiere von privat an, da die Kostenzusage fehlt“, so Michael Muris, Leiter Außendienst Kastrationsaktion vom Katzenschutzbund Osnabrück. „Auch unsere Kapazitäten was Platz und Finanzen angeht sind irgendwo begrenzt“, meint auch Corinna Hinterding, Vorsitzende des Vereins „Lichtblick aller Pfoten e.V.“ in Bramsche. Im letzten Jahr hätte ihr Verein rund 100 Fundkatzen aufgenommen, Dreiviertel davon im Frühsommer, die Zeit in der Katzen Nachwuchs bekommen. Von zehn Fundhunden in 2014 konnten neun an die Besitzer zurückvermittelt werden. „Bei Hunden finden wir aufgrund deren Kennzeichnungspflicht, die Besitzer relativ schnell wieder“, berichtet Corinna Hinterding. Der Tierschutzverein warte sechs Wochen, bis ein Fundtier zur Vermittlung frei gegeben würde, denn es könnte sein, dass sich der Vorbesitzer noch meldet. Prinzipiell habe dieser eine Frist von einem halben Jahr in der er noch Anspruch auf sein Tier erheben kann. „Das geben wir den Leuten mit auf den Weg wenn sie ein Tier von uns aufnehmen“.

Nach sechs Wochen Freigabe zur Vermittlung

Was nun tun, wenn das Ordnungsamt sich nicht zuständig fühlt und das Tierheim nicht aufnimmt? „Eigentlich sollte der verantwortungsvolle Finder, nachdem er das Tier gemeldet hat, keine Mühen mehr damit haben“, betont Corinna Hinterding. Die Realität sieht anders aus. „Wenn ich es kann, nehme ich das Tier auf und schreibe eine Fundtieranzeige für die korrekte Registrierung. Kommt es daraufhin zu keiner Einigung mit der Kommune, richte ich eine Fachaufsichtsbeschwerde an den Leiter der zuständigen Abteilung“, so Michael Muris über die von ihm bereits mehrmals angewandte Prozedur. Genau das könne auch jeder Bürger machen. „Die Kommunen bekommen zu wenig Beschwerden, weil die Bürger sich nicht trauen“, sagt der Tierschützer, der einige Ordnungsämter im Hinblick auf das Thema Fundtier stark kritisiert.


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