Was sagt uns Konkrete Kunst heute? Kunsthalle: Diskussion zu „Konkret mehr Raum“


Osnabrück. Was sagt die Ausstellung „Konkret mehr Raum“ zur Situation der Konkreten Kunst heute? In der Kunsthalle diskutierten fünf Kunstexpertinnen.

Kann Konkrete Kunst heute noch eine Berechtigung haben? Als Kunst, die „auf sich selbst verweist“, definierte Belinda Grace Gardner, freie Kunstpublizistin, am Abend des 2. Juli 2015 die Konkrete Kunst. Als Zeichen einer optimistischen, auf Utopien ausgerichteten Kunst sei sie heute aber in Frage zu stellen. „Ist die Welt heute nicht völlig in Unordnung?“, fragte Gardner mit kritischem Rückbezug auf die Ideen der Moderne, der die Konkrete Kunst ihrer Meinung nach verpflichtet sei. Neben Gardner diskutierten vor rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörern Amely Weiss, Leiterin des Kunstpalais Erlangen, Julia Draganovic, Direktorin der Kunsthalle Osnabrück, sowie Elisabeth Lumme und Valerie Schwindt-Klevemann als Kuratorinnen der Ausstellung „Konkret mehr Raum“ .

Amely Deiss wollte hingegen Konkrete Kunst nicht nur als historische Erscheinung verstehen. Diese Kunstrichtung spiele bei jungen Künstlerinnen und Künstlern wieder eine erhebliche Rolle, sagte sie. „Konkrete Kunst gibt viel, was andere Kunst nicht bietet“, sagte die Kuratorin. Im Kontakt mit der Konkreten Kunst werde der Betrachter auf seine eigene Wahrnehmung zurückgeworfen. Die Wahrnehmung dieser Kunst erfordere keine Vorkenntnisse. Der Umgang mit Konkreter Kunst leite den Betrachter dazu an, auch über die Kunst hinaus, das wahrzunehmen, was wirklich zu sehen sei.

Diesen Aspekt hoben auch Elisabeth Lumme und Valerie Schwindt-Klevemann für ihre Ausstellung „Konkret mehr Raum“ hervor. Es sei das Prinzip der Ausstellungskonzeption gewesen, Künstlerinnen und Künstler dazu einzuladen, für die Räume in Osnabrück Ideen zu entwicklen, sagte Elisabeth Lumme. Die Künstler der Ausstellung präsentierten Vorstellungen von Ordnungen und ihrer Gefährdung. Der Betrachter sei eingeladen, jeweils seine eigene Ausstellung wahrzunehmen. Friedrich Vordemberge-Gildewart, der Osnabrücker Konstruktivist, habe Kunst aus Verhältnissen von Bildelementen aufgebaut und seine Werke als Schule des Sehens verstanden. Diesen grundsätzlichen Verweis auf die Wahrnehmung der Betrachter nahm auch Belinda Grace Gradner auf, indem sie der Konkreten Kunst eine Tendenz zur „Demokratisierung“ der Kunst und ihrer Wahrnehmung zusprach.

Jede Kunst sei „Einladung, sich auf etwas Fremdes einzulassen“, betonte Julia Draganovic. Jenseits aller Inhalte gehe es zunächst darum, sich auf Kunst als „Sehschule“ zu beziehen. Die Beschäftigung mit der Konkreten Kunst führen zu einem „großen Gewinn an Sinnlichkeit“. Darüber hinaus verwies Valerie Schwindt-Klevemann auf die Kreation der Ausstellung im „VG-Jahr“, mit dem 2012 auf den 50. Todestag Vordemberge-Gildewarts Bezug genommen worden sei. „Ohne Vordemberge-Gildewart und die VG-Initiative gäbe es in Osnabrück diese Ausstellung nicht“, sagte sie im Hinblick auf „Konkret mehr Raum“.

Alles zur Ausstellung „Konkret mehr Raum“ auf www.noz.de/kunsthalle


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