Für mehr Zufriedenheit im Wohnheim Schüler befragen behinderte Menschen zu ihren Wünschen

Kim Meyer und Philipp Niehaus (Mitte) entwarfen mit Michael Vocke, der im Wohnheim Wallenhorst lebt, eine sogenannte Netzwerkkarte. Darauf stehen seine Vorlieben, Wünsche und Abneigungen. Foto: Michael GründelKim Meyer und Philipp Niehaus (Mitte) entwarfen mit Michael Vocke, der im Wohnheim Wallenhorst lebt, eine sogenannte Netzwerkkarte. Darauf stehen seine Vorlieben, Wünsche und Abneigungen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück/Wallenhorst. Was muss verbessert werden, um Menschen mit Behinderung in ihren stationären Wohnheimen zu mehr Zufriedenheit zu verhelfen? Das erforschten Schülerinnen und Schüler der Fachschule Heilerziehungspflege des Berufsbildungswerks (bbw) Osnabrücker Land. In Auftrag gegeben wurde die Studie „Zufrieden leben – Erkundung 2015“ von der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO). Die Schüler präsentierten jetzt ihre Ergebnisse.

Insgesamt befragten die 23 Heilerziehungspflege-Schüler, die sich im zweiten Ausbildungsjahr befinden, von Ende April bis Ende Mai 40 Bewohner der HHO-Einrichtungen Wohnheim Haus Wallenhorst und Wohnheim Haus Moltkestraße.

„Die Bewohner waren grundsätzlich sehr offen“, berichteten Kim Meyer und Philipp Niehaus, die drei Bewohner in je zwei Sitzungen im Haus Wallenhorst interviewt hatten. Die größte Herausforderung sei der erste Schritt gewesen, bei dem der Sinn der Befragung habe verdeutlicht werden müssen. Neben vielen interessanten und unterhaltsamen Gesprächen habe es auch bedrückende Momente gegeben. „Es war schon schlimm zu hören, wie stark doch manche behinderten Menschen eine Zurückweisung von ihrem gesamten Umfeld empfinden“, erzählte Kim Meyer.

Bei ihrer Befragung arbeiteten die Schüler mit verschiedenen Methoden. So sollten die Bewohner unter anderem in aufgezeichneten Traumwolken ihre Wünsche bezüglich Arbeit, Wohnen und Freizeit eintragen, in einem Fach mit Daumen-runter-Zeichen das, was ihnen im Alltag überhaupt nicht gefällt. Am Ende standen die gesammelten Aspekte auf großen, bunten Netzwerkkarten, die, nach Zustimmung der Befragten, bei der Ergebnispräsentation ausgestellt wurden.

Selbstbestimmung

Die Ergebnisse zeigen, dass die 40 Befragten viele individuelle Anforderungen haben, denen die Betreuer nur durch personenkonzentrierteres Arbeiten gerecht werden könnten. Insbesondere wünschen sich viele der behinderten Menschen demnach mehr Selbstbestimmung, etwa bei der Arbeitsplatzwahl, beim Kleidungseinkauf oder bei der Gestaltung von Liebesbeziehungen. Zufriedener wären sie laut der Studie auch, wenn sie mehr Freizeitangebote wahrnehmen könnten und die Freiheit hätten, Kino, Disco oder Flohmarkt selbstständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. „Ich will nicht immer nur in die Hottendeele. Ich möchte auch mal ins Alando“, rief eine Bewohnerin passend zum Thema bei der Präsentation. Viele Bewohner wünschen sich zudem mehr Kontakt zu ihren Familien.

Als größtes Hindernis für das Ausleben ihrer Vorlieben und Talente sehen sie den Personalmangel in den Wohnheimen. „Das ist ein Dilemma, in dem wir jeden Tag stecken“, meinte Matthias Giffhorn, Prokurist der gemeinnützigen Gesellschaft HHO-Wohnen. Mehr Mitarbeiter einzustellen sei im Hinblick auf deren Gehalt nämlich leider nicht möglich. Gleichwohl: „Die Ergebnisse machen nachdenklich und zeigen, dass Partizipation, Selbstbestimmung und Teilhabe wichtige Themen sind in der Betreuung, die wir im Rahmen von Fortbildungen angehen werden.“

In zwei Jahren möchte die HHO erneut eine Befragung in Auftrag geben. „Vielleicht zeigt sich dann ja schon eine positive Veränderung“, richteten sich Matthias Giffhorn und Bewohnervertreter Ingo Fricke an die Schüler und dankten ihnen für ihre Arbeit in den zwei Wohnheimen. Die Ergebnisse sollen nun auch den Verantwortlichen in den anderen HHO-Häusern zugänglich gemacht werden.


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