Oberhaupt der Tibeter wird 80 Schaulustige füllen Marktplatz: Als der Dalai Lama Osnabrück besuchte

Von Franziska Kückmann


Osnabrück. Tausende Menschen füllen den Marktplatz in Osnabrück, als der Dalai Lama im Juni 1998 die Hasestadt besucht. Am 6. Juli wird das spirituelle Oberhaupt der Tibeter 80 Jahre alt – Gelegenheit für einen Rückblick auf seine Zeit in Osnabrück.

Die Osnabrücker sind dem Dalai Lama direkt verfallen. Fotos von seinem Auftritt auf dem Marktplatz in Osnabrück am 6. Juni 1998 zeigen begeisterte Menschen, die ihm die Hände entgegenstrecken oder sie ungläubig auf den Mund pressen, während er ein Bad in der Menge nimmt. „Manche mussten vor Rührung weinen“ heißt es in der Unterzeile eines Bildes in der damaligen Berichterstattung in der NOZ. Das Oberhaupt der Tibeter ist da 62 Jahre alt. Am 6. Juli 2015 feiert der Dalai Lama nun seinen 80. Geburtstag.

6000 Besucher haben sich auf dem Marktplatz versammelt, um den berühmten Gast zu sehen und zu hören. Auf der Rathaustreppe stehend, hält er eine Rede. Er nennt die Anwesenden „Brüder und Schwestern“ und bekundet sein Beileid für die Opfer des ICE-Unglücks vom 3. Juni in Eschede. „Unter großem Beifall sprach sich der Dalai Lama für die weltweite Ächtung aller Atombomben und chemischer Waffen aus“, ist im Artikel über seinen Auftritt vermerkt.

Besuch im Bioladen

Gut gelaunt und entspannt präsentiert sich das Oberhaupt der Tibeter in der Hasestadt. Als die Sonne scheint, schirmt er seinen Kopf mit einer Mappe ab und meint lachend, er komme schließlich aus dem Land des Schnees und wolle keinen Sonnenstich. Bei seinem Gang mit dem damaligen Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip durch die Bierstraße in der Altstadt betritt er spontan einen Bioladen, probiert ein Brot und bietet Fip ebenfalls ein Stück an. Während seines Aufenthalts wohnt er im Hotel Walhalla.

Anlass seines Besuchs ist die Konferenz „Für Frieden und Menschenrechte“ in Osnabrück, die der Dalai Lama eröffnet. Doch „Seine Heiligkeit“ nutzt die Zeit in der Stadt und diskutiert mit 50 Schülern aus Osnabrück und Münster im Osnabrücker Ratsgymnasiums. „Glück ist das oberste Gebot und eine Sache des inneren Friedens“, sagt er zu den Jugendlichen. „Ich bin glücklich, euch zu sehen.“ Später setzt er eine rote Baseballkappe auf, die ihm ein Schüler geschenkt hat.

„Ich bin sehr bewegt“

Die Schaulustigen in Osnabrück zeigen sich beeindruckt vom Dalai Lama. „Ich bin sehr bewegt“, sagt etwa Susanne Klomburg, die in der damaligen Berichterstattung zitiert wird. „Als der Dalai Lama mir die Hand gegeben hat, habe ich schon ein paar Tränen verdrückt.“ Stella Schoo, die ebenfalls gefragt worden ist, sagt: „Der Humor des Mannes und die Natürlichkeit, wie er uns gegenübertritt, hat mich begeistert.“ Arne Bunjes, damals 20 Jahre alt und „extra mit Freunden aus Osnabrück gekommen“, ist „überzeugt, dass er (der Dalai Lama) den richtigen Weg geht“. Die Philosophie der Gewaltlosigkeit beeindrucke ihn.

Nach seinem Besuch in Osnabrück reist der Dalai Lama nach Münster weiter. Sein Abstecher in die Region steht auch im Zusammenhang der 350-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens, der 1648 in diesen beiden Städten geschlossen wurde. In Münster pflanzt der Friedensnobelpreisträger von 1989 auf dem Schießstand einer ehemaligen britischen Kaserne den ersten Baum für einen 15 Hektar großen Friedenspark. 2007 reist der Dalai Lama noch einmal nach Münster, wo er die Ehrendoktorwürde erhält. Osnabrück steht da aber nicht wieder auf seiner Route.


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