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Mit Vollgas in die nächste Runde

Hübsch machen für die Live-Übertragung: Boris Pistorius wird für seinen Fernsehauftritt vorbereitet.Hübsch machen für die Live-Übertragung: Boris Pistorius wird für seinen Fernsehauftritt vorbereitet.

Um 18.30 Uhr zerplatzten bei der SPD die ersten herzförmigen roten Luftballons und mit ihnen bei dem einen oder anderen vielleicht auch die Träume von einem anderen Ergebnis der OB-Wahl.

Boris Pistorius lag hinter seinem CDU-Gegner Wolfgang Griesert zurück. Nicht viel, aber der Abstand war zu dieser Zeit bereits so groß, dass eine entscheidende Trendwende kaum mehr zu erwarten war.

Noch eine halbe Stunde zuvor hatte die Umfrage der Schüler des Gymnasiums in der Wüste einen anderen Trend prognostiziert: Danach sollte Pistorius mit 38,7 Prozent vor dem CDU-Kandidaten mit 32,5 Prozent liegen. Das ließ die Hoffnungen wachsen. Letztendlich musste sich Pistorius Griesert aber mit 36,21 Prozent zu 38,64 Prozent geschlagen geben. Für den SPD-Mann kein Traumergebnis, aber für die Stichwahl in 14 Tagen eine gute Ausgangsposition. So jedenfalls schätzt der gebürtige Osnabrücker aus dem Schinkel, wo er über 50 Prozent der Stimmen für sich gewinnen konnte, die Situation ein. „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden“, sagte Pistorius, der mit Ehefrau Sabine und den beiden Töchtern Lara (16) und Alexandra (15) zur Wahlparty in die Stadthalle gekommen war.

„Glückwunsch Boris.“ Reinhard Sliwka war einer der ersten, die Pistorius zum Erreichen der Stichwahl gratulierten. Der unabhängige Bewerber gab noch gestern Abend seine Empfehlung für Pistorius für die Stichwahl ab.

Nach der ersten emotionalen Herausforderung der OB-Wahl wendeten sich die Genossen im Saal Haarlem mit gemischten Gefühlen der Ratswahl zu. Erleichterung herrschte dann, als sich herauskristallisierte, dass die SPD insgesamt zulegen konnte. Was fehlt, ist die klare Mehrheit. „Wir haben unser Ziel nicht erreicht.“ Ulla Groskurt, Vorsitzende der Osnabrücker SPD, wollte bei dieser Kommunalwahl eigentlich die CDU-Bastion knacken und stärkste Partei im Rat werden. Die Pattsituation machte niemanden so recht glücklich. Was wird aus UWG und Linken, wird es eine Zusammenarbeit geben? Auf diese Fragen wusste auch Groskurt so recht keine Antwort.

Nur Boris Pistorius machte die Becker-Faust. Könnte das Ergebnis doch bedeuten, dass die OB-Stimme bei vielen Entscheidungen im Rat das ausschlaggebende Zünglein an der Weg ist. Eine Vorstellung, die dem leidenschaftlichen Fußballer zu schmecken scheint.

Bis dahin aber geht der Wahlkampf erst einmal weiter. Pistorius: „Wir werden in den nächsten zwei Wochen noch einmal richtig Gas geben.“ Soll heißen: Die Wahlkampfmaschine der SPD wird noch einmal unter Volldampf gesetzt. Denn, so die einhellige Meinung der Genossen gestern Abend, bei diesem Ergebnis werde auch die Ratswahl letztendlich erst am übernächsten Sonntag entschieden.

Große Enttäuschung herrschte bei den Sozialdemokraten über die geringe Wahlbeteiligung. „Da fragt man sich schon, warum man das alles macht“, meinte Ratsherr Uwe Görtemöller. Und Ulla Groskurt stellte sich die Frage, was eigentlich noch passieren müsse, um die Bürger zu mobilisieren.


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