Vom Zeitzeugen und Regisseur Film „Freistatt“ in Osnabrücker Kino vorgestellt

Von Wolfgang Mundt

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Stellten ihren Film vor: Zeitzeuge Wolfgang Rosenkötter (links) und Regisseur Marc Brummund. Foto: David EbenerStellten ihren Film vor: Zeitzeuge Wolfgang Rosenkötter (links) und Regisseur Marc Brummund. Foto: David Ebener

Osnabrück. Regisseur Marc Brummund hat am Sonntag persönlich seinen Spielfilm „Freistatt“ im Osnabrücker Kino „Cinema-Arthouse“ vorgestellt. Das Jugenddrama zeigt das harte Schicksal eines Vierzehnjährigen in der gleichnamigen diakonischen Erziehungsanstalt im Moor bei Diepholz.

Die Filmhandlung basiert auf den Heimerfahrungen des ebenfalls anwesenden Zeitzeugen Wolfgang Rosenkötter. „Schläge im Namen des Herrn“ heißt das Buch des „Spiegel“-Redakteurs und Autors Peter Wensierski, dessen Veröffentlichung vor knapp zehn Jahren die Schicksale von Heimkindern in der Bundesrepublik der 1950er- bis 1970er-Jahre beleuchtete.

Auch die Bodelschwingh’schen Anstalten in Bethel begannen dann, sich mit ihrer unrühmlichen Geschichte in „Endstation Freistatt“ auseinanderzusetzen. Wolfgang Rosenkötter erlebte selbst ab 1961 für 15 Monate den „Moorhort“ in Freistatt und begann erst spät, die lange verdrängten Ereignisse aufzuarbeiten. Die Einladung der Diakonie Freistatt, wieder dorthin zu kommen, ließ er lange Zeit unbeantwortet. Jedoch entstand so der Kontakt zu Regisseur Marc Brummond, der – in Diepholz geboren und in Lohne aufgewachsen – jetzt genauer wissen wollte, was in der Moorregion vorgegangen ist. Ihre Begegnung ist „ein Meilenstein“ für Rosenkötter, und ihre langen Gespräche ergaben den dramaturgischen Stoff für den Film.

Beide haben am Vormittag zusammen mit dem Filmverleiher Jürgen Pohl den Drehort Freistatt besucht: „Die Filmkulissen stehen teilweise noch und dienen jetzt der Dokumentation der Geschichte Freistatts“, sagt Brummund.

Sein Film steht nicht nur für Freistatt, sondern für 3000 Einrichtungen in ganz Deutschland. Er habe sich gegen eine pietätvolle Form entschieden und bewusst einen bunt wirkenden, emotionsgeladenen Film gemacht, der sich an das amerikanische Genre der Gefängnisfilme anlehnt. Jedoch scheint in „Freistatt“ „eine kalte Sonne, die nicht wärmt“.

Wolfgang Rosenkötter ist heute, was ihm damals fehlte: eine Vertrauensperson für Freistatter Jugendliche.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN