Chornetto Kirsch bietet Sängerinnen hohes Spaßlevel bei niedrigen Hürden Ohne Noten, dafür mit Anspruch

Sie singen gern, die Damen von Chornetto Kirsch. Foto: Elvira PartonSie singen gern, die Damen von Chornetto Kirsch. Foto: Elvira Parton

Zwei Punkte zeichnen den Chor Chornetto Kirsch aus: Der Zugang ist musikalisch barrierefrei, und es singen ausschließlich Frauen. Das aber ziemlich gut.

Osnabrück. Der Abend beginnt, na klar, mit ein paar Aufwärmübungen. Schultern lockern, ein bisschen Arme und Beine schlenkern, dann kommen die ersten Klänge. „Hmmm“, „rrrr“, „tsch“; es klingt immer ein bisschen lustig, wenn Sänger ihre Stimmbänder weich kneten. Schließlich erklingt die erste Gesangsphrase; auf „Du Rabenaas“ schraubt sich ein kleines Motiv nach oben und anschließend wieder nach unten.

Neun Frauen stehen an diesem Dienstagabend vor Chorleiterin Dana Weber, zwei haben die heutige Probe abgesagt. Es sind Frauen, die berufstätig sind, Familie haben, im Leben stehen und wissen, warum sie sich, wie jeden Dienstag, in diesen großen Raum im Obergeschoss der Evangelischen Familienbildungsstätte treffen: Sie wollen singen, und das bitte mit Anspruch, aber ohne hohe Hürden.

Die Hilfestellung für diesen Spagat gibt Dana Weber. Die studierte Kulturwissenschaftlerin hat vor gut fünf Jahren Sängerinnen für einen Chor in Osnabrück gesucht. Ihr Trumpf: Chornetto Kirsch , so haben sich die Frauen schließlich genannt, kommt ohne Noten aus. „Ich singe so lange vor, bis sie es kapiert haben“, sagt Dana. Für eine Sängerin, Lisa, war das der ausschlaggebende Grund, sich dem Chor anzuschließen. Außerdem „bin ich mit meiner tiefen Stimme hier gut aufgehoben“.

Der Verzicht auf Noten bedeutet keineswegs den Verzicht auf musikalische Komplexität. Weber realisiert mit ihren Sängerinnen dreistimmige, vier-, fünf- und auch mal achtstimmige Gesangssätze. Ihre Arrangements stecken voller komplexer Jazzharmonien, überraschender Stopps, raffinierter Übergänge. Dafür proben die Sängerinnen mit hörbarem Engagement, und bei ihren drei, vier Auftritten pro Jahr gewinnen sie regelmäßig die Gunst des Publikums.

An diesem Abend steht „Proud Mary“ auf dem Probenplan; das Arrangement steckt voller rhythmischer Fallen. „Ihr müsst ein bisschen mehr aufeinander hören“, sagt Dana. Beständig drückt sie aufs Tempo; wer bei ihr singt, muss etwas leisten. Aber sie gibt ihren Frauen auch Hilfe: „Wenn ihr deutlich sprecht, hilft das, das Tempo zu halten.“ Geht doch.

Die Frauen von Chornetto Kirsch mögen, was Dana auswählt. Und sie mögen die Art ihrer Leiterin. „Ich bin schon sehr dominant“, sagt die zwar. Aber sie sagt auch: „Hier ist alles basisdemokratisch, und ich bin die Basis.“ Gründungsmitglied Gertie hat schon in Chören gesungen, mit Noten, aber sie sagt: „Es geht sehr gut ohne Noten.“ Sie merkt sich Melodien leicht, Lisa orientiert sich an den Zeichen von Dana Weber.

Dabei setzt die Leiterin auf angeborene Musikalität. „Es gibt keine, die tonblind ist“, sagt sie. Dieser Ansatz beschert dem Chor hohe Kontinuität; trotzdem wird es allmählich „in der Mittellage dünn“: Der Chor sucht Verstärkung. Vorsingen muss niemand; die Freude am Singen genügt.

Und dass die sich einstellt, dafür sorgen ganz sicher „Proud Mary“, groovender Blues, Nina Hagens „Fisch im Wasser“ und was Chornetto Kirsch sonst so singt.

Schnupperprobe: Dienstag, 28. April um 20 Uhr in der Evangelischen Familienbildungsstätte, Anna-Gastvogel-Straße. Volkshochschul-Workshop bei Dana Weber: 6./7. Juni, Volkshochschule Osnabrück


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