Osnabrücker Vordemberge-Gildewart 10. Geburtstag: Zehn Fakten zur „vg-Initiative“


Osnabrück. Was meint die Abkürzung „VG“? Was will die „vg- Initiative“? Zum zehnten Geburtstag der Osnabrücker Initiative hier zehn Fragen und Antworten rund um „VG“.

Was verbirgt sich hinter der Abkürzung „VG“? Die Abkürzung steht für den Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899-1962), der in Osnabrück in der Großen Gildewart geboren wurde. „VG“ startete in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts seine Karriere in Hannover, wurde später Mitglied der Künstlergruppe „de stijl“, in der gemeinsam mit Kunststars wie Piet Mondrian und Theo van Doesburg aktiv war. Vordemberge stellte in Paris aus, war Mitglied in den Avantgardegruppen „Cercle et carré“ und „abstraction-création“. Der Künstler ging während des Dritten Reiches nach Amsterdam in das Exil. Nach dem Krieg lehrte er an der Hochschule für Gestaltung in Ulm gemeinsam mit Max Bill. „VG“ starb 1962 in Ulm. Den Namenszusatz „Gildewart“ legte sich „VG“ übrigens erst 1920 zu, um sich von einem gleichnamigen Cousin abzuheben, der auch Maler war. Mit „Gildewart“ bezog sich der Künstler auf den Osnabrücker Straßennamen. „VG“ nahm an der Documenta 1 und 2, 1955 und 1959 , teil.

Was ist die „vg Initiative“? Sie ist weder Verein noch Stiftung. Die „vg-Initiative“ ist ein lockerer Zusammenschluss von Osnabrücker Bürgerinnen und Bürgern , die sich für den Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart einsetzen. Das Ziel der Initiative ist es, Person und Kunst Vordemberge-Gildewarts bekannter zu machen und die Beschäftigung mit dem Werk in der Gegenwart fortzusetzen. Die Initiative trifft sich regelmäßig, um sich über Themen der Kunst auszutauschen und unternimmt Fahrten zu Museen und zu Ausstellungen - vor allem immer dann, wenn es um Konkrete Kunst geht. Zu den Aktivitäten der Gruppe gehört auch der Aufbau eines Buchbestandes zum Thema Konkrete Kunst in der Stadtbibliothek Osnabrück . Mit einem Fest im Heger-Tor-Viertel feierte die Initiative am 21. Juni 2015 ihren zehnten Geburtstag.

Wer hat die Initiative angestoßen?Siegfried Hoffmann . Der frühere Geschäftsführer der Osnabrücker Parkstätten-Gesellschaft und Referent des Osnabrücker Oberstadtdirektors bewohnt seit Jahren gemeinsam mit seiner Frau Renate das Geburtshaus Vordemberge-Gildewarts in der Großen Gildewart 27, mitten in der Osnabrücker Altstadt. Hoffmann stellte sich die Frage nach „VG“, forschte weiter nach Person und Kunst des Malers, Designers und Typographen und begann, für „VG“ in Osnabrück zu werben. Hoffmann scharte Unterstützer und Mitstreiter um sich und rief die „vg-Initiative“ ins Leben. Hoffmann war auch Motor des von der Stadt Osnabrück ausgerichteten „VG-Jahres“ 2012/2013.

Wann wurde sie gegründet? Die Gründungsversammlung fand am 22. Juni 2005 im Stadtgalerie-Café gleich gegenüber von „VG´s“ Geburtshaus in der Großen Gildewart statt. 33 Personen unterzeichneten damals die Gründungserklärung, unter ihnen der Kunstwissenschaftler Martin Damus von der Universität und der Kunstsammler Heribert Schulz, der 1999 die „Hommage à VG“ in der Kunsthalle Osnabrück kuratieren sollte.

Welche Rolle spielt die Bürgerstiftung? Da die „vg-Initiative“ keine eigene Rechtsform besitzt, kann sie keine Spendengelder einwerben. Damit dies bewerkstelligt werden kann, operiert die Initiative unter dem Dach der Osnabrücker Bürgerstiftung . Diese Aufstellung ermöglicht nicht allein die Einwerbung von Spenden, sie erleichtert auch die Kooperation mit vielen Partnern in der Region, mit Kulturträgern, Industrie- und Handwerkskammer oder auch den Osnabrücker Hochschulen. Klaus Lang, Vorsitzender der Bürgerstiftung, zählt längst selbst zu den engagierten Unterstützern des „VG“-Gedankens.

Wo ist Kunst von „VG“ zu sehen? In aller Welt. Friedrich Vordemberge-Gildewart hat mit 222 Gemälden nur ein kleines Lebenswerk geschaffen, zu dem auch Zeichnungen, Typographien und Gestaltungsentwürfe kommen. Seine Bilder finden sich hingegen in allen wichtigen Museumssammlungen weltweit - vom New Yorker Museum of Modern Art bis zum Pariser Centre Pompidou . Einen ansehnlichen Bestand besitzt das Museum Wiesbaden, das auch den Nachlass des Künstlers verwahrt. Osnabrück verfügt nur über eine Handvoll Gemälde „VG´s“, die im Feiix-Nussbaum-Haus zu sehen sind.

Welche Ausstellungen gab es in Osnabrück zu „VG“? Die letzte große Präsentation war 2012 im Kulturgeschichtlichen Museum und im Felix-Nussbaum-Haus zu sehen. Zum 50. Todestag des Künstlers zeigten die Häuser eine aus dem Museum Wiesbaden übernommen Überblicksausstellung. 1999, zum hundertsten Geburtstag, zeigte das Kulturgeschichtliche Museum die Gemälde Vordemberge-Gildewarts. Die von Heribert Schulz in der Kunsthalle kuratierte „Hommage“ an den Künstler versammelte Künstler, die sich in der Nachfolge der Konkreten Kunst bewegen. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die „vg-Initiative“ richtete Siegfried Hoffmann mehrere Ausstellungen mit Konkreter Kunst in seinem Wohnhaus aus. Gemälde von „VG“ sind permanent im Felix-Nussbaum-Haus zu sehen. Auf die nächste größere Präsentation werden die Osnabrücker aber sicher noch warten müssen. Allerdings bezieht sich die Präsentation „Konkret mehr Raum“ in Kunsthalle, Kulturgeschichtlichem Museum, dem Felix-Nussbaum-Haus sowie an Standorten im Außenraum auf Ideen Vordemberge-Gildewarts. Die Kuratorinnen Elisabeth Lumme und Valerie Schwindt-Kleveman entwickelten die Idee zu der Schau während des „VG-Jahres“ 2012.

Gab es einen Skandal um „VG“? Ja, in den Dreißiger Jahren. Der Künstler hatte der Stadt das Bild „K 33“ als Leihgabe überlassen. In der Nazi-Zeit wurde es schließlich nach Kontroversen abgehängt und blieb seitdem verschollen. Der Kunstskandal prägte lange Jahre das mißglückte Verhältnis von „VG“ zu seiner Heimatstadt. Noch 1979 bemerkte Ilse Leda, Witwe des Künstlers, ebenso bitter wie hellsichtig, Vordemberge „habe [...] so häufig es ihn auch nach Osnabrück zog, die für ihn richtigen Gesprächspartner hier nicht finden können“.

Was ist Konkrete Kunst? Theo van Doesburg prägte den Begriff 1924. Konkrete Kunst versteht sich als Kunst aus logisch konstruierten Bildgefügen, deren Elemente als „konkret“, also ohne Verweis auf eine Wirklichkeit außerhalb des Kunstwerkes verstanden werden. Die objektiv gültigen, rational kontrollierten Gefüge der Bilder der Konkreten Kunst sind oft aus geometrischen Grundformen wie Dreieck, Kreis und Rechteck sowie den Primärfarben Rot, Gelb und Blau sowie den Nichtfarben Schwarz und Weiß aufgebaut. Max Bill, der 1944 in Basel eine internationale Ausstellung zur Konkreten Kunst organisierte, beschrieb das Ziel dieser Kunstrichtung 1949 mit den Worten, es ginge darum, „gegenstände für den geistigen gebrauch zu entwickeln“. Konkrete Kunst beeinflusste das Bauhaus und das moderne Design. Vor allem amerikanische Künstler wie Donald Judd, Frank Stella oder auch der Minimalist Sol LeWitt folgten den Grundideen der Konkreten Kunst.

Wo finde ich weitere Informationen zu „VG“? Alles über Friedrich Vordemberge-Gildewart und über die „vg-Initiative“ finden sie unter www.noz.de/kunst und natürlich auf der Seite der Initiative www.vg-initiative.de .


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