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Interesse an Pornos nimmt ab Filesharing-Statistik: Weniger Abmahnungen, mehr Klagen

Immer mehr Menschen, die abgemahnt worden sind, wehren sich juristisch gegen die Vorwürfe. Foto: dpaImmer mehr Menschen, die abgemahnt worden sind, wehren sich juristisch gegen die Vorwürfe. Foto: dpa

Osnabrück. Nach der Filesharing -Statistik für das erste Halbjahr 2012 hat sich die Anzahl der Abmahnungen wegen illegalen Austauschs von Daten im Verhältnis zum Vorjahr fast halbiert. Dafür gehen aber immer mehr Abgemahnte den Klageweg.

Etwa ein Viertel der Abgemahnten zeigte sich demnach vergleichsbereit. Mit über 46 Prozent aller Abmahnungen lagen Musiktitel erneut an der Spitze, gefolgt von Spielfilmen mit 36,5 und Pornos mit 12 Prozent. Pornos hatten 2011 noch 19,7 Prozent ausgemacht.

Für die Erstellung der Statistik hat der Verein zur Hilfe und Unterstützung gegen den Abmahnwahn e.V. verschiedene Foren überwacht und die Statistiken von fünfzig Rechtsanwaltskanzleien eingeholt. Aus ihnen ging hervor, dass kleinere Kanzleien im Durchschnitt wöchentlich drei bis fünf Anrufe von Abgemahnten erhalten, größere Kanzleien mit mehr als drei Anwälten zehn bis fünfzehn Anrufe.

Im ersten Halbjahr 2012 ergingen acht einstweilige Verfügungen, elf Unterlassungsklagen und ein Fall landete sogar vor dem Bundesverfassungsgericht. Zwei Fälle wurden vor dem Bundesgerichtshof verhandelt, vier gingen vor ein Oberlandesgericht, elf vor ein Landgericht und 197 vor ein Amtsgericht. Damit stieg die Anzahl der Fälle, die vor Gericht verhandelt wurden, deutlich an. Abmahnungen aufgrund des illegalen Austauschs von Spielen, Anwenderprogrammen oder eBooks spielten dabei keine große Rolle mehr.

Nachdem im Jahr 2011 der große Einbruch in diesem Sektor erfolgt war, konzentriere sich der Markt derzeit auf wenige „alte Bekannte“ unter den Abmahn-Kanzleien, heißt es bei gulli.de. Wenige bereits etablierte Abmahn-Kanzleien teilten den Markt mehr und mehr unter sich auf.

Verbraucherschützer fordern dringend eine Deckelung der Abmahnungen. Sie sprechen sich außerdem dafür aus, dass sich die Kläger nicht mehr den Prozessort aussuchen können. In vielen Fällen würden Gerichte ausgewählt, die bisher durch ihre Urteile zu Ungunsten der Abgemahnten auffielen, kritisieren sie.


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