Eine Stunde mit Wie eine Tagesmutter ihre kleine „Familie“ hütet

Tagesmutter Marlen Borker und ihre „Kinder“ Marlena, Anton, Justus, Anna und Joost.Foto: Nancy KnäuperTagesmutter Marlen Borker und ihre „Kinder“ Marlena, Anton, Justus, Anna und Joost.Foto: Nancy Knäuper

Osnabrück. Sie Spielen, Essen und Kuscheln zusammen: Wie eine kleine Familie verbringt Tagesmutter Marlen Borker mit ihren fünf „Kindern“ den Tag. Die kleinen Jungen und Mädchen halten ihre Ersatzmutter ganz schön auf Trab, doch die gelernte Krankenschwester kann sich heute keinen schöneren Beruf vorstellen.

Am Ende der Straße in einer kleinen Sackgasse, umgeben von den Wäldern des Schölerbergs wohnt Tagesmutter Marlen Borker. Vor dem Haus stehen sechs Bobbycars, dass dort Kinder ihren Tag verbringen, ist nicht zu übersehen. Marlena, Justus, Anna, Joost und Anton werden heute von Mama oder Papa gebracht und verbringen gemeinsam ihren Tag bei ihrer Ersatzmama Marlen. „Wir sind eine eingeschworene Truppe und eine richtige kleine Familie“, erzählt die Tagesmutter. 

Gegen 7.30 Uhr kommt das erste Kind, bis neun Uhr trudeln auch alle anderen langsam ein. Marlen Borker hat für die Tageskinder ein eigenes Spielzimmer eingerichtet, mit einer kleinen Küche, einer Kuschelecke und verschiedenen Spielzeugen. Dort schauen sich die fünf kleinen Jungen und Mädchen zusammen ein paar Bücher an. Der zwei Jahre alte Anton entdeckt begeistert eine Katze, die kleine Anna zeigt auf eine Maus. In der Mitte sitzt Marlen Borker, zeigt auf verschiedene Dinge im Bilderbuch und passt auf, dass es keinen Streit um das beliebteste Tier gibt.

So um neun Uhr ist es Zeit für das gemeinsame Frühstück. Alle sitzen auf ihren kleinen Stühlen und Frühstücken gemeinsam. Joghurt ist gerade sehr beliebt, und Anna, Joost und Marlena löffeln ganz alleine das leckere Frühstück. Ein paar Löffel gehen daneben, aber Marlen steht schon mit einem Lappen parat. „Ich finde es wichtig, dass auch die Kleinen schon alleine Essen“, erklärt sie. Auf diese Weise würden sie es am besten lernen. Auch das gemeinsame Hinsetzen und vor allem Sitzenbleiben würde ihnen so ganz nebenbei beigebracht. Auf die Ausbildung des Sozialverhaltens liegt Borker ebenfalls großen Wert: „Viele Dinge gebe ich auch einfach unbewusst weiter. Die kleine und überschaubare Gruppe ist dabei ideal für die Kinder.“

Nach dem Frühstück spielen die Jungs und Mädchen gemeinsam weiter. Anton und Joost bauen eine „Absperrung“ aus Kissen und Decken, Anna und Marlena spielen lieber Schlafen. Der eineinhalb Jahre alte Joost kann sich noch nicht richtig entscheiden und tapst zwischen den „Großen“ umher. Zwischendurch muss Marlen immer wieder helfen, kleine Streitigkeiten schlichten oder trösten, wenn sich eines der Kinder wehgetan hat. „Man muss wirklich die ganze Zeit hellwach sein und aufpassen“, beschreibt die Tagesmutter. Einen anderen Beruf würde sie trotzdem nicht mehr machen wollen.

Die gelernte Krankenschwester betreut seit 2006 Kinder zuhause. Nachdem sie selbst zwei Kinder bekommen hatte, habe sich das mit der Betreuung der Tageskinder einfach so ergeben. Um sich als Tagesmutter zu qualifizieren, musste sie verschiedene Kurse besuchen. Auch heute noch macht sie mindestens zweimal im Jahr eine Fortbildung. Betreut werden die Tagesmütter vom Familien- und Kinderservicebüro der Stadt Osnabrück. Dort können sich auch Eltern melden, die Bedarf an einer Betreuung ihrer Kinder haben.

Ihre Entscheidung, Tagesmutter zu werden, hat sie nie bereut: „Die Kinder geben mir einfach so viel wieder und ich genieße die Nähe zu ihnen und das viele Kuscheln.“ Auch die Kinder fühlen sich bei ihrer Ersatzmutter sichtlich wohl. Gut gelaunt tanzen und singen sie gemeinsam und spielen Bus. Bei gutem Wetter nutzen sie auch die schöne Umgebung am Schölerberg und gehen in den Wald, machen Picknicks oder fahren einfach eine Runde mit dem Bobbycar. „Die Eltern brauchen wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben, den Kindern fehlt es hier an nichts“, betont Marlen Borker. 

Mittags gibt es selbst gekochtes Essen, danach werden einige Kinder abgeholt, andere schlafen in einem der zwei kleinen Schlafzimmer. Gegen 15 Uhr werden dann auch die letzten Tageskinder abgeholt. Dann kann auch die Tagesmutter ein bisschen zur Ruhe kommen.