„MRSA-Patienten nicht saniert“ Osnabrück: Gesundheitsdienst kritisiert Krankenkassen

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Osnabrück. Der Leiter des Gesundheitsdienstes für Stadt und Landkreis Osnabrück, Dr. Gerhard Bojara, hat die Krankenkassen für ihren Umgang mit Patienten kritisiert, die multiresistente sogenannte MRSA-Keime tragen: „Es ist eine Katastrophe, wie in unserem Gesundheitssystem damit umgegangen wird“, rügte er am Rande einer Gesundheitsausschusssitzung des Landkreises.

Bojara kann nicht nachvollziehen, dass nur Patienten, die zuvor im Krankenhaus gewesen sind, auf Kosten der Krankenkasse saniert werden. „Ein niedergelassener Arzt kann eine Sanierung nicht verordnen“, so Bojara. Allerdings sei es besonders vor planbaren Knochen- und Gelenk-Operationen wichtig zu wissen, ob der Patient den MRSA-Keim in sich trage. Schließlich gebe es bei diesen Patienten ein hohes Risiko, dass der landläufig oft nur als „Krankenhaus-Keim“ bekannte multiresistente Erreger in die Wunde gelangt. Bei einer Knie-Operation könne es sogar dazu führen, dass der Patient das ganze Bein verliert. Deshalb sei eine Sanierung des Patienten schon vor der Operation so wichtig, die Einsicht dafür bei den Krankenkassen aber offenbar nicht vorhanden.

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Bojara geht mit seiner Kritik aber noch weiter. Selbst wenn ein Patient zuvor im Krankenhaus war, dort ein MRSA-Keim festgestellt und daraufhin eine Sanierung angeordnet wurde, könne per Rezept nur eine antibiotische Nasensalbe verordnet werden. Andere wichtige Materialien zur Sanierung hingegen würden als Kosmetik definiert und daher nicht bezahlt. „Daher werden Sanierungen oft nur halbherzig durchgeführt“, betont Bojara. Zu einer Sanierung gehöre aber auch eine antibakterielle Waschlotion, eine Rachenspülung, Händedesinfektion, Flächendesinfektion, Einmal-Zahnbürsten und Einmal-Kämme. Dieses Material gebe es im Set zu Preisen zwischen 50 Euro und 100 Euro. Allerdings seien nicht alle Patienten in der Lage, das zu bezahlen.

Bojara: „Das greift zu kurz. Die Infektionslast wird immer größer“

Bojara weist darauf hin, dass es mehrere MRSA-Typen gibt. Neben den multiresistenten Krankenhaus-Keimen HA-MRSA gebe es den LA-MRSA aus der Landwirtschaft und den im normalen Alltag in der Bevölkerung erworbenen CA-MRSA. Der Umgang mit diesen CA-MRSA, der oft zu Abszessen führe, sei besonders wichtig, da die Ansteckungsgefahr bei diesem Typ groß sei. Wenn ein Familienmitglied damit besiedelt sei, dann sei das auch sehr oft bei den anderen Familienmitgliedern der Fall. „Die Krankenkasse hingegen sagt: Die sind nicht krank, sondern nur besiedelt. Also müssen sie nicht behandelt werden“, erklärt Bojara. Dadurch nehme die Zahl der MRSA-Träger natürlich zu, weil dieser CA-MRSA durch Hautkontakt übertragen werde. Bojara sagt: „Das greift zu kurz. Die Infektionslast wird immer größer.“ Die Niederlande seien da schon weiter. Dort würde jeder MRSA-Träger sofort saniert.

„Fachlich falsche Entscheidung der Krankenkassen“

Bojara sieht die Entscheidung der Krankenkassen daher als „fachlich falsch“ an und mutmaßt, diese Entscheidung sei entweder bewusst getroffen worden, um Kosten zu sparen, oder unbewusst, weil es den Entscheidungsträgern an Problembewusstsein mangelt.

Das MRSA-Netzwerk in Osnabrück habe bereits verschiedene MRSA-Patienten saniert, stoße aber an Grenzen. Auch deshalb müssten die Krankenkassen endlich dazu gebracht werden, die Sanierung zu übernehmen.

Kassenärztliche Vereinigung für Osnabrück schiebt Verantwortung weiter

Der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung für Osnabrück und Lüneburg, Oliver Christoffers, schiebt die Verantwortung für die ambulante Behandlung von MRSA-Trägern einem „Gemeinsamen Bundesausschuss“ (G-BA) zu. Dieser habe 2012 beschlossen, dass die Kassen nur die Kosten für eine ambulante MRSA-Sanierung tragen, wenn Patienten schwer erkrankt sind. Der G-BA setzt sich neben drei anderen Spitzenorganisationen im deutschen Gesundheitswesen aber auch aus der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zusammen.


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