Mit Lust bei der Sache Der Chor der Wohnungslosenhilfe heißt „Abseits!?“


Osnabrück. Seit zwei Jahren leitet Musiker Markus Strothmann den Osnabrücker Chor „Abseits!?“ der Tageswohnung für wohnungslose Menschen in der Bramscher Straße.

Dieser Chor ist etwas Besonderes: Die Mitglieder haben eigene Lieder! „Gib nicht auf, du kannst auf eigenen Füßen stehen, gib nicht auf, wir wollen dich nicht im Abseits sehen…“, tönt es aus 21 Kehlen, und es hört sich wie ein Credo an, wie ein gegenseitiges Aufmuntern.

„Den Text habe ich geschrieben“, sagt Thomas Kater. Er ist Sozialarbeiter in der Tageswohnung für wohnungslose Menschen in der Bramscher Straße und hatte vor vier Jahren eine Idee: „In Berlin gibt es einen Straßenchor mit Leuten aus der Wohnungslosenszene“, sagt er. So einen Sängerkreis wollte er in Osnabrück auch aufbauen. „Singen bringt die Menschen gut drauf. Wer singt, ist nicht melancholisch. Und es hebt das Selbstwertgefühl, vor anderen Menschen aufzutreten“, sagt Kater. Also gründete er den Abseits!?-Chor.

Die Atmosphäre während der Probe ist locker und ungezwungen. „Wir sind der Gefangenenchor, wir werden gezwungen, hier mitzumachen“, ruft jemand aus dem Chorrund und erntet lautes Gelächter. Die flapsige Bemerkung bezieht sich auf die Motivationsphase, die Sozialarbeiter Kater startete, um Interessenten für seine Choridee zu finden. Mit kleinen Versprechungen lockte er die Besucher der Tageswohnung zur Teilnahme. Sven Hildebrandt zum Beispiel, der in der Küche jobbte. „Erst war ich skeptisch, doch dann habe ich gemerkt, wie viel Spaß das Singen macht.“ Jetzt ist er voller Begeisterung bei der Sache. Der Chor ist offen für alle. Wer Lust hat, kann mitmachen. So sind nicht nur Wohnungslose feste Mitglieder, sondern auch ehrenamtliche Mitarbeiter der Einrichtung oder auch Redaktionsmitglieder der Abseits!?-Zeitung, die dem Chor den Namen gab. „Ich habe schon mehrere Chöre ausprobiert, bis ich hier gelandet bin“, sagt Susanne Kampling, die ehrenamtlich in der Abseits!? -Redaktion mitarbeitet. Sie mag es, dass der Chor nicht nur Popsongs, Schlager und Balladen singt, sondern auch eigene Lieder, mit denen er andere Menschen zum Nachdenken anregt. Dann wird „Wunder geschehen“ intoniert oder „Traumhaus“, ein Lied, dessen Text von Chormitglied Dirk geschrieben wurde, der auch einen Sologesangspart übernimmt.

Geleitet wird der Chor seit zwei Jahren von einem Osnabrücker Musiker, der sich mit viel Engagement in das Musikprojekt einbringt: Markus Strothmann. Er ist Frontmann der Osnabrücker Band Turbine Weststadt und hat etwa die Musik zu dem Song „Gib nicht auf“ komponiert. Jeden Mittwochmorgen entlockt er dem Chor kräftigen Gesang.

Zurzeit probt er ein Programm, mit dem der Chor demnächst live auftreten wird. Am 21. Juni ist er beim Sommerfest des Vereins „Wir in Atter“ zu Gast, am 4. Juli gestaltet er das Programm des Straßenfests, das die Besucher der Tageswohnung einmal im Jahr vor den eigenen Türen in der vorderen Bramscher Straße veranstalten.


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