Lymphödem: So mancher Arzt ist ratlos Osnabrücker Selbsthilfegruppe organisiert Lymph-Symposium

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Helma Morganti und Neidhard Naujuks von der Lymphselbsthilfe wollen Fachleute und Betroffene auf Lymphkrankheiten aufmerksam machen. Foto: Swaantje HehmannHelma Morganti und Neidhard Naujuks von der Lymphselbsthilfe wollen Fachleute und Betroffene auf Lymphkrankheiten aufmerksam machen. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. An einer eher unbekannten und seltenen Krankheit wie dem Lymphödem zu leiden hat für Betroffene eine oft jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt zur Folge. Helma Morganti und Neidhard Naujuks von der Lymphselbsthilfe Osnabrück können das bestätigen, denn Erkrankungen des Lymphsystems sind nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für viele Mediziner ein Buch mit sieben Siegeln.

Doch die Gruppe will Abhilfe schaffen. Sie hat das 1. Osnabrück Lymphsymposium organisiert, das eine anerkannte Fortbildungsveranstaltung für Angehörige der Heilberufe und zugleich ein Informationstag für Betroffene sein wird.

Für Helma Morganti, die die Lymphselbsthilfe einst ins Leben gerufen hat und auch heute noch leitet, begann der Leidensweg 2008 nach einer Krebsoperation: Ihr rechter Arm wurde dick, feuerrot und tat entsetzlich weh. „Und ich hatte keinen blassen Schimmer, was das sein könnte“, berichtet die heute 64-Jährige. Das kann bei Patienten ja durchaus passieren – doch auch von den Fachleuten, die sie konsultierte, erhielt sie seinerzeit wenig Hilfe. Eine monatelange Rundreise begann – die nur durch Zufall endete, weil Morganti auf eine Krankengymnastin traf, die das Krankheitsbild kannte.

Aus heiterem Himmel

Auch für Neidhard Naujuks kam das Lymphödem – an diesem leiden die beiden – völlig unerwartet. „Als ich 1979 beim Bund war, hatte ich plötzlich am Bein die gleichen Symptome wie Helma“, erzählt der 56-Jährige. Es folgten Kuren und klassische Behandlungen ohne System. Denn an welcher Krankheit er leidet, hat Naujuks erst Mitte der Neunziger erfahren – bis dahin musste er sich nach eigener Aussage „mit dem Leiden herumquälen“.

Beim Lymphödem reicht der Abtransport der eiweißhaltigen Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe aus verschiedenen Gründen nicht mehr aus. Dadurch bilden sich Schwellungen, meist an den Extremitäten, die dazu neigen, sich unbehandelt dauerhaft zu verschlechtern. Ursachen dafür sind oft fehlende Lymphknoten, die etwa bei vielen Krebsoperationen standardmäßig mit entfernt werden. So war es beispielsweise bei Helma Morganti. Neidhard Naujuks hingegen ist ohne Lymphknoten geboren worden, wie er heute weiß, und in stressreichen Zeiten hat sich ein Lymphödem manifestiert.

Eine Heilung gibt es derzeit nicht. Die Beschwerden lindern hauptsächlich Lymphdrainagen und Kompressionsstrümpfe. Beides kostet allerdings Geld. „Da hören Sie vom Arzt schon mal ein ,Wieso wollen Sie denn Lymphdrainage, das kommt doch eh wieder‘“, schildert Helma Morganti. Und Neidhard Naujuks bestätigt: „Ständig steht für Betroffene die Frage der Kostenübernahme im Raum.“

Weil sich derartige Probleme besser lösen lassen, wenn sich Betroffene und Angehörige der Heilberufe untereinander austauschen, hat Helma Morganti schließlich 2012 die Lymphselbsthilfe Osnabrück gegründet. Die 50 Mitglieder treffen sich an jedem dritten Mittwoch im Monat um 18.30 Uhr im Haus der Gesundheit an der Hakenstraße 6 (Gruppenraum 21) – das nächste Mal also bereits in dieser Woche, wobei die Gruppe dann ausnahmsweise bereits um 16 Uhr zusammenkommt.

Fachleute kontaktiert

Regelmäßig stehen dort Vorträge etwa über Ernährungsfragen oder über die richtige Pflege der Haut auf dem Programm. Über die Jahre hat Helma Morganti außerdem Fachleute zum Thema kennengelernt, die ihr und der Gruppe mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Einer davon ist Jörg Heckenkamp . Der Professor und Arzt für Gefäßchirurgie am Marienhospital konnte von Morganti dazu gewonnen werden, die wissenschaftliche Leitung des 1. Osnabrücker Lymphsymposiums zu übernehmen. Dadurch ist der Tag auch als Fortbildung für Heilberufe anerkannt.

Fachvorträge mit Fragestellungen wie „Verschiedene Ödemformen – Wann ist eine lymphologische Behandlung indiziert?“ stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Workshops zu Kompressionsbandagierungen oder zum Thema „Sport mit Lymphödem“. Das Symposium ist für 200 Teilnehmer ausgerichtet, die dank mehrerer Sponsoren keinen Eintritt zahlen müssen. Die Gruppe bittet jedoch um Spenden für die Osnabrücker Peter-Jeda-Stiftung.


Das 1. Osnabrücker Lymphsymposium am Samstag, 4. Juli, von 9.30 bis 17 Uhr möchte mit hochkarätigen Referenten für Heilberufe und Betroffene gleichermaßen interessant sein. Die Teilnahme ist kostenlos, eine schriftliche Anmeldung bis Freitag, 27. Juli, ist jedoch erforderlich. Weitere Informationen bietet Helma Morganti telefonisch unter 0541/7604294 oder per E-Mail an morganti1@gmx.de an.

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