VG konkret weitergedacht Ausstellung „Konkret mehr Raum!“ eröffnet

Von Anne Reinert


Osnabrück.   Die Ausstellung „Konkret mehr Raum!“ ist unter großem Publikumsinteresse eröffnet worden. Sie zeigt in drei Museen und im Stadtraum zeitgenössische Installationen, die an das Erbe des Konkreten Künstlers Friedrich Vordemberge-Gildwart anknüpfen.

Im Kirchenschiff nehmen Ausstellungsbeuscher auf Michael Beutlers Bank Platz und lassen Susanne Tunns „Schwimmendes Raster“ auf sich wirken. Die Künstlerin hat die Fliesenfugen im Kirchenschiff der Dominikanerkirche mit Zinn ausgefüllt und so neuen Glanz in die Halle gebracht. Im Felix-Nussbaum-Haus lässt eine Museumsmitarbeiterin zeitweise keine weiteren Besucher ins obere Stockwerk, weil es so voll ist. Und vorm Heger Tor, unter dem Michael Johansson seine Skulptur „Public Square“ errichtet hat, versammelt sich eine ansehnliche Menschentraube.

Die Ausstellung  „Konkret mehr Raum!“  hat bei ihrer Eröffnung am Wochenende viel Neugierde geweckt. Die 20 Künstler knüpfen mit ihren 14 Installationen an das Erbe Friedrich Vordemberge-Gildewarts  an. Schon vor zwei Jahren war mit einer Veranstaltungsreihe  an den Osnabrücker Künstler und Vertreter der Konkreten Kunst erinnert worden. Die von Julia Draganovic, Elisabeth Lumme und Valérie Schwindt-Kleveman kuratierte Ausstellung zeigt sein Gedankengut nun als zeitgenössische Weiterentwicklung. Die Installationen in der Kunsthalle, dem Felix-Nussbaum-Haus, dem Kulturgeschichtlichen Museum sowie am Heger Tor, auf dem Rißmüllerplatz und an der Fassade der Kunsthalle beziehen sich auf ihre Orte und die Architektur.

Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler lobte in ihrer Rede „den Einsatz, die Kreativität und auch den Mut“ der Künstler aus zwölf Nationen. Damit dürfte sie nicht zuletzt auf Michael Johannsons Installation  angespielt haben, die in den Vortagen der Eröffnung für reichlich Diskussion in der Stadt gesorgt hatte. Viele hatten sich darüber geärgert, dass der Weg durchs Heger Tor durch die Aufbauarbeiten behindert war, und konnten zudem wenig mit der Kombination aus historischem Denkmal und moderner Skulptur aus nicht mehr gebrauchten Möbeln anfangen.

Karin Jabs-Kiesler verteidigte die Installation „als der Geschichte des Denkmals entsprechend“. Das Heger Tor, auch Waterloo-Tor genannt, erinnert an die Soldaten dieser Schlacht. Die Alltagsgegenstände von Johanssons Skulptur stünden in diesem Sinne für die Gegenstände der Kämpfer. Die Bedeutung Friedrich Vordemberge-Gildewarts sah Jabs-Kiesler durch die Ausstellung gewürdigt. „Er hätte sich über die Art des Gedenkens gefreut“, ist sie sich sicher. 

Für Friedrich H. Petersmann, Vorstandsmitglied der Sparkasse Osnabrück, war die Zusammenführung der Kunststationen „perfekt“. Er zeigte sich überzeugt, dass die Ausstellung  „über die räumliche und zeitliche Dimension hinweg“ Aufmerksamkeit bekommen werde.

Auch Siegfried Hoffmann freute sich über die Ausstellung. Er hat 2005  die VG-Initiative ins Leben gerufen, die in Osnabrück an Vordemberge-Gildewarts Erbe erinnern will. Die Ausstellung sei „der ultimative Beweis“, dass „zehn Jahre VG-Initiative nicht vergebens waren“, sagte er.

„Konkret mehr Raum!“: bis Sonntag, 13. September, Kunsthalle, Felix-Nussbaum-Haus, Kulturgeschichtliches Museum, Heger Tor, Rißmüllerplatz, Fassade der Kunsthalle.