Neue Töne in der Altstadt Höfe-Fest: Heger-Tor-Viertel wird zur klingenden Flaniermeile

Von Matthias Liedtke


Osnabrück. Als erneut großer Publikumsmagnet erwies sich am Freitagabend das kleine Fest in den Höfen des Heger-Tor-Viertels. Viele verschlafene Orte, die sonst unbevölkert bleiben, wurden von unterschiedlichen Künstlern facettenreich bespielt und belebt.

Passend zum strahlenden Sommerwetter präsentierten etwa die zum ersten Mal als Duo „Von wegen Tabea“ gemeinsam auftretenden Osnabrücker Songwriter Fabian von Wegen und Tabea Mangelsdorf unter den Kastanien auf dem Dach der Altstadt leicht gezupfte und fröhlich gezirpte Lieder auf Englisch, Deutsch und Französisch. Schräg gegenüber und unten im Biergarten der Lagerhalle gab es zwar „Leider nur Frank“. Der diesjährige Gewinner des Singer/Songwriter-Slam führte aber seinen Namen ad absurdum und begeisterte das Publikum mit humorvollen, dabei aber auch tiefsinnig hintergründigen, oft poetischen und mitunter melancholischen, in jedem Fall aber sehr persönlichen Liedern über all das, was in seinem großen Lockenkopf so vor sich geht. Im ansonsten verschlossenen Hof der Superintendentur gab es dagegen klassische Töne. Der zehnköpfige Klarinettenchor unter der Leitung von Allan Ware kredenzte dort mit Instrumenten aller Größen beschwingt ein buntes Potpourri von israelischen Volkstänzen bis hin zum irischen Folk.

Traurige Liebeslieder

Ein sehr versteckter Hof am Ende der Marienstraße war Schau- und Hörplatz für das gefällige Jazz-Pop-Blues-Gemisch des Duos Kleinograph. Das bewährte und beliebte lokale Impro-Theater der Sportfreunde Haseglück wählte den Hinterhof der Alten Fuhrhalterei, um dort nach Vorgaben aus dem Publikum nicht immer treffende Geschichten zu stricken. Die Weintrinkerfraktion bekam ihren Soundtrack im Steinwerkshof an der Bierstraße, wo das auch bei der Blues Company aktive Sedmann Duo aus dezent gezupftem Bass und souligem Gesang teils auch traurige Liebeslieder vortrug, die besonders gut in die Dämmerstunde passten.

Eine ebenso mitreißende wie entspannte mediterrane Abendstimmung verbreitete das Trio Marada bei seinem Premierenauftritt im Atrium vor dem Haus der Jugend. Sängerin Maria di Zio wurde dabei so gefühlvoll mit fein perlender Gitarrenduo-Akustik begleitet, dass es eine sinnliche Freude war.

Welchen Beitrag die Buchpräsentation mit dem reißerischen Titel „Narzissmuss brutal“ der beiden zu Unterhaltungsschriftstellern mutierten Osnabrücker Psychologen Heinz-Gerhard Witte und Holger Schmidt im Hinterhof des Stadtgalerie Cafés zum klingenden Sommerfest leisten sollte, blieb dagegen den meisten Besuchern genauso verborgen wie so manche Ecke der Altstadt. Wenn dort nicht gerade das kleine Fest in den Höfen die Entdeckerfreude stimuliert.