Trommeln gegen schärfere Ayslgesetze Flashmobs in Osnabrück thematisieren Flüchtlingssituation

Von Matthias Liedtke


Osnabrück. Gegen die geplante Änderung der Asylgesetzgebung haben am Samstag zahlreiche Aktionen in der Innenstadt stattgefunden. Mit einem Info-Stand in der Großen Straße und drei Flashmobs auf dem Wochenmarkt, dem Nikolaiort und im Schlossgarten machten unterschiedliche Gruppen darauf aufmerksam, dass die Neuregelungen einen fairen Zugang zum Asylverfahren blockieren und Flüchtlinge systematisch kriminalisieren.

„Wer nicht ertrinkt, wird eingesperrt“, bringt eine bundesweite, von Pro Asyl angeregte Aktionswoche die Folgen der Asylrechtsverschärfung für Flüchtlinge auf den Punkt. Tritt das neue Gesetz wie geplant im Juli in Kraft, können Asylbewerber bereits wegen „unstimmiger Angaben“ in Haft genommen werden. Außerdem sollen die Ausweisungspraxis verschärft und Wiedereinreisesperren eingeführt werden.

Flashmobs über Facebook organisiert

Die Tatsache, dass im Gegenzug das Bleiberecht für bislang nur geduldete Asylbewerber vereinfacht wird, hält Ricarda Wiese als Sprecherin einer Gruppe Studierender am Osnabrücker Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) für einen „Kuhhandel“, mit dem sich die auch unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung legitimierten drastischen Verschärfungen positiv verkaufen ließen. Zumal gerade auch per Gesetz besonders schutzbedürftige unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von der neuen Bleiberechtsregelung ausgeschlossen würden.

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Ihre Mitstreiterin Sara Höweler vom Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge Exil hatte über Facebook erfolgreich die Flashmobs organisiert. So eroberte ein halbes Dutzend Trommler, die der weltweiten Bewegung „Rhythms of Resistance“ angeschlossen sind und im Freiraum Petersburg jeden Dienstag proben, aus allen Ecken sternförmig den Marktplatz, um sich in dessen Mitte mit rund 40 weiteren Teilnehmern zu treffen.

Unterschriften gesammelt

Zunächst für einen ausgelassenen gemeinsamen Tanz, der die Freude über die gelungene Flucht und das Ankommen ausdrücken sollte. Die wurde aber schnell getrübt, als die Trommelschläge plötzlich bedrohlicher und sie eingekesselt wurden. Diese eindringliche szenische Darstellung der drohenden Abschiebung wurde von einigen Passanten, an die Info-Flyer verteilt wurden, mit verhaltenem Applaus bedacht.

Für den anschließenden Trommel-Zug über den Wochenmarkt wurde ein großes Banner entrollt, auf dessen Vorderseite „Willkommen in Deutschland“ stand. Angesichts der geplanten Asylrechtsverschärfung ist das Ironie. Deshalb war auf der Rückseite auch zu lesen: „Flucht ist kein Verbrechen“. „No Border, No Nation, Stop Deportation“ tönte es dann noch über den Markt, wo sich der Gegenwind für die Aktion auf jenen buchstäblichen des Wetters beschränkte. Ganz im Gegenteil konnten sogar zahlreiche Unterschriften gegen den neuen Gesetzesentwurf gesammelt werden.

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