Verkehrspolitische Fahrradtour ADFC und Politiker klappern Osnabrücker Fahrrad-Risikopunkte ab


Osnabrück. Nach mehreren tödlichen Fahrradunfällen im Jahr 2014 lädt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) nun regelmäßig zur verkehrspolitischen Fahrradtour durch Osnabrück. Am Freitag trafen sich ADFC-Mitglieder, Politiker und interessierte Bürger, um ein knappes Dutzend riskanter und für Radfahrer unangenehmer Stellen abzufahren.

Große Gildewart/Abzweigung Bierstraße

Wenn es nach dem Osnabrücker ADFC geht, würde die Bierstraße in Zukunft als Fußgängerzone ausgewiesen werden. Die erste Problem-Station auf der verkehrspolitischen Fahrradtour ist gleich eine, die dem Fahrradclub besonders am Herzen liegt: „Wenn man aus der Großen Gildewart kommt, kann man durch die auf beiden Seiten parkenden Autos kaum etwas sehen“, sagt der ADFC-Vorsitzende Uwe Schmidt.

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Die Straße sei außerdem zu schmal für Gegenverkehr und würde abends von vielen Autos entgegen der Fahrtrichtung genutzt werden. „Wenn das vorkommt, fahre ich mit dem Rad auch mal mitten auf der Straße“, meint Stadtbaurat Frank Otte. „Ich setze mich da durch, aber ich bin da auch wohl kein Maßstab.“ Ob die Bierstraße eine Fußgängerzone werden könne, wolle er prüfen lassen.

Bierstraße/Rißmüllerplatz

Die nächste Station ist der Rißmüllerplatz, angefahren von der Bierstraße. Hier bemängelt der ADFC parkende Autos auf Sperrstreifen, außerdem müsse der Radfahrer zwei Fahrspuren des „Mischverkehrs“ kreuzen; schließlich sei die Grünphase stadtauswärts mit 15 Sekunden viel zu kurz. Der Fahrradclub fordert eine stärkere Kontrolle der Autos durch das OS-Team, außerdem solle schon frühzeitig eine Geradeausspur für Radfahrer eingerichtet werden. Die Grünphase würde nach Wunsch des ADFC auf 15 Sekunden verlängert werden.

Pagenstecherstraße

Weiter geht die Tour über die Natruper Straße zur Pagenstecherstraße, wo der Fahrradclub vor allem eines bemängelt: den viel zu schmalen Radstreifen.

„Man kann die Radwege eigentlich nur breiter machen, wenn man den Parkstreifen wegmacht“, sagt Stadtbaurat Otte. Ratsmitglied Ingo Dauer (CDU) erkennt darin kein so großes Problem: „Hier hat ja praktisch jedes Grundstück einen eigenen Parkplatz.“

Ein Problem sieht der ADFC auf der Pagenstecherstraße an der Abzweigung zum Fahrradgeschäft B.O.C. „Hier ist keine gefahrlose Überquerung möglich, weil die Querungshilfen zu weit entfernt sind“, sagt der Vorsitzende Uwe Schmidt. Radfahrer seien deshalb an dieser Stelle oft als Fußgänger unterwegs. 

Römereschstraße

Nächster Halt: Die Römereschstraße an der Abzweigung zur Winkelhausenkaserne. Auch hier kann die Straße nicht einfach überquert werden, weil etwa eine Linksabbiegerspur fehlt. Mit Blick auf den neu angelegten Weg, der in die Winkelhausenstraße fehlt, sagt Uwe Schmidt: „Ein schöner Weg, den man ja auch gerne benutzen würde. Aber wie kommt man von diesem Hochbordradweg herunter?“ Hier kann der Stadtbaurat sofort für Beruhigung sorgen. „Das Stück hier wird komplett umgebaut, danach ist das kein Problem mehr.“

Kreuzung Römereschstraße/Vehrter Landstraße/Hansastraße

An der Kreuzung von Römereschstraße, Vehrter Landstraße und Hansastraße meldet sich dann sofort Ratsherr Volker Bajus (Grüne) zu Wort: „Dieses Anforderungsgrün muss verschwinden.“ Mit „Anforderungsgrün“ meint Bajus, dass die Fußgänger oder Radfahrer an der Ampel drücken müssen, um Grün zu bekommen. Bis das an dieser Stelle geschieht, dauert es allerdings eine Ewigkeit - das bemängelt auch der ADFC. Gewünscht wird deshalb ein Radfahrstreifen in Fahrtrichtung Vehrter Landstraße. 

Vehrter Landstraße/An der Nette

Der Fahrradclub kritisiert außerdem die Radwegführung an der Vehrter Landstraße auf Höhe des Weges An der Nette. „Der Radweg ist zu schmal für eine zweiseitige Nutzung“, sagte Uwe Schmidt. Er wünscht sich eine Querverbindung von der Bramstraße über ein der Stadt gehörendes Grundstück zum Weg An der Nette. „Damit könnten sich die Haster den gefährlichen Umweg entlang der und über die Hansastraße ersparen.“

Hansastraße/Bramscher Straße

Als Nächstes fährt die ganze Gruppe dann von der Hansastraße in die Bramscher Straße - vom Radweg aus. „Ich hätte mich hier einfach vorher in den Verkehr eingeordnet und wäre dann links abgebogen“, sagt Stadtbaurat Otte, der ja allerdings schon zu Beginn der Radtour bekundet hatte, dass er sicher nicht als Maßstab gelten kann. Der ADFC ist jedenfalls der Meinung, dass Ottes präferierter Fahrweg nicht gefahrlos möglich ist, da es zu viel Gegenverkehr gebe, der wegen der Kurve das vor ihm liegende Straßenstück auch nur schlecht einsehen könne.

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Bramscher Straße

Bei der Fahrt über die Bramscher Straße fällt dann jedem auf, was der Fahrradclub beim späteren Halt an der Ecke Hansastraße/Mühleneschweg als Problem benennt: Die Fahrbahn ist in einem sehr schlechten Zustand. An der Abzweigung von der Wachsbleiche zur Hansastraße beklagt der ADFC einen „Buckelradweg“ und wünscht sich eine ebene Fläche mit sogenannten Hochfahrbordsteinen für den querenden Autoverkehr.

Stadtbaurat Otte sagt, dass man ein ähnliches Problem auch an der Rheiner Landstraße und der Lotter Straße habe. „Eine angehobene Abbiegerspur kann man eigentlich nur an verkehrsberuhigten Bereichen einrichten.“ Man prüfe allerdings derzeit, wie man sich hier zum Wohl der Radfahrer über die Rechtslage hinwegsetzen könne. „Das Wichtigste ist aber sicher eine vernünftige Straßenoberfläche“, sagt CDU-Ratsherr Ingo Dauer.

Hansastraße/Bramscher Straße Teil 2

An der Überquerung der Hansastraße, von der Bramscher Straße kommend, moniert der ADFC-Vorsitzende Schmidt eine „Bettelampel“. Heißt: Bis es grün werde, würde es ewig dauern - die Grünphase sei dann aber nur fünf Sekunden lang.  

Erich-Maria-Remarque-Ring

Beim Linksabbiegen in den Erich-Maria-Remarque-Ring bemängelt der Fahrradclub, dass Radfahrer auf ihrer Spur von abbiegenden Fahrzeugen - insbesondere von Lkw - bedrängt und zum Teil geschnitten werden. Der Vorschlag: An dieser Kreuzung sollten Radfahrer nicht links abbiegen können und stattdessen die Überquerung über den Wall nutzen - bei einer verlängerten Grünphase einer impulsgesteuerten Ampel. 

Lohstraße

Letzter Konfliktpunkt der Radtour ist die Lohstraße. Auf Höhe der Altstadtgarage würden Radfahrer häufig behindert, weil Autos sich gegenseitig behinderten. Um dieses Problem zu lösen, solle es in Zukunft nur noch eine Zufahrt über die Straße Klingensberg geben. 

Zurecht bemerkt wird außerdem, dass ausgerechnet am Ausgang der Lohstraße zur Bierstraße, wo niemals ein Lkw fahren würde (oder dürfte), ein Plakat mit der Aufschrift: „Achtung: Toter Winkel“ hängt. Stadtbaurat Otte sagt dazu, dass die zuständige Firma die Plakate „in einem festen Rhythmus klebe und ein festes Kontingent habe, das einfach verteilt werde.“ 

Nach knapp 80 Minuten ist die verkehrspolitische Fahrradtour dann beendet. In etwa einem halben Jahr soll die Veranstaltung zum nächsten Mal stattfinden, dann werden andere Risikopunkte abgefahren.

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