Fotomontage an der Bever Grenzübergreifende Windkraft-Kritik in Glandorf


Glandorf. Da sitzt sie, die Skulptur an der Bever und genießt offenbar den stillen Blick auf Fluss, Acker und Grün. Was sie künftig vom Hocker hauen könnte, zeigt eine Fotomontage der Windkraft-Kritiker: Rotorblätter im Rücken. Das geplante Windvorranggebiet in Sudendorf lockte am Donnerstag auch die nordrhein-westfälischen Nachbarn an den Grenzfluss.

So starr die Skulptur auch scheint, sie gab den entscheidenden Schubser. Der Unterhaltungsverband Hase-Bever hatte sie an der Bever platziert , um auf den aufwendig renaturierten Grenzfluss und das Zusammenspiel von Mensch und Natur aufmerksam zu machen. „Wir hängen an genau dieser Natur“, sagen Anwohner, die wissen, dass im Rücken der Skulptur ein Windpark entstehen könnte. „Zeit zum Lauschen, Beobachten und Träumen“ wird dem halben Mann zugeschrieben.

Fotomontage mit Skulptur

Dem haben die Kritiker nun mit einer selbst erstellten Fotomontage ein dickes Fragezeichen entgegengesetzt. Bleibt es lauschig, wenn Rotorblätter kreisen und Anlagen blinken? „Wir haben Zweifel“, sagte Christel Steinhorst, eine Sprecherin der Kritiker. In Detailarbeit haben sie Karten, Abstände und Rechtsgrundlagen auf Infotafeln zusammengetragen, um Bürger aufzuklären.

4 Wochen Offenlage

Die Gemeinde hat ihre Anpassungspflicht erfüllt und die Pläne des Landkreises genau unter die Lupe genommen. „Das RROP lässt kaum Luft zum Atmen“, sagte Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann in der zurückliegenden Ratssitzung. Ziel des Kreises ist es, der Windkraft „substanziell Raum zu geben“, unter anderem auf vier Flächen in Glandorf. Das geplante Gebiet an der Bever konnte bisher weder aus Artenschutz- noch aus Denkmalschutzgründen gestrichen werden. „Wir haben keine Argumente“, hieß es im Rat, der einstimmig für die Offenlage plädierte. Vier Wochen lang (bis zum 15. Juli) können noch einmal Einwendungen vorgebracht werden.

Der Rote Milan und die Rohrweihe – Vögel, die das Gebiet kippen könnten – seien oft gesehen worden, sagen die Anwohner. Die Jägerschaft hat Fotos gemacht. Zu belegen, dass im Gebiet auch gebrütet wird, ist schwierig. „Wir wollen das Blatt noch wenden“, sagte ein Kritiker.

Nachbarn aus NRW üben Kritik

Auch aus den nordrhein-westfälischen Nachbargemeinden hatten sich Kritiker auf den Weg zu „Kunst und Gegenkunst“ an der Bever gemacht. Alle Kreise gehen bei den Planungen von Windkraftanlagen gern an die Landesgrenzen. Problematisch wird es nur dann, wenn in den Bundesländern unterschiedliche Standards gelten. Sassenberger und Füchtorfer hatten zuletzt im Glandorfer Rat angemerkt, dass 800 Meter Abstand zu Glandorf eingehalten wurden. Im Gegenzug setzt der Landkreis Osnabrück im Außenbereich nur 500 Meter an. Das sorgt für Unmut.

Kunst sitzt – und schweigt

Bauanträge für Anlagen in Sudendorf liegen noch nicht vor. „Jeder muss am Ende selbst entscheiden, ob er unterschreibt, wenn die Projektierer anklopfen“, sagte Steinhorst. „Aber alle sollen gut informiert sein.“ Immer noch gebe es Ahnungslose. „Der Kerl lässt sich nichts anmerken“, sagte ein Kritiker und zeigt auf die Skulptur. „Ob er wohl schwarzsieht für unser Gebiet?“ Die Kunst sitzt – und schweigt.


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