Radtouren in der Region (11) Auf dem Weg nach Wellendorf kocht plötzlich die Straße



Osnabrück. Immer dem grünen Schild der Teuto-Senne-Tour folgt dieser Rad-Ausflug von Osnabrück zum Wellendorfer Bahnhof. 32 Kilometer und einiges an Steigungen später, kann der Radwanderer in Wellendorf mit der Nordwestbahn zurückfahren.

Vor ordentlichen Steigungen hatte Heinz Wüppen bei seiner „Radfahr-Blütentour“ von Osnabrück nach Wellendorf gewarnt. Was der Realschullehrer trotz seiner akribischen Vorarbeit seiner sechs Touren „von Bahnhof zu Bahnhof“ nicht ahnen konnte: Wir werden heute auf glühenden Kohlen laufen und uns durch wild wachsende Büsche schlagen müssen. Mit dem Rad, wohlgemerkt.

Aus Osnabrück hinaus

Zunächst radeln wir entspannt aus Osnabrück hinaus. Vorbei an der Kleingartenanlage „Deutsche Scholle“, wo wir unseren Mitfahrer Jörg Zander auflesen. Der Diplom-Biologe interessiert sich an unserem ersten Stopp, dem Gut Sutthausen , aber weniger für den schönen Bauerngarten als vielmehr für die Kunst von Volker-Johannes Trieb, der wir in der Parkanlage überall begegnen. Am Eingang des Kleintierzoos mahnt Heinz Wüppen: „Jetzt aber absteigen und schieben“. Schwester Willehada, die die Anlage pflegt und gerade einen Stall säubert, hat aber gar keine Zeit, nach uns zu schauen. „Termine, Termine“, schnauft sie. Wir haben viel Zeit und radeln gemütlich weiter Richtung Hasbergen, immer dem Schild der Teuto-Senne-Tour nach bis zur Gedenkstätte Augustaschacht .

Es geht bergauf

Ab hier ist es vorbei mit dem gemütlichen Radeln: Es geht bergauf. Hinter dem Augustaschacht müssen wir rechts unter der ehemaligen Bahnüberführung hindurch. Gut, dass Heinz Wüppen das weiß: An dieser Stelle fehlt das Teuto-Senne-Schild. Wir fahren hinein in den Wald der Hüggelschlucht. Es könnte so schön sein: der Wald, die Stille, die gute Luft – aber nichts da. Wald ja, Stille und gute Luft: nein. Von vorne und von hinten kommen Autos und sogar Lkw, mit denen wir uns diese idyllische Wald-Straße teilen müssen. Manches Mal steigen wir freiwillig ab und lassen die Autos passieren. Ein Walker erklärt uns schließlich, woran das liegt: „In Hasbergen ist eine Straße gesperrt, viele nutzen diesen Weg als Abkürzung.“

Die Straße kocht

Wir verlassen den Wald, ohne zu Schaden gekommen zu sein, und fahren Richtung Hagen weiter. Plötzlich kocht unter uns die Straße. Es dampft und stinkt von unten. Hätten wir die Straßenbau-Absperrung ein paar hundert Meter zuvor vielleicht doch nicht einfach ignorieren sollen? Wir springen von den Rändern und retten uns an die Böschung. Vor uns steht ein Teerwagen, unter uns liegt die frisch geteerte Straße. „Hier geht’s nicht weiter“, erklärt ein Arbeiter. Es sei denn, wir wollten unsere Schuhsohlen und die Reifen versengen.

Wollen wir nicht. Also bricht Jörg Zander auf zur Exkursion. Er schlägt sich mitsamt Rad rechts in die Büsche und verschwindet hinter einer Kuppe. Weg ist er. Ob er wohl wiederkommt?

Hochschieben ist angesagt

Nein. Dafür aber klingelt Wüppens Handy: „Ihr könnt den Berg hochschieben, man kommt auf der anderen Seite wieder runter“, meldet unser Abenteurer. Wir schieben und keuchen hoch, bahnen uns den Weg an einem Feld entlang durch die Sträucher und sehen in der Ferne tatsächlich unseren Mitradler. Noch ein bisschen gestolpert und getrampelt, die Räder gehoben und geschoben, dann haben wir wieder festen – und nicht qualmenden – Asphalt unter den Füßen.

Ohne ungeplante Umwege folgen wie den Hinweisschildern den Amtsweg hinauf zum Grenzstein und schauen ins Holperdorper Tal. Hier stoßen die Gemeinden Hagen, Lienen und Bad Iburg aneinander, hier ist die Grenze zwischen Westfalen und Niedersachsen. Die Landschaft passt dazu: Rechts blicken wir hinunter Richtung Westfalen, ab dort ist die Landschaft platt. Links geht es hoch nach Niedersachsen. Ein fantastischer Blick, ein fantastischer Ort zum Rasten – und keine Bank!

Nach Bad Iburg

Wir fahren auf der Teuto-Senne-Tour weiter Richtung Bad Iburg, durch den Wald und hinunter in den Heilkurort mit seinem markanten Schloss. Die Schilder weisen uns den Weg durch Iburg – ein Zickzackkurs, wir müssen gut aufpassen. An der Wassertretstelle am Wanderparkplatz stoppen wir nur kurz und fahren dann den alten Forstweg in den Staatsforst Palsterkamp hinein. Noch neun Kilometer nach Wellendorf.

Der Weg ist asphaltiert und, anderes als zuvor an der Hüggelschlucht, autofrei. Wir können also in Ruhe die Landschaft und das Vogelgezwitscher genießen. An einer Stelle weckt ein großer Bilderrahmen unsere Neugier: Er ermöglicht einen ganz eigenen Blick in den Wald, der an dieser Stelle zum Naturwald Großer Freeden werden soll, also sich selbst überlassen wird.

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Das interessiert den Diplom-Biologen Zenker sehr, kann ihn aber nicht daran hindern, uns mitten im Wald zu verlassen: Er will sich seinen eigenen Weg durch den Wald zurück nach Osnabrück suchen. Ein Abenteurer eben. Wir fahren weiter bis zur Hauptstraße und dort weiter zum Bahnhof Wellendorf.

19 Minuten mit der Bahn

Hier könnten wir jetzt in die Bahn einsteigen und wären, nach drei Stunden Radwandern und einigen kleinen und großen Hügeln in den Beinen, in 19 Minuten ganz steigungsfrei wieder in Osnabrück. Könnten wir. Machen wir aber nicht. Wir werden westwärts von Wellendorf zurückfahren. Aber das ist wieder eine andere Tour.


Diese Tour ist gut 32 Kilometer lang und führt auf der Route der Teuto-Senne-Tour von Osnabrück nach Hagen und Bad Iburg Richtung Wellendorf. Vor Wellendorf zweigt die Teuto-Senne-Tour allerdings ab Richtung Kloster Oesede und Oesede. Die Tour hat einige knackige Steigungen oder längere Anstiege, man sollte sich Zeit nehmen für die 32 Kilometer. Sie führt durch schöne Wälder und hat mit Gut Sutthausen, dem Augustaschacht, dem Grenzstein am Holperdorper Berg und Bad Iburg mit vielen Besichtigungspunkten sowie der Wassertretstelle außer Natur noch einiges zu bieten.

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