„Konkret mehr Raum“ Osnabrücker Kunstprojekt: Wichtige Vorarbeit der Assistenten

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Es wird gehämmert und geschraubt, gegossen und geklebt: An drei Orten der Innenstadt entstehen im Rahmen des Kunstprojekts „Konkret mehr Raum“ zurzeit aufwendige Bauten und Installationen. Da die Künstler auf versierte Mitarbeiter angewiesen sind, wurden in der Osnabrücker Kunstszene Assistenten akquiriert. Wir schauten Sina Lichtenberg, Birgit Kannengießer, Robert Stieve und Frank Gillich über die Schultern.

Sina Lichtenberg hockt im Kirchenschiff der Kunsthalle. In der Hand hält sie einen Klumpen Ton, den sie zu kleinen Würstchen formt, die sie dann in die Fugen zwischen den einzelnen Bodenfliesen drückt. „Das ist eine notwendige Vorarbeit, damit Bildhauerin Susanne Tunn hier ihren Werkstoff verarbeiten kann“, sagt Lichtenberg.

Sie selbst ist bildende Künstlerin, seit einiger Zeit aber auch im Team der Kunsthalle. Also war es selbstverständlich, dass sie beim Ausstellungsprojekt „Konkret mehr Raum“ mit anpacken würde. Tunns Arbeit besteht darin, den betagten Bodenfliesen, die zum Teil gebrochen oder an den Kanten abgesplittert sind, mit Zinn nahe zu rücken.

Sie gießt das verflüssigte Metall auf die Fugen des Fußbodens, sodass ein riesiges, silbrig leuchtendes Raster entsteht. „Das vorherige Abdichten der Fugen mit Sand und Ton war nötig, damit das Zinn nicht in die Fugen hineinlaufen kann. So kann das Metall nach dem Ende der Ausstellung problemlos abgehoben, abtransportiert und wiederverwertet werden“, sagt Lichtenberg. Es erscheint wie eine zeitraubende Sisyphusarbeit, die die Künstlerinnen in der Abgeschiedenheit der säkularisierten Kirche näherbringt. (Weiterlesen: Kunst am Heger Tor: 2004 gab es das schon einmal)

Ähnliches erlebt Birgit Kannengießer. Seit Tagen ist sie damit beschäftigt, das von der deutsch-italienischen Künstlerin Diana Sirianni vorproduzierte Fotomaterial im v-g-Raum des Felix-Nussbaum-Hauses zu drapieren. Da die Osnabrückerin selbst großformatige Monotypien herstellt, die filigranes Arbeiten erfordern, ist sie die richtige Frau am richtigen Platz. „Ich habe mir, bevor das Projekt startete, die Arbeiten von Diana Sirianni genau angeschaut und konnte ihre Arbeitsweise gut nachvollziehen“, sagt Kannengießer.

Vor Ort stellte sich heraus, dass die beiden Künstlerinnen ausgezeichnet zusammenpassen: „Wir arbeiten Hand in Hand. Sicherlich bin ich Dianas Assistentin, aber mittlerweile fragt sie schon mal, wie wir bestimmte Teile der Installation am besten positionieren können.“

Aber was sagen Robert Stieve und Frank Gillich? Sie schrauben gemeinsam mit dem schwedischen Objektkünstler Michael Johansson die Möbelinstallation „Public Square“ am Heger Tor zusammen. „Klar, das hätten auch Handwerker machen können, aber wir als Bildhauer haben ein anderes räumliches Denken. Das vereinfacht die Sache“, sagt Stieve. Und Gillich ergänzt: „Was unsere eigenen Skulpturen angeht, arbeiten wir ganz anders. Aber die Kooperation mit Johansson ist eine interessante Herausforderung. Sie ermöglicht es, unseren eigenen bildhauerischen Standpunkt zu definieren.“