Gratisangebot für Bedürftige Osnabrücker Jurastudenten bieten Rechtsberatung an

Von Sebastian Stricker

Jurastudenten der Universität Osnabrück bieten ab Juli 2015 eine Rechtsberatung für Bedürftige an – kostenlos und unverbindlich. Echte Anwälte passen auf. Foto: Colourbox.deJurastudenten der Universität Osnabrück bieten ab Juli 2015 eine Rechtsberatung für Bedürftige an – kostenlos und unverbindlich. Echte Anwälte passen auf. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Sie sind die Nachwuchs-Anwälte der Armen: Jurastudenten der Universität Osnabrück bieten ab Juli 2015 eine Rechtsberatung für Bedürftige an. Das Angebot ist kostenlos und unverbindlich. Echte Anwälte passen auf.

Vielen Menschen, die sozial benachteiligten Gruppen angehören, widerfahre im Alltag oft Unrecht, heißt es in einer Mitteilung der Universität Osnabrück. Unsicherheit, Fehlvorstellungen und Angst vor entstehenden Kosten würden dabei dem Gang zum Anwalt häufig im Weg stehen. Mit dem Projekt „Rechtsberatung für Bedürftige“ soll diese Hürde genommen werden.

„Im Vordergrund steht es, Rechtsschutzmöglichkeiten im Wege der Beratungs- und Prozesskostenhilfe aufzuzeigen und über das zugrunde liegende Rechtsproblem zu informieren“, erklärt Initiator Dominik Kreke vom Fachbereich Rechtswissenschaften. Thematisch gebe es keine Einschränkungen. „Die Leute können mit allen Problemen zu uns kommen, von der Vertragskündigung bis zum Nachbarschaftsstreit.“ Los geht es im Juli: Ab dann haben Bedürftige an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat die Möglichkeit, in den Räumen der Diakonie Osnabrück (Lohstraße 11) von 14 bis 16 Uhr ganz unbürokratisch eine kostenlose und unverbindliche Rechtsberatung zu erhalten.

Erfindung aus Amerika

Die Idee stammt ursprünglich aus den USA. Dort sind „Law Clinics“ seit den 1960er-Jahren fester Bestandteil der Juristenausbildung. In Deutschland war juristische Beratung ohne Anwaltszulassung bis 2008 weitgehend verboten. Ein Gesetz aus der Zeit des Nationalsozialismus hinderte Jurastudenten daran, schon vor dem Examen beruflich tätig zu werden. Dies ist in gewissen Grenzen erst möglich, nachdem ein neues Rechtsdienstleistungsgesetz den Vorkriegsparagrafen ablöste.

Mittlerweile bieten immer mehr deutsche Hochschulen studentische Rechtsberatungsstellen an. Die meisten – derzeit knapp 30 – sind im Bundesverband Studentischer Rechtsberater (BSRB, Göttingen) organisiert. Auf dessen Internetseite heißt es: „Die studentische Rechtsberatung bringt Leben in den juristischen Ausbildungsalltag der Studenten und bezieht eine klare Position gegenüber dem Elfenbeinturm der rein theoretischen Jurisprudenz.“

Kontrolle durch Volljuristen

Ein Ansatz, der auch den Rechtsreferendar Dominik Kreke überzeugte. Vor einem Dreivierteljahr begann er damit, in Osnabrück eine studentische Rechtsberatung speziell für Bedürftige aufzubauen –nun steht der Start kurz bevor. „Der Bedarf ist da“, glaubt Kreke. Eine Handvoll Jurastudenten habe bereits Interesse bekundet, zwei Rechtsanwälte sagten ihre ehrenamtliche Teilnahme fest zu. Die Volljuristen werden die Sprechstunden persönlich begleiten. So können sie etwa bei Fragen eingreifen, die das Wissen der Anfänger übersteigen, oder Fachanwälte vermitteln. (Weiterlesen: Jurastudent aus Osnabrück erhält Wissenschaftspreis)

Unterstützt wird das Projekt vom Verein Tafel Osnabrück, der Arbeitslosenhilfe Osnabrück und der Diakonie Osnabrück. Überall dort soll „mit Plakaten, Mundpropaganda und Handzetteln“ auf das Angebot hingewiesen werden. Ein Nachweis der Bedürftigkeit, etwa durch den amtlichen Osnabrück-Pass, sei nicht notwendig, erklärt Dominik Kreke. Auch auf eine Anmeldung werde bewusst verzichtet.

Teilnehmer gesucht

Wer sich der studentischen Rechtsberatung in Osnabrück anschließen möchte, kann sich per E-Mail an Dominik Kreke wenden. Voraussetzung für Jurastudenten: Sie müssen mindestens im vierten Semester sein.