Berlin plant Steuer zur Mülleindämmung Pappbecher-Steuer: Kriegen Osnabrücker ihren Kaffee im Thermobecher?

Von Jörg Sanders

Dieses Bild soll eine Steuer auf Einwegbecher in Berlin verhindern. Foto: dpaDieses Bild soll eine Steuer auf Einwegbecher in Berlin verhindern. Foto: dpa 

Osnabrück. Berlin erwägt eine Steuer von bis zu 20 Cent auf Pappbecher für „Coffee to go“. Der Grund: zu viel Müll. Die einfache Lösung: Thermobecher. Aber könnten die Osnabrücker ihren Kaffee überhaupt im eigenen Becher mitnehmen, wenn sie es wollten?

Auf diese Frage gab es bei fast allen angefragten Unternehmen erst einmal keine Antwort – und einige Betriebe blieben eine zugesicherte Antwort auch nach mehr als einer Woche schuldig. Der eigene Becher zur Müllvermeidung: Er scheint in Osnabrück noch die Ausnahme zu sein.

Bei den angefragten Betrieben herrschte lediglich bei Starbucks sofort Klarheit. Das Unternehmen fülle seine Kaffeespezialitäten seit vielen Jahren auf Wunsch in Thermobecher der Kunden ab, bestätigte eine Unternehmenssprecherin unserer Redaktion – auch in der Filiale am Kamp. „Darüber hinaus bekommen unsere Kunden 30 Cent Rabatt, wenn sie ihren eigenen Becher mitbringen“, ergänzte die Sprecherin.

Großbäckereien bleiben Antwort schuldig

Sehr viele Pappbecher dürften bei den Bäckereien über die Ladentheke gehen. Und dennoch: Bei den großen Betrieben in Osnabrück scheinen Thermobecher die Ausnahme zu sein. Coors, Brinkhege und Wellmann wollten das Thema vor einer offiziellen Stellungnahme zunächst intern klären; doch zugesicherte Antworten blieben auch nach mehr als einer Woche aus. Nicht anders bei Tchibo: Auch die angefragte Konzernzentrale meldete sich nicht – wie angekündigt – zurück. Bis vor wenigen Jahren war es jedenfalls nicht möglich, Kaffee im eigenen Becher bei Tchibo zu erhalten. „Aus hygienischen Gründen“, erklärte ein Sprecher.

Steuer wäre schädlich fürs Geschäft

Anders beim Coffee-Bike. Dort können Kunden ihre Kaffeespezialitäten in eigene Becher abfüllen lassen, versicherte Geschäftsführer Tobias Zimmer unserer Redaktion. „Das ist möglich, und wir begrüßen diese Lösung.“ Mit seinen Franchisepartnern diskutiere das Unternehmen Möglichkeiten zur Müllreduzierung. „Einige von unseren Partnern nehmen beispielsweise ein Becherpfand in Höhe von 50 Cent, der bei Rückgabe erstattet wird“, sagte Zimmer. Andere Franchisenehmer gäben ihren Kunden einen Rabatt, wenn diese einen eigenen Thermobecher mitbringen. Diese Anreize sind ganz im Sinne des Unternehmens. Denn: „Eine solche Steuer [auf Pappbecher, Anm.d.Red.] wäre für unser Geschäftsmodell extrem schädlich“, sagte Zimmer. Vielmehr wünsche er sich eine engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik.

Auch bei der Fruitbar in der L+T-Markthalle, die Säfte und Smoothies anbietet, können Kunden einen eigenen Becher mitbringen.

Becher ein Problem in Osnabrück?

Sind Pappbecher in Osnabrück überhaupt ein Problem? Ja, zumindest teilweise, bestätigte Katrin Hofmann vom Osnabrücker Servicebetrieb unserer Redaktion. „Das gilt aber nicht nur für Pappbecher, sondern für alles, was mitgenommen werden kann“, sagte Hofmann. Besonders viel Müll dieser Art falle an beliebten Aufenthaltsorten wie dem Schlossgarten und Harmannsbrunnen an.

6,5 Milliarden Becher

Der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zufolge fallen in Deutschland jährlich 6,5 Millionen Pappbecher an. Übereinandergestapelt wäre der Berg 600.000 Kilometer hoch. Die DBU empfiehlt eigene Thermobecher – oder zumindest kompostierbare Einwegbecher. Sie verbrauchen weniger Ressourcen und Energie. Wegen der Berge an Pappbechern erwägt die Koalition aus CDU und SPD in Berlin einer Steuer von bis zu 20 Cent auf Pappbecher, um die Müllberge einzudämmen.

Sind Sie für eine Steuer auf Pappbecher? Stimmen Sie unterhalb dieses Artikels ab!


1 Kommentar