Bilanz 2014 Klinikum Osnabrück: Das Minus wird kleiner

Klinikum Osnabrück. Foto: Klaus LindemannKlinikum Osnabrück. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Das Klinikum Osnabrück hat 2014 mit einem Minus von 6,5 Millionen Euro abgeschlossen. Das Ergebnis ist damit um 1,5 Millionen Euro besser als geplant.

Ein Arzt würde dem Klinikum Osnabrück attestieren: Der Gesundheitszustand des Patienten hat sich in den vergangenen Monaten gebessert. Die Medikamente und Therapien zeigen Wirkung. Der Patient arbeitet intensiv an der eigenen finanziellen Genesung mit und wird das Krankenbett wahrscheinlich 2016 verlassen können.

In Zahlen ausgedrückt: 2014 schloss die städtische Tochtergesellschaft mit einem Minus von 6,5 Millionen Euro ab. Das klingt dramatisch, ist vor dem Hintergrund der jüngsten Geschichte aber eher ein Hoffnungszeichen. Denn ursprünglich hatte Geschäftsführer Frans Blok mit einem Minus von acht Millionen Euro kalkuliert. Die Pleite der Klinikum-Tochter in Dissen schlägt sich in der Bilanz 2014 des Mutterhauses mit zwei Millionen Euro nieder. Dabei handelt es sich um Wertberichtigungen für interne Forderungen gegen das Klinikum Dissen, die nie bezahlt wurden. Bereinigt um den Sondereffekt Dissen steht damit unterm Strich des operativen Geschäfts ein Minus von 4,5 Millionen Euro. Ziel für das laufende Jahr ist es, das Defizit um weitere zwei Millionen Euro zu reduzieren. Frans Blok geht davon aus, dass 2016 die schwarze Null in greifbare Nähe rückt.

„Die Menschen vertrauen unserer medizinischen Kompetenz“

Das Krankenhaus steigerte nach Bloks Angaben den Umsatz um 6,5 Millionen Euro auf rund 144 Millionen Euro. Die Zahl der Patienten stieg von 27000 in 2013 auf 28700 in 2014. Hinzu kommen etwa 60000 Patienten, die ambulant behandelt wurden. In diesen Zahlen spiegelt sich auch die Veränderung in der Krankenhauslandschaft der Region: Dissen steht sei Oktober leer, und das Bramscher Krankenhauses, wo im September 2014 die Chirurgie geschlossen wurde, richtet sich neu aus. Frans Blok sieht aber auch die Anziehungskraft des Klinikums gewachsen: „Die Menschen vertrauen unserer medizinischen Kompetenz.“

Zugleich sei es gelungen, Prozesse zu optimieren, zusätzliche Erlöse zu generieren und Kosten zu sparen – durch „Kos-Work“. In dem von Blok initiierten Projekt sammeln Mitarbeiter verschiedener Abteilungen Ideen, die die Arbeit effektiver machen können. Über 140 Projekt wurden bislang angestoßen. Beispiel: Um den Materialverbrauch in den Operationssälen zu senken, wird geprüft, welche Hilfsmittel wieder aufbereitet und ein weiteres Mal genutzt werden können. Der Versuch läuft.

Längere Arbeitszeiten oder Gehaltsverzicht?

Ein großer Baustein im Sanierungswerk fehlt aber noch: der Beitrag der Mitarbeiter. In den kommenden vier Jahren sollen die Beschäftigten auf jährlich fünf Millionen Euro verzichten in Form von Lohneinbußen, Mehrarbeit, weniger Urlaub oder anderen Mitteln zur Senkung der Personalkosten. Die gleiche Summe – 20 Millionen Euro in vier Jahren – will die Stadt der Klinikum GmbH zur Stärkung des Eigenkapitals zuschießen. Vorausgesetzt, die Mitarbeiter ziehen mit. Die Gespräche mit dem Marburger Bund (für die angestellten Ärzte) und der Gewerkschaft Verdi laufen. Die Ärzte sind offenbar bereit, sich mit längeren Arbeitszeiten einzubringen, Verdi favorisiert eher einen finanziellen Beitrag. Wichtig ist den Arbeitnehmervertretern der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und eine Garantieerklärung der Stadt, dass das Klinikum langfristig in städtischer Trägerschaft bleibt.

Geschäftsführer Frans Blok macht keinen Hehl daraus, dass er die Zeit-Komponente als Sanierungsbeitrag der Belegschaft bevorzugen würde. „Zeit ist wertvoller als Geld“, so Blok. Denn das Klinikum könnte mehr Patienten behandeln, wenn es mehr Personal vor allem in der Pflege gäbe. Nach dem Umzug der Neurologie in das neue Zentrum für Geriatrie und Neurologie sind zwei Stationen frei geworden, die Platz für 50 Betten bieten. 25 Pflegestellen müsste das Klinikum zusätzlich besetzen, um dieses Potenzial nutzen zu können. Die Absolventen der klinikeigenen Akademie stehen erst im September zur Verfügung. „Aber sie können eine Station auch nicht komplett mit jungen Absolventen führen“ sagt Blok.


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