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„Public Square“ entsteht Das Heger Tor wird „vermöbelt“ – Passanten zu Michael Johanssons Werk


Osnabrück. Noch wird fleißig an Michael Johanssons „Public Square“ vor dem Heger Tor gebaut. Was sagen die Passanten zu dem entstehenden Kunstwerk? Wir haben sie gefragt.

Es wächst was am Heger Tor. Michael Johanssons „Public Square“, Teil des Ausstellungsprojektes „Konkret mehr Raum“ der Kunsthalle, nimmt Formen an. Schränke, Kommoden und Küchenteile bilden einen Bogen unter dem Durchgang des Heger Tors nach. Fertig ist das Ganze noch nicht. Vielmehr arbeiten Johansson und zwei weitere Künstler, die ihm assistieren, millimetergenau an dem Werk weiter. (Weiterlesen: In Osnabrück entsteht „Konkret mehr Raum“)

Passanten werden auf einem Schild vor und hinter dem Tor gebeten, einen kleinen Umweg zu machen, statt den Durchgang zu nutzen. Nicht jeder hat Verständnis. Vor allem am Samstag habe es Ärger gegeben, berichtet Kuratorin Elisabeth Lumme. Viele seien wütend gewesen, weil die Möbel den Weg durch das Tor versperrten. Einige hätten sich beruhigen und erklären lassen, was das alles soll. (Weiterlesen: „Konkret mehr Raum“: Kuratorinnen erläutern Projektidee)

Andere, erzählt Elisabeth Lumme, hätten aber auch kein Einsehen gezeigt. Künstler Johansson spricht von einem „Fifty-fifty“-Verhältnis. Einige Leute seien sehr aufgeschlossen, andere würden das Ganze für unnötig halten.

Inzwischen hat sich die Situation beruhigt. Weiterhin bleiben Passanten stehen und gucken neugierig zu. Nicht alle wissen, was los ist. Etwa Sigrid Hermann, die früher in Osnabrück gelebt hat, jetzt aber nur für einen kurzen Besuch da ist. Wird das Heger Tor etwa immer noch renoviert, fragt sie beim Anblick von Containern und Baugerüst. Andere haben schon von dem Kunstwerk gehört und fragen sich höchstens, warum das Heger Tor „vermöbelt“ wird.

Die Bauteile regen die Passanten aber auch zum Nachdenken an. Eine Frau studiert das noch unfertige Werk aufmerksam und fragt sich, ob es um die Wegwerfmentalität gehe. „Kunst im öffentlichen Raum finde ich gut“, sagt sie. Schließlich fördere sie die Kommunikation.

Sehr angetan zeigt sich Richard Baylis, der mit seinem Fahrrad vorm Tor anhält. „Das ist mal etwas anderes in Osnabrück“, lobt er das Werk.

Auch Walter Barczak hat nichts dagegen einzuwenden. Er kommt jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit durchs Heger Tor. Zwar habe er schon neckisch gefragt, ob das eine Einbauküche oder ein Kunstwerk werden soll, berichtet er. Doch eigentlich findet er es gut und ist gespannt, „Public Square“ im Ganzen zu sehen.

Auch Peter Lüssenheide kommt jeden Tag vorbei. Er schießt Fotos, um den fortschreitenden Bau zu dokumentieren. Ein endgültiges Urteil will er erst fällen, wenn alles fertig ist, fragt sich aber, warum die Möbel zugeschnitten würden statt sie so, wie sie sind, aufzutürmen.

Aber auch direkte Ablehnung gibt es. „Ich verfolge das mit Entsetzen“, sagt Dieter zur Heide, der kurz stehen bleibt. Er und seine Frau Sieglinde können mit der Kombination aus historischem Tor und moderner Kunst nichts anfangen. Vielleicht, kritisiert Sieglinde zur Heide, solle das eine Art der Möbelentsorgung sein.

Die benachbarten Geschäftsleute dagegen haben nichts gegen das Werk. Walter Blom, Inhaber der Polstermanufaktur Beziehungen, findet, dass Kunst ihren Raum braucht. Als Behinderung sieht er die Arbeiten am Tor nicht.

Mehr Sorgen macht es Walter Blom, wenn bald mal die Altstadt neu gepflastert wird. Das werde die Geschäfte rund ums Heger Tor unzugänglich machen. Für das Kunstwerk gelte das nicht. (Weiterlesen: Kunst am Heger Tor: 2004 gab es das schon einmal)


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