Euregio Musikfestival Junge Philharmonie Osnabrück und Leonard Rees

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Bühne und Zuschauer beim Euregio Musikfestival in der Hochschulaula. Foto: PentermannBühne und Zuschauer beim Euregio Musikfestival in der Hochschulaula. Foto: Pentermann

Osnabrück. : Bernstein, Dvořák, Brahms, so das Programm der Jungen Philharmonie Osnabrück und ihres Dirigenten Chrsistopher Wasmuth. Gemeinsam mit Jung-Cellist Leonard Rees beendete das Orchester die 20. Ausgabe des Euregio Musikfestivals.

Der Auftakt zum Abschluss bedeutet ordentlich Zunder: Das Euregio Musikfestival ging am Wochenende mit zwei Konzerten der Jungen Philharmonie Osnabrück zu Ende, und die hatte zu Beginn Leonard Bernsteins Ouvertüre zu „Candide“ auf das Programm gesetzt. Turbulenter kann man kaum starten, denn bei Bernstein wirbelt so einiges in buntem Rausch durcheinander.

Ganz reibungslos, so viel muss man wohl zugeben, läuft das Stück bei der Jungen Philharmonie zwar noch nicht durch. Doch es sind verzeihliche Details, an denen es hakt, denn diese Ouvertüre steckt voll heikler Stellen und fordert große Virtuosität vom ganzen Orchester.

Mit Spannung durfte man den zweiten Leonard im Programm erwarten: Leonard Rees aus Georgsmarienhütte als Interpret des Cellokonzerts von Antonin Dvoraks oder, um es anders zu formulieren, des größten Traums wohl aller Celloschüler. Unvorstellbar, dass es nicht auch der von Leonard Rees sein sollte, und indem der sich diesen Traum nun mit 17 Jahren erfüllte, verteidigte er zugleich wieder einmal seinen Ruf als begabter Bursche.

Er hat überhaupt keine Mühe, mit seinem Ton die Aula der Hochschule zu füllen, auch wenn die ansonsten so stumpf klingt wie ein Eierkarton. Und er denkt gar nicht daran, bei virtuosen Stellen das Tempo zu drosseln. Das hat er allerdings auch nicht nötig, und so tritt er gerade dort, wo es technisch knifflig wird, ordentlich aufs Gaspedal. Christopher Wasmuth hat am Pult zuweilen Mühe, mit seinem Orchester bei dieser Beschleunigung mitzuhalten. Bei den lyrischen Stellen im ersten Satz hingegen, da nimmt sich Leonard Rees viel Zeit, sie breit auszusingen.

Die Junge Philharmonie Osnabrück erreicht nicht ganz das fabelhafte Niveau ihres Auftritts vom letzten Jahr, als sie ebenfalls das Euregio Musikfestival beendete. Das nicht unkomplizierte Zusammenspiel knirscht hier und dort, läuft gar kurz vor Schluss fast aus dem Ruder. Doch solche Patzer stehen unmittelbar neben wunderbar berührenden Passagen, am Schluss zum Beispiel mit dem Solisten, der Konzertmeisterin und den Bläsern.

Insgesamt begleitet das Orchester aufmerksam. Es gibt vermutlich kaum ein Stück, in dem die Geigen so viel pausieren wie in Dvoraks Cellokonzert, dafür dürfen die Bläser immer wieder in Dialog mit dem Solisten treten, und diese musikalischen Dialoge gelingen ausgezeichnet. Die rundere und geschlossenere Leistung gelingt der Jungen Philharmonie dennoch in der ersten Symphonie von Johannes Brahms, die nach der Pause auf dem Programm steht. Man könnte hier mit Recht eine gewisse Schwere erwarten und dunkle Farben, die Junge Philharmonie Osnabrück hingegen spielt lebhaft und eher hell gefärbt.

Die ziemlich flotten Tempi werden, wie auch schon im zweiten und dritten Satz bei Dvorak, relativ straff durchgezogen. Die Aufführung verliert dadurch zwar an Nuancen, gewinnt aber an Energie. Einzig der dritte Satz und der Beginn des vierten werden etwas entspannter angegangen, bevor das Finale wieder stark vorwärtsdrängt. Das Ganze ist, um einen Vergleich zu bemühen, eher Norrington als Furtwängler. Übrigens: Solist Leonard Rees lässt es sich nicht nehmen, bei Brahms schon wieder im Tutti mitzuspielen.


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