Radtouren in der Region (10) Zur „Stadt hinter der Bahn“ im Osten von Osnabrück

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ix Osnabrück. Radeln, nicht rasen, das ist das Motto der Radwanderführungen von Stadt-Land-Führungen Osnabrück. Dass die 21 Kilometer zur Stadt hinter der Bahn am Ende dreieinviertel Stunden dauern, liegt aber nicht nur am gemütlichen Tempo und den vielen informativen Stopps.

„Jeder fährt auf eigene Gefahr“, hat Detlef Götting am Treffpunkt Radstation am Hauptbahnhof angekündigt. Aber natürlich hat der Radwanderführer dennoch ein Auge auf seine bunt gemischte 18-köpfige Truppe, wenn es steil den Berg hinauf, ebenso steil und stufig den Berg wieder hinunter, an Bombenkratern vorbei oder lange Steigungen hinauf geht. Damit niemand zurückbleibt, wird Radler Ulrich Janßen per Leibchen flugs zum „Besenwagen“ ernannt. Er trägt es mit Fassung: „Ich scheuche die Leute vor mir her.“

Industrieanlagen und Stadtentwicklung sind das Oberthema dieser Tour, deren Höhepunkt und Abschluss Panoramablicke auf Osnabrück sein sollen. Doch zunächst einmal radeln wir den Haseuferweg zur alten Hauptverwaltung des Stahlwerkes. Unterwegs applaudieren uns ein paar junge Leute, die an der Hase picknicken. Mit ihrem „Hei, weiter so!“ kommen sich die Radler doch ein wenig vor wie bei der Tour de France.

Beinahe das E-Werk vergessen

Detlef Götting hat inzwischen festgestellt, dass er glatt das ehemalige Elektrizitätswerk vergessen hat. Also fahren wir ein Stück zurück und sehen rechts die Osnatel-Arena liegen, die in seliger Sommerpause ruht. Über ein sehr schlechtes Kopfsteinpflaster kommen wir endlich zum Elektrizitätswerk, wo Götting von der Industriegeschichte und vom „Eisernen Ring“, nämlich der Eisenbahn, die die Stadt im Nord-Osten und im Süd-Osten umschloss, erzählt. Weiter geht es zur Arbeitersiedlung an der Liebigstraße. Wir schieben durch die 1924 errichtete Anlage, um die Bewohner nicht zu stören. Danach jagt uns Götting einmal auf den Klushügel, um uns das Denkmal von Senator Gerhard Friedrich Wagner zu zeigen. Anschließend umrunden wir die Osnatel-Arena und stoppen auf der Schellenbergbrücke. In der Sonne glitzern unter uns, soweit das Auge reicht, die Autos auf den Waggons.

Zum Wasserwerk in Düstrup

Vorbei an Baumärkten, Bauunternehmern und Bau-Königen, passieren wir im Wohngebiet einen Vater mit seiner kleinen Tochter. Er bringt ihr gerade Fahrradfahren bei. Vielleicht geht sie in einigen Jahren auch mal auf Radwandertour. Auf der Wasserwerkstraße mischen wir uns mit einer anderen Truppe und müssen schauen, dass wir beieinander bleiben. Am Wasserwerk Düstrup lauscht eine Anwohnerin interessiert Göttings Erklärungen. Mitfahren will sie aber nicht.

Auf dem Weg zum Gut Sandfort wird die gemütliche Truppe von einem leicht aggressiv blickenden Rennradfahrer überholt. Wir fahren langsam, es geht bergauf. Detlef Götting gibt Nachhilfe: „Schalten Sie in den ersten Gang. Und jetzt nicht reden, sondern atmen.“ So erreichen wir alle irgendwann die Brüningsquelle.

Jetzt geht’s bergauf

Warnend hebt Götting den Zeigefinger: Wir sind am „Schiebeweg“ angekommen. An der Brüningsquelle und Langkamp führt links hinter der Schiebwiese und den Häusern der Weg hoch in den Wald hinein. Steil bergauf, auf unebenem Grund, über Wurzeln und, weiter oben, an Bombenkratern vorbei. „Passen Sie gut auf. Zur Not schiebe ich Ihnen auch Ihr Rad hoch“, erklärt Götting. Wir kommen alle herauf bis zum alten Ablaufgebäude der ehemaligen Sommerrodelbahn. Mit zitternden Knien und kurzatmig, aber immerhin.

Eingeschränktes Panorama

Von dort zum Trinkwasserhochbehälter sind es nur wenige Meter, die wir aber auch schieben. Dann biegen wir auf den Kammweg Schölerberg ab zur ersten schönen Aussicht auf Fledder. Zumindest wäre es eine schöne Aussicht, wenn die wild wachsenden Bäume es denn zuließen. „Noch zwei Jahre, dann sieht man von hier gar nichts mehr“, kritisiert ein Mitfahrer. Gleiches gilt für den zweiten Panoramablick über Josefs- und Lutherkirche: Vom Panorama bleibt, wenn alles so weiter wächst, nur noch ein Mini-Blick übrig.

Die steilen Stufen, die wir die Räder bergab balancieren mussten, haben wir ebenfalls ohne Unfall geschafft. Ab jetzt geht es nur noch hinunter, über Am Riedenbach, Miquelstraße, Teutoburgerstraße, Wörthstraße, Stahlwerksweg, Franken- und Hamburgerstraße und unter der Eisenbahnstraße zurück zum Hauptbahnhof.

Drei Radler biegen vorher schon ab und machen sich auf den Weg nach Hause. Den Rest bringt Detlef Götting ebenfalls wohlbehalten ans Ziel.


Stadt-Land-Führungen Osnabrück bietet offene geführte Touren zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem Rad an. Einzige Ausnahme ist die „Hauptbahnhofsführung mit Stellwerksbesichtigung“, zu der man sich anmelden muss. Die hier beschriebene Tour „Zur Stadt hinter der Bahn“ ist 21 Kilometer lang, dauert etwa 2,5 Stunden und führt über Straßen, aber auch über unwegsames Gelände bergauf. Die nächste Tour „Zur Stadt hinter der Bahn“ startet am Sonntag, 27. September, um 13.30 Uhr ab Radstation Hauptbahnhof. Hier eine detaillierte Tourenbeschreibung: Von der Radstation am Hauptbahnhof über Eisenbahnstraße bis zur Liebigstraße. Weiter durch die Arbeitersiedlung bis zum Klushügel. Über Bohmter Straße und Oststraße bis zum Haseuferweg. Nächstes Ziel ist das Wasserwerk in Düstrup (über Schellenbergbrücke, Piärkamp, Am Huxmühlenbach und Hettlicher Masch). Die Wasserwerkstraße führt Richtung Gut Sandfort. Dann Meller Landstraße, Am Riegelbusch, Am Mühlenkamp und Waldfrieden bis zur Brüningsquelle. Über Langekamp bis zum Kammweg Schölerberg, später Richtung Josephs- und Lutherkirche. Zurück zur Radstation über Am Riedenbach, Miquelstraße, Teutoburgerstraße, Wörthstraße, Stahlwerksweg, Frankenstraße und Hamburger Straße.

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