Scharfes Profil Oliver Kern beim Euregio-Festival in Bad Iburg

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Große Namen wie Mozart, Beethoven und Schubert standen auf Oliver Kerns Programm. Foto: Egmont SeilerGroße Namen wie Mozart, Beethoven und Schubert standen auf Oliver Kerns Programm. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Oliver Kern war im Rahmen des Euregio Musikfestivals zu Gast in Bad Iburg. Auf seinem Programm standen die ganz großen Namen: Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms und Ravel.

Oliver Kern beginnt mit Mozart, mit sehr unbekannten Variationen über ein Thema von Paisiello. Zum Warmspielen? Von wegen! Das Stück ist zwar kurz, hat’s aber in sich, ist virtuoser als das meiste in Mozarts Klaviersonaten. Oliver Kern bringt bei seinem Euregio- Musikfestival -Auftritt im Iburger Schloss perlend brillantes Passagenwerk auf die Tasten – und er kostet die Stimmungen intensiv aus.

Das bleibt auch so. Beethovens Sonate op. 10/3 beginnt er kraftvoll und mit sehr plötzlichen Akzenten, doch vor allem im traurigen und ausgedehnten langsamen Satz versucht er, alles an Ausdruck aufzubieten. Die Melodie gestaltet er sehr frei, wie einen Gesang. Sehr intensive Deutung strebt Oliver Kern auch an im Scherzo, das hier dem Namen nach noch ein Menuett ist, und im Finale. Die Tempi sind grundsätzlich eher gemäßigt, ziemlich frei wiederum, mit Verzögerungen, Betonungen überall, weniger leicht als gewohnt. Das treibt er so weit, dass man schon ein wenig den Fluss vermissen kann, den er bei Mozart noch hatte. Fast beiläufig trudeln die letzten Klänge aus.

Eine Auswahl aus Brahms’ Walzern op. 39 steht als Nächstes an, die beginnt er mit einer gewissen Schwere, trotz der kurzen Artikulation. Der wohl bekannteste dieser Walzer, der in As-Dur, ist weniger sentimental, weniger schmalzig, als man ihn oft hört. Auf jeden Fall verleiht Oliver Kern jedem der sechs ausgewählten Walzer ein scharfes eigenes Profil.

Nach der Pause gibt es Schubert und Ravel. Die Schubert’schen Moments musicaux spielt Oliver Kern, bei aller Differenzierung, insgesamt eher sanft, nicht allzu flott, etwas ruhig und bedächtig. Längst nicht so profiliert wie die Brahms-Walzer erscheinen die sechs einzelnen Stücke. Ob das „heftige Allegro“ (Oliver Kern) an fünfter Stelle wohl noch heftiger geklungen hätte, wenn statt Schubert der Name Beethoven drüber stünde?

Das „spektakulärste Werk“ (wieder Kern) kommt zum Schluss: Maurice Ravels „La Valse“. Da grummelt und brodelt es ziemlich hart im Bass, das Walzerthema ist bei Oliver Kern eindeutig nicht mehr elegant, sondern recht zornig. „La Valse“ ist spektakulärer als die übrigen Stücke, weil es ein echter virtuoser Kracher ist. Oliver Kern donnert drauf los, brilliert mit Geläufigkeit und steigert das ganze zum Ende hin fast brachial zu einem Sturm.


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