Jubiläumsfeier in Osnabrück IMIS-Gründer fordert UN-Konferenz zu Flüchtlingen

Als Kulisse für die Jubiläumsfeier diente das Osnabrücker Schloss. Im Festsaal dankten die Gäste dem Gründungsdirektor Klaus J. Bade (dritter von rechts). Foto: Elvira PartonAls Kulisse für die Jubiläumsfeier diente das Osnabrücker Schloss. Im Festsaal dankten die Gäste dem Gründungsdirektor Klaus J. Bade (dritter von rechts). Foto: Elvira Parton

svm/epd Osnabrück. Der Osnabrücker Migrationsforscher Klaus J. Bade hat angesichts wachsender Flüchtlingsströme und Tragödien auf dem Mittelmeer eine UN-Weltkonferenz zu Migration, Flucht und Asyl gefordert. Bade war Gründungsdirektor des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), dessen 25-jähriges Bestehen mehr als 300 Gäste am Freitag in Osnabrück feierten.

Zwar gebe es keine Patentlösungen. Aber die Staaten müssten sich „um praktikable Ergebnisse am größtmöglichen Tisch“ bemühen, verlangte der emeritierte Geschichtsprofessor. Auf nationaler wie europäischer Ebene taktierten die Politiker und gingen diplomatisch vor, so Bade. Ihm zufolge führt das dazu, dass sich Politikverdrossenheit anstaut. Am Ende könnte sie einen „Dammbruch verursachen und damit parlamentarische Demokratie und Europäische Union insgesamt gefährden“.

Bade kritisierte außerdem eine „unterlassene Hilfeleistung beim Massensterben im Mittelmeer“. Mit Begriffen wie „Sozialtouristen, Scheinasylanten und Wirtschaftsflüchtlingen“ eröffneten Medien und Politiker fahrlässig Wege „von Unworten zu Untaten“. Daneben gibt es Bade zufolge aber auch die gesellschaftliche Forderung nach einer Flüchtlingspolitik, die die massenweise Selbstgefährdung beim illegalen Überqueren des Mittelmeeres unnötig mache. Zuwanderern, die in Europa gebraucht würden und entsprechend qualifiziert seien, müssten legale Zugangswege eröffnet werden.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoguz, dankte Bade während des Festakts für seine Pionierarbeit als Gründungsdirektor des IMIS. Genauso wie vor 25 Jahren werde auch heute öffentlich sehr emotional über das Thema Migration diskutiert. Dazu bilde das IMIS mit seiner sachlichen Forschung einen Gegenpol, lobte Özoguz. Ihr als Migrationspolitikerin lieferten unter anderem die Osnabrücker Wissenschaftler Daten und Fakten, mit denen sie ihre Argumente belegen könne. Zudem gingen vom IMIS regelmäßig Weckrufe aus, die festgefahrene politische Debatten wieder belebten und die Menschen aufrüttelten.

Die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt lobte in ihrem Grußwort ebenfalls die wissenschaftliche Leistung des IMIS. Das Institut leiste einen Beitrag für das friedliche Zusammenleben der Menschen, so die Politikerin.

Wie viel Potenzial noch in dem Forschungsfeld Migration steckt, machte der aktuelle IMIS-Direktor Andreas Pott deutlich. Wanderungen innerhalb von Ländergrenzen seien beispielsweise kaum erforscht. Seine Studierenden lobte der Direktor anlässlich der Verabschiedung der diesjährigen Absolventen für ihr enormes politisches Engagement.