Raster aus Zinnlinien im Kirchenschiff Werk von Susanne Tunn für die Kunsthalle Osnabrück

Von Dr. Stefan Lüddemann

Kurz vor ihrem Umzug: Susanne Tunn im Juli 2014 im Alten Bahnhof in Alfhausen. Foto: Michael GründelKurz vor ihrem Umzug: Susanne Tunn im Juli 2014 im Alten Bahnhof in Alfhausen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Was wird in der Ausstellung „Konkret mehr Raum“ in der Kunsthalle Osnabrück zu sehen sein? Susanne Tunn realisiert ein Raster aus feinen Metalllinien.

Die Bildhauerin Susanne Tunn hatte ihr Atelier bis zum August 2014 in Alfhausen bei Osnabrück. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Wittmannsdorf bei Berlin. Für zwei Wochen kehrt sie jetzt nach Osnabrück zurück, um ab Montag, 1. Juni 2015, ihren Ausstellungsbeitrag in der Kunsthalle zu realisieren. Wie die Künstlerin auf Anfrage sagte, will sie mit ihrer Arbeit auf die Kunsthalle als Ort reagieren. „Mich interessiert vor allem der Boden, der ja ansonsten wenig beachtet wird“, sagte Susanne Tunn. Ihr Projekt: Sie will die Fugen zwischen den Bodenplatten mit flüssigem Zinn ausgießen und so den Boden der Ausstellungshalle mit einem Netz feiner, leuchtender Linien überziehen. Ihr Werk würde damit den Ausstellungsort und seine bauliche Struktur neu sichtbar machen.

Susanne Tunn hat bis 2014 im Osnabrücker Land gelebt und gearbeitet. Lesen Sie hier das Feature zu der Künstlerin und ihrer Arbeit.

„Es soll eine zarte Arbeit werden“, sagt Susanne Tunn. Mächtig ist allerdings das Material. Gleich fünf Tonnen Zinn wird die Künstlerin vor Ort einschmelzen und verarbeiten. Das Metall wird ihr den Angaben zufolge von einer Dresdner Hütte zur Verfügung gestellt. Das Zinn komme aus Dortmund, werde in Osnabrück für das Kunstprojekt verwendet und nach Ende der Ausstellung an den Hüttenbetrieb in Dresden weiter geliefert. „Ich leihe das Zinn nur aus“, kommentiert Tunn diesen Weg der Materialbeschaffung für ein Kunstprojekt. Die Künstlerin hat bereits Erfahrung mit dem Material Zinn. 2009 realisierte sie für das Skulpturenprojekt „Colossal“ auf einem Bauernhof in Ostercappeln-Schwagstorf bei Osnabrück eine Bodenarbeit aus geschüttetem Zinn.

Susanne Tunn war 2009 mit zwei Projekten an der Skulpturenausstellung „Colossal“ beteiligt. Wie war diese Ausstellung? Hier der Rückblick in einer Ausstellungsrezension.

Wie das Kunstwerk in der Kunsthalle aussehen wird, will Tunn allerdings erst vor Ort wirklich entscheiden. Zinn sei als Material „stark und dicht“, im flüssigen Zustand allerdings auch „sehr schnell“. Ohnehin müssen nach den Worten der Künstlerin noch die Fugen überprüft und gegebenenfalls mit Ton abgedichtet werden. Trotz aller offenen Fragen hat Susanne Tunn ihre künstlerische Vision: Das 400 Quadratmeter große Kirchenschiff soll mit dem Zinnraster wie mit einem leuchtenden Teppich überzogen sein. Mit der Ausstellungseröffnung von „Konkret mehr Raum“ am 13. Juni 2015 kann der Besucher überprüfen, ob dies auch gelungen ist.

Das Wahrzeichen der Ausstellung „Konkret mehr Raum“ wird wahrscheinlich die „Gildewart Line“ von Pedro Cabrita Reis. Lesen Sie hier den Vorbericht zur Lichtinstallation.