Satz für die Ewigkeit: Ich bin schwul Klaus Wowereit erhält Rosa-Courage-Preis in Osnabrück

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Osnabrück. Mit dem Traum davon, dass die Menschen „einander achten und ehren in ihrer Unterschiedlichkeit“ beendete Klaus Wowereit seine Dankesworte für den Rosa Courage Preis. „Manchmal werden Träume schließlich wahr“, sprach der ehemalige Regierende Bürgermeister Berlins seine Hoffnung aus.

Zum 37. Mal findet in Osnabrück „Gay in May“ statt. Und zum 24. Mal wurde während der schwul-lesbischen Kulturtage der Rose Courage Preis verliehen. Wobei Frank Meyer und Benjamin Rottmann vom Verein Gay in May mitteilten, dass sich die Veranstaltung nicht allein an Schwule und Lesben, sondern an alle anderen Lebensformen richte. Eine Namensänderung sei nicht ausgeschlossen.

„Gay in May“ gehöre zur Friedensstadt Osnabrück, betonte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, zugleich Schirmherr der Veranstaltungsreihe, bevor er auf Wowereits „Satz für die Ewigkeit“ einging. 2001, bei der Bewerbung für das Amt des Regierenden Bürgermeisters hatte der Sozialdemokrat klar gemacht: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so!“

Tabubruch

Das sei ein Tabubruch mit ungewissem Ausgang gewesen, sagte Jörg Steinert vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, der als Überraschungslaudator für „Wowi“ eingeladen worden war. Wowereit habe vielen Menschen Kraft gegeben. Unter ihm sei in Berlin der Kampf gegen Homophobie ernst genommen worden. Osnabrück hätte „keinen besseren Preisträger“ finden können als ihn.

Wowereit selbst fand außer launigen auch sehr ernste Worte, unter anderem für die Bundesregierung. Nach dem Votum Irlands für eine Gleichstellung der Ehe sei es nun an der Bundesregierung die im Grundgesetzt verankerte Gleichberechtigung durchzusetzen: „Politik muss handeln und nicht darauf warten, dass Gerichte etwas vorschreiben“, sagte Wowereit unter großem Applaus im voll besetzten Friedenssaal.

Schimpfwort „Schule Sau“

Nach einem kleinen Schlenker zur Diskussion um Bestechung bei der FIFA und einer nicht viel besseren UEFA („Die haben mich bestochen: Wenn das Champion League Finale in Berlin stattfinden soll, dann steuerfrei“) ging Wowereit auf die Homophobie im Fußball ein. Es gehe nicht um das Coming Out hoch bezahlter Fußballstars, sondern um den Fußball in tausenden kleinen Vereinen in Deutschland. Wenn auf dem Platz, in den Kabinen und auf Schulhöfen „Du schwule Sau“ noch immer das meist genutzte Schimpfwort sei, „wie soll sich dann ein junger Mensch zu seiner sexuellen Orientierung bekennen?“ Es bleibe die Hoffnung auf gelebte Toleranz in Deutschland und in der ganzen Welt.

Die Feierstunde im Friedenssaal wurde musikalisch begleitet von Hannah Marie Heuking und David K. Ehlers.


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