Seit den Sechzigern in der Georgstraße Das Glockenspiel der Osnabrücker Firma Kolkmeyer


Osnabrück. Jeder, der hin und wieder über die Große Straße geht, hat wahrscheinlich schon einmal das Glockenspiel gehört, das an der Fassade des Juweliers Kolkmeyer in der Georgstraße angebracht ist. Zur vollen Stunde ertönt eine Melodie, die schon von Weitem zu hören ist und den ein oder anderen Passanten innehalten und kurz lauschen lässt. Doch seit wann gibt es das Glockenspiel eigentlich und wie genau funktioniert es?

Es ist 12 Uhr auf der Großen Straße bei der Georgstraße in Osnabrück: Wie gewohnt ertönen die Glocken an der Fassade des Juweliers Kolkmeyer und spielen eine bekannte Melodie. Einige Passanten bleiben kurz stehen und lauschen dem Glockenspiel, andere suchen die Quelle der Musik. Ein kleines Mädchen schaut fasziniert auf die Glocken und fragt, wie das eigentlich funktioniert.

Gebaut von Firma aus Melle

Insgesamt 16 Glocken erklingen regelmäßig zur vollen Stunde mit einem Lied und alle Viertelstunde mit einer kurzen Klangfolge. Und das schon seit vielen Jahren. „Anfang der 60er-Jahre hat mein Vater das Glockenspiel bei der Firma Korfhage & Söhne aus Melle in Auftrag gegeben“ erzählt Dirk Kolkmeyer, der Geschäftsführers des „Hauses der Weltzeituhren“. Die Glocken wurden in den Niederlanden gefertigt, da die dortigen Hersteller zu dieser Zeit eine bessere Klangqualität lieferten. Konzipiert und gebaut wurde das Glockenspiel dann vom Meller Unternehmen Ed. Korfhage & Söhne, das bereits seit dem 19. Jahrhundert Turmuhren und Glockenspiele fertigt.

Die 16 kleinen und großen Glocken werden über ein elektrisch betriebenes Schlagwerk zum Klingen gebracht. Über eine Papierrolle, in die Einstanzungen vorgenommen wurden, wird die Melodie auf das Glockenspiel übertragen. Der Juwelier hat verschiedene Rollen, auf denen mehrere Lieder eingestanzt sind. Diese werden dann passend zu den verschiedenen Jahreszeiten gespielt.

Breites Repertoire

Das Repertoire reicht von klassischen Weihnachtsliedern wie „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ bis hin zu Liedern für den Frühling, Sommer, Herbst und Winter. „Leider haben wir keine große Auswahl mehr, da es diese Technik heute nicht mehr gibt und wir auf bestehende Rollen zurückgreifen müssen“, sagt Dirk Kolkmeyer.

Über ein kleines Klavier kann das Glockenspiel aber auch direkt bespielt werden, allerdings braucht man dazu einen sehr erfahrenen Musiker, da die Töne zeitversetzt erklingen.

Nahezu wartungsfrei

Das Glockenspiel hängt seit rund 50 Jahren an der Fassade des „Hauses der Weltzeituhren“. Damit der Klang der Glocken so schön bleibt, wie er ist, müssen sie regelmäßig geschmiert werden. Auch die Mechanik und Elektrik wird immer wieder geprüft. Ansonsten ist die Musikanlage nahezu wartungsfrei. Deshalb wird sie sicherlich auch in Zukunft mit ihren klagvollen Melodien die Passanten auf der Großen Straße erfreuen.


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