„Viele stimmen Migration zu“ Osnabrücker IMIS feiert sein 25-jähriges Bestehen

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Mit seiner fächerübergreifenden Forschung hat sich das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück seit Ende der 80er-Jahre einen Namen gemacht. Die Studien seiner Wissenschaftler zeigen, dass Deutschland eine Einwanderungsgesellschaft und Migration in allen Lebensbereichen präsent ist.

Vielseitig ist seine Forschung, einzigartig seine Herangehensweise. Eine Kombination, mit der sich das IMIS über die deutschen Grenzen hinaus einen Namen gemacht hat. 2015 feiert das Institut sein silbernes Jubiläum, obwohl die Anfänge seiner Gründung sogar schon in den Achtzigern liegen. Nur langsam habe sich das Wort Migration damals in Deutschland etabliert, sagte Andreas Pott, Direktor des IMIS, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Davor sprachen die Menschen von Auswanderern, Immigranten und der Ausländerforschung.“ Aus dem englischen Raum kam der Begriff Migration schließlich auch nach Deutschland.

Deutschland als Einwanderungsgesellschaft

„Unser Land war schon immer eine Einwanderungsgesellschaft“, stellt Jochen Oltmer fest, der zum Vorstand des IMIS gehört. Doch mit der Auswanderungsbewegung aus der DDR, der Auflösung der Sowjetunion und einer riesigen Anzahl von Flüchtlingen aus Osteuropa gewann das Thema immer mehr an Bedeutung. Eine Zeit, in der auch der Historiker Klaus Bade die Brisanz des Themas erkannte. Er gründete im Juni 1989 den „Arbeitskreis Migrationsforschung und Interkulturelle Studien“ an der Osnabrücker Universität. Hier wollten die Wissenschaftler interdisziplinär, also fächerübergreifend, an die Thematik herangehen und ihre Forschungen miteinander verknüpfen. Nur zwei Jahre später wurde daraus offiziell das Forschungsinstitut gegründet.

Migration soll präsenter werden

Doch warum feiert das IMIS dann erst Ende Mai 2015 sein 25-jähriges Bestehen? „Wir waren uns bei der Terminierung nicht sicher“, gesteht Oltmer. „Zwischen 1989 und 1991 ist hier in Osnabrück wahnsinnig viel passiert.“ Also entschloss sich der Vorstand für die goldene Mitte. Schließlich habe es das Institut bereits 1990 gegeben, fügt Oltmer hinzu.

Der Historiker kennt die Forschungseinrichtungen seit ihren Anfängen. Dem Team sei es in all den Jahren darum gegangen, Migration präsenter zu machen. „Wir wollen der Gesellschaft zeigen, dass Migration kein Ausnahmetatbestand ist und die unterschiedlichsten Lebensbereiche betrifft.“

15 Disziplinen forschen für das IMIS

Heute forschen 15 verschiedene Disziplinen für das IMIS, darunter Erziehungswissenschaften, Geografie, Geschlechterforschung und Kunstgeschichte. Sie zeigen damit, dass Migration nicht nur aus sprach- oder politikwissenschaftlicher Perspektive betrachtet werden kann. Mehrmals im Jahr werden in den Zeitschriften des IMIS Aufsätze und Forschungsberichte aus den unterschiedlichen Themenfeldern publiziert.

In Andreas Potts Studentenzeit sah das noch anders aus. In seiner Fachrichtung Geografie hätten nur wenige den Schwerpunkt ihrer Abschlussarbeiten auf Migration gelegt. Heute würden sich viele Studenten damit beschäftigen.

Studenten aus ganz Deutschland

So wurden zwischen 1995 und 2005 im Graduiertenkolleg „Migration im modernen Europa“ rund 50 Doktoranden ausgebildet. Seit dem Wintersemester 2004/05 zieht zudem der Masterstudiengang „Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen“ immer mehr Studenten aus ganz Deutschland an. „Für den Masterstudiengang mit 30 Plätzen erhalten wir jährlich 300 Bewerbungen, das Graduiertenkolleg mit fünf Plätzen wird von mehr als 80 Leuten nachgefragt“, sagt Oltmer nicht ohne Stolz, „wir können uns die Besten aussuchen“.

Menschen stimmen der Migration zu

Frische Gedanken und neue Wissenschaftler tun jedem Institut gut. Mit dem Fokus auf der Ausbildung der Jugend fördere das IMIS seine eigene Entwicklung und verhindere, selbst zu verkrusten. Ein fortschrittliches Verhalten, welches sich Pott und Oltmer auch von Politik und Medien wünschen. Während die Politik das Thema Migration aus Angst vor dem Wähler kleinhalten würde, sei Medien nur an einer Ad-hoc-Berichterstattung gelegen. Dabei sei Migration kein plötzliches Ereignis, sondern betreffe Deutschland schon seit Jahren. Das zeige vor allem die Reaktion der Bevölkerung. „Natürlich gibt es Abwehr, aber viele Menschen stimmen der Migration zu“, sagt Oltmer und verweist auf die Siebziger- und Achtzigerjahre der alten Bundesrepublik. Hier habe sich die Politik sehr restriktiv gegenüber dem Thema Einwanderung verhalten, dennoch sei die Spendenbereitschaft für Flüchtlinge gestiegen.

Wunsch nach mehr Freiheit und Flexibilität

Für die Zukunft ihres Instituts hoffen beide Wissenschaftler auf mehr Freiheit und Flexibilität in der Forschung. Und dabei haben sie nicht nur ihre Studenten, sondern auch das gesellschaftliche Bewusstsein im Sinn. „Das IMIS will schließlich nicht nur auf Geschehnisse reagieren“, sagt Pott. „Wir wollen auch Themen setzen.“

Mehr Informationen, Artikel und Tipps rund um den Campus Osnabrück finden Sie auf unserem Themenportal.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN